Das Blaxploitation-Kino der Siebziger Jahre

sweet sweetbacks baadasss song - melvin van peebles
sweet sweetbacks baadasss song - melvin van peebles
Die Geschichte über die Anfänge und das Ende des Filmgenres Blaxploitation und seine Einflüsse auf den amerikanischen Rap.

Keine andere Filmära hat die Texte, den Stil und das Lebensgefühl amerikanischer Rap-Künstler so stark geprägt wie das Blaxploitation-Kino der siebziger Jahre. Kennt man sich mit diesem Subgenre aus, so kann man in jedem zweiten Text aktueller Rapper-Anleihen und Zitate finden, die so oder so ähnlich bereits aus den über dreißig Jahre alten Filmen bekannt sind. Dasselbe gilt für das modische Erscheinungsbild einiger Rapgrößen, die sich gerade wenn es um den Pimpstyle geht, gerne in den Garderoben von „The Mack“ oder „Willie Dynamite“ bedienen. Unvergessen sind natürlich auch die Soundtracks dieser Epoche von unter anderem Curtis Mayfield („Superfly“), Isaac Hayes („Shaft“), Willie Hutch („The Mack“), James Brown („Black Ceasar“) und Marvin Gaye („Trouble Man“), die bei Kennern einen hohen Stellenwert genießen und bereits des Öfteren Verwendung in zeitnaheren Rapnummern gefunden haben. Zeit also, der Geschichte des Blaxploitation Kinos auf den Grund zu gehen.

Die Anfänge

Alles fing Anfang der siebziger Jahre an. Die schwarze Bevölkerung Amerikas entwickelte im Zuge der Bürgerrechtsbewegung ein komplett neues Selbstbewusstsein und wollte dieses auch auf der Leinwand wieder finden. Afroamerikanische Hauptdarsteller waren zu dieser Zeit eine Seltenheit in Filmen, von den kriminellen Images der Blaxploitation-Helden ganz zu schweigen.

Das erste Werk dieser Art „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“ drehte Melvin Van Peebles 1971. Melvin richtete sich darin direkt an die afroamerikanische Bevölkerung aus den Ghettos, der er einen starken, selbst bestimmten und unabhängigen schwarzen Protagonisten präsentierte, was zu dieser Zeit ein radikales und vollkommen neuartiges Konzept war. Während der Dreharbeiten stieß der Regisseur auf massive Schwierigkeiten, welche sein (einem heutigen Publikum wohl eher bekannter) Sohn Mario Van Peebles in dem 2004 erschienenen Streifen „Baadasssss!“ genau dokumentierte.

Trotz aller Probleme wurde Melvins zweite Arbeit ein großer Hit, was nicht zuletzt an dem von der damals noch unbekannten Gruppe „Earth, Wind and Fire“ eingespielten Soundtrack lag. Der Erfolg des Streifens überzeugte viele Filmproduzenten von der Wichtigkeit farbiger Themen im Kino.

Der Boom des schwarzen Kinos

Kurz darauf schickten die MGM Studios den von Richard Roundtree verkörperten Privatdetektiv John „Shaft“ ins Rennen. Die Cast des Films bestand ursprünglich aus weißen Darstellern, welche nach Melvin’s Erfolg komplett gegen eine schwarze Besetzung ausgetauscht wurden. Shaft, der wie eine Mischung aus James Bond und Dirrty Harry wirkte, ist bis heute die bekannteste Figur dieser Ära. Der Thriller wurde ebenfalls ein Hit und bescherte Isaac Hayes einen Oscar für den Song „Theme of Shaft“. Später sollten noch zwei Fortsetzungen an den Erfolg anschließen.

