Das Burn Out Syndrom durchschreitet verschiedenen Stufen an deren Ende die völlige Erschöpfung steht. Die Ursachen dieses Kreislaufes können vielfältig sein. Die meisten Patienten erleben ihren Job, ihre Umwelt, die Mehrfachbelastungen des Alltags als Auslöser ihres Ausgebranntseins. Oft sind psychosomatische Beschwerden mit im Spiel. Versuche, durch Entspannungsübungen, durch mehr "Work-Life-Balance" diesen Kreislauf zu durchbrechen führen oft in die Resignation, weil sich nicht grundlegend etwas im Erleben der Erschöpfung ändert. Manche Patienten kommen nach wochenlanger Kur zurück und fühlen sich am ersten Arbeitstag wieder erschöpft. Was steckt dahinter?
Die inneren Antreiber als Burn Out Verursacher
Unsere Psyche ist eine kleine Gesellschaft, in der haben manche Anteile das Sagen und manche Anteile leben in der Opposition oder gar in der Verbannung.
Wenn ein Hauptanteil im inneren System der Psyche als gnadenloser Antreiber fungiert, so ist es aus Sicht dieses Überlebensanteils sinnvoll, immer weiter in Aktion zu bleiben. Solche Anteile erkennt man an Glaubenssätzen wie z.B. "nur Der in der Firma, der 150 Prozent gibt, hat hier überhaupt eine Chance." Diese Überlebensanteile sorgen auch dafür, dass der Mensch die Umwelt gemäß diesen Glaubenssätzen wahrnimmt und somit in dieser Weltsicht immer