
- Die Blaumeier - Christian Goldmann
Kennern der Bremer Kunst- und Theaterszene sind sie schon seit langem ein Begriff: die Mitglieder des Blaumeier-Ateliers in Walle. Die Blaumeier, wie sie gerne auch genannt werden, sind Menschen mit und ohne körperlichen und geistigen Behinderungen. Sie alle eint die Begeisterung für Kunst und Kultur. In regelmäßigen Kursen treffen sich derzeit regelmäßig rund 200 Menschen pro Woche in den Räumen des Ateliers an der Travemünder Straße, wo sie in den Bereichen Theater, Maskenbildnerei und -spiel, Bildende Kunst und Schriftstellerei Kurse belegen. Aus diesen Kursen entstehen regelmäßig Aufführungen und Ausstellungen. Die Blaumeier bereichern inzwischen seit über 20 Jahren das kulturelle Leben der Hansestadt und können sich durchaus mit anderen Künstlern der Gegenwart messen. Ihre Theatervorführungen sind nahezu immer ausverkauft und auch die lokale Presse ist ebenfalls häufig voll des Lobes. Elf Mitarbeiter haben beim Blaumeier-Atelier einen festen Job.
Die Geschichte des Blaumeier-Ateliers
Der Ausgangspunkt für die Entstehung des Blaumeier-Ateliers war die Anti-Psychiatrie-Bewegung, die ihre Anfänge in den 1970er-Jahren in Italien hatte. Dort wurden psychiatrische Kliniken aufgelöst. Aus Patienten die in Anstalten lebten, wurden Menschen, die von da an in normalen Wohnungen ambulant betreut wurden. Mitte der 1980er Jahre kam diese Bewegung auch in Norddeutschland an. Von der psychiatrischen Langzeitklinik Kloster Blankenburg in der Nähe von Oldenburg ausgehend tat sich eine Gruppe von Patienten, Klinikmitarbeitern, Künstlern und Sympathisanten zusammen, um über den Besuch mehrerer psychiatrischer Großkrankenhäuser auf bundesweit herrschende Missstände in den Anstalten hinzuweisen. Die Betroffenen wollten nicht einfach nur weggesperrt, separiert und ruhiggestellt werden. Zur Vorbereitung hatte die Mannschaft Masken, Bilder, Großfiguren rund um das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ geschaffen. Das Märchen war symbolhaft gewählt worden, um für die Wiedereinbürgerung der Ausgegrenzten zurück ins Öffentliche Leben zu demonstrieren. Bremen bildete den Zielpunkt der Reise und hier stellte sich die Frage, wie kann es mit der anti-psychiatrischen Bewegung weitergehen? So entstand die Idee, ein Künstleratelier mit verschiedensten Fachrichtungen zu gründen. Mit fünf ABM-Stellen und in einer baufälligen Lagerhalle startete das Projekt schließlich im Jahre 1986. Viele der Beteiligten des Protestzuges aus Blankenburg zogen nach Bremen und begannen, sich für das Blaumeier-Atelier zu engagieren.
Die Philosophie der Blaumeier
Nach eigenen Aussagen werden bei jeglicher Arbeit im Atelier oder bei den Ausstellungen, Konzerten und Theaterstücken zwischen gesunden und kranken Menschen keine Unterschiede gemacht. Jeder wird dort mit seiner individuellen Wahrheit, in seiner wortwörtlich verstandenen Originalität gesehen. Jeder bekommt bei Blaumeier die Gelegenheit, seine eigenen Stärken auszuspielen. Von dem Experiment aus den 1980er Jahren profitieren inzwischen alle, nicht zuletzt auch die Stadt Bremen, die zum Vorbild für die Integration von Menschen, die lange in Anstalten untergebracht waren, wurde. Finanziert wird das Blaumeier-Atelier zur einen Hälfte durch Spenden von Bürgern und Stiftungen, durch Einnahmen aus den Produktionen des Ateliers und zur anderen Hälfte durch die finanzielle Unterstützung des Bremer Senators für Soziales und Kultur. Das Blaumeier-Atelier ist ein eingetragener Verein.
Erfolgreiche Produktionen
Die Blaumeier haben inzwischen ungezählte Theaterproduktionen und Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Unter anderem inszenierten sie schon „Carmen“, „In 80 Tagen um die Welt“ oder „Suite Elisabeth“.