In der Folgezeit kamen dutzende weitere Blaxploitationfilme auf den Markt, deren auffällige Gemeinsamkeiten zu Markenzeichen des Genres wurden. Die farbigen Hauptcharaktere waren meist starke, potente Männer, die sich in einem kriminellen Milieu (sehr beliebt waren Zuhälter und Drogendealer) bewegten. Weiße wurden wahlweise als brutale Polizisten, bösartige Mafiamitglieder oder als völlig heruntergekommene Gestalten dargestellt, was vielen der Werke einen rassistischen Grundton gab.

Was bedeutet Blaxploitation?

Der Name Blaxploitation entstand durch die Tatsache, dass zahlreiche Exploitationfilmer das schwarze Kino als Aufhänger benutzten, um extrem gewalttätige und moralisch fragwürdige Gangsterfilme zu drehen. Das Budget bei diesen Produktionen war meist sehr gering und wegen der expliziten Inhalte konnten sie oft nur in so genannten Grindhousekinos gezeigt werden.

Interessant waren auch einige auf starke weibliche Protagonisten fixierte Streifen, wie „Foxy Brown“, „Coffy“ oder „Ein Fall für Cleopatra Jones“, aus denen Stars wie Tamara Dobson und Pam Grier (der Quentin Tarantino 1997 mit „Jackie Brown“ ein Denkmal setzte) hervorgingen.

Kurioses

Im Zuge der Entwicklung wurden auch ehemals „weiße“ Themen für ein farbiges Publikum neu aufgelegt, was zu kuriosen Filmen wie „Blackenstein“, „Blacula“ und „Dr. Black and Mr. Hyde“ führte. Überhaupt war der Trash Output dieses Subgenres sehr hoch, wodurch ebenfalls einige Kultobjekte (z.B. die „Dolemite“ Reihe mit Rudy Ray Moore) entstanden. Allerdings muss klar gestellt werden, dass sich das Blaxploitation Kino nicht nur auf leichtfüßige Unterhaltung und trashige Actionreißer verstand. Es kamen durchaus auch ernsthafte Werke ins Kino, wie beispielsweise „The Mack“ (1973) und „Willie Dynamite“ (1974). Gerade letzteres Drama setzte sich unüblich kritisch mit dem Lebensstil der oft glorifizierten Zuhälter auseinander.

Den wohl bekanntesten Soundtrack dieser Zeit schuf 1972 der mittlerweile verstorbene Curtis Mayfield zu dem Drogenkrimi „Superfly“. Mayfields äußerst sozialkritisches Werk wurde weit bekannter als der dazugehörige Film. Remakes und Samples des „Superfly“-Soundtracks ziehen sich im Übrigen durch die komplette Geschichte des Hip Hop.

Das Ende der Blaxploitation-Ära

Seit Beginn der Blaxploitation-Ära wurden Stimmen laut, denen die stereotype Darstellung Farbiger in den besagten Werken entschieden zu weit ging. Daraus entstand die „Coalition Against Blaxploitation“, die mit der Zeit von immer mehr schwarzen Filmschaffenden unterstützt wurde und mit Hilfe starker Medienpräsenz den Tod des Subgenres Mitte der Siebziger beschleunigte.

Doch trotz ihrer kurzen Dauer konnte die Zeit der Blaxploitationfilme einiges verändern. Afroamerikanische Darsteller, Regisseure und die Probleme der Unterschicht sind aus dem heutigen Kino nicht mehr wegzudenken. Aktuellere Werke wie „Hustle & Flow“, „Boyz N the Hood“ oder „Dead Presidents“ stehen deutlich im Zeichen dieser Klassiker und sogar der deutsche Film „Leroy“ (2007) bedient sich der alten Stärken.

Interessant anzusehen sind die funkigen Streifen aus den Siebzigern auch heute noch. Der ein oder andere Aha-Moment in Hinsicht auf die aktuelle amerikanische Rapelite ist dabei definitiv garantiert.

René Schweitzer, René Schweitzer

René Schweitzer - Mein Name ist René Schweitzer. Ich heiße nicht nur Schweitzer sondern bin auch Schweizer Staatsbürger, obwohl ich dort ...

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