"Das Buch der Symbole": Per Anhalter durch die Innenwelt

Ein Handbuch der visuellen Erfahrungen - Taschen Verlag
Ein Handbuch der visuellen Erfahrungen - Taschen Verlag
Ein modern ausgestattetes Sammelwerk zum kollektiven Unbewussten nach C. G. Jung - einsteigen, Augen öffnen und die Bewusstseinserweiterung kann beginnen.

Das kollektive Unbewusste ist ein Schatz aus Symbolen der gesamten Menschheitsgeschichte. Der Psychologe Carl Gustav Jung gilt als dessen Entdecker. Nun haben amerikanische Wissenschaftler zum ersten Mal einen vollständigen Sammelband mit Betrachtungen zu Jungs archetypischen Bildern vorgelegt - ein Handbuch der visuellen Erfahrungen: "Das Buch der Symbole".

Orientierung auf dem Weg der Selbsterkenntnis

"Die alten Ägypter hatten nur ein Wort für schreiben und zeichnen", heißt es im Vorwort zu dem langjährigen Wissenschaftsprojekt des US-amerikanischen Archive for Research in Archetypal Symbolism (ARAS). Ein ähnliches Verständnis von Bild und Text visieren die Autoren im "Buch der Symbole" an. Man kann in die Lektüre einfach einsteigen wie in ein Gefährt. Im ICE-Tempo führt es einen "zu mythologischen, ritualistischen und symbolischen Bildern aus aller Welt und aus allen Epochen menschlichen Lebens". Bei der Reise durch die inneren Landschaften bietet das schon äußerlich sehr ansprechende Sammelwerk vor allem Orientierung auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Will heißen, dass das mehr als 800-Seiten starke Buch modern und mit Bedacht in Häppchen aus Essays und Bildern aufbereitet ist.

Vom nächtlichen Traumland ins tägliche Bewusstsein

Einst nutzte Carl Gustav Jung das Wissen um die Ab- und Urbilder im Menschen, die sich meist im Traum artikulieren, um seine Patienten von Neurosen, Psychosen und seelischen Defekten zu heilen. Durch das Wissen um die Kraft der Bilder gelang es ihm, Bedeutungen aus dem nächtlichen Traumland ins tägliche Bewusstsein zu führen. Diesen Bedeutungen sind die Autoren vom "Buch der Symbole" auf die Spur gegangen - mit dem Hintergrundwissen ihrer Fachgebiete Psychologie, Religion, Kunst, Literatur und vergleichende Mythenkunde.

"Das Buch der Symbole" wendet sich an eine breite Leserschaft wie Schriftsteller, Designer, Therapeuten, Träumer, Studenten, Fans von Videospielen und Comics sowie Selbsterforscher. Dabei sollten die Kinder nicht vergessen werden – glücklich, wer auf seiner (heimlichen) Entdeckungsreise durch den elterlichen Bücherschrank schon früh auf diese Kostbarkeit trifft und die Zusammenhänge alles Lebendigen ergründen darf. Symbole aus Schöpfung und Kosmos, Pflanzen-, Tier-, Menschen- und Geisterwelt wurden in dem Sammelsurium sichergestellt.

Befreiung des Geistes mit einem kompetenten Führer

Fließend sind die Übergänge der Symbole im Buch wie die menschliche Seele selbst. Wer sich auf den Weg durch die verschiedenen Ebenen einlässt und die Augen offen hält, wird bewusst und reich belohnt. Vergessen und Verdrängen ergo Stillstand ist ohnehin unmöglich, denn die Bilder sind da - allgegenwärtig, in uns verankert als Pfeiler der menschlichen Gefühlswelt. Es ist kein starres System, unsere sogenannte Seele, sondern eines, das stetig wächst. Wenn der Blick nach Innen geht, geht auch die Befreiung des Geistes immer weiter. Was man dazu braucht? Einen kompetenten Führer, denn allein kann man sich leicht verirren in dieser chaotisch fließenden Welt des Unbewussten. "Das Buch der Symbole" ist so ein kompetenter Führer. Die darin versammelten Essays und Zeichen dienen dem individuellen Verständnis, das wiederum unsere kollektive Zukunft prägt. Man muss nur noch einsteigen in die Lektüre, aufspringen auf den Zug. Das Ticket gibt es schon für 29,99 Euro. Gute Reise! Und kommen Sie gesund zurück.

Das Buch der Symbole: Betrachtungen zu archetypischen Bildern. Taschen 2011. Gebundene Ausgabe, 808 Seiten. Euro 29,99.

Caroline Stern, (c)

Caroline Stern - Veröffentlichungen u. a. in: People Management, Time Out London und auf: morgenpost.de, stern.de, welt.de. Aufgewachsen in Plauen ...

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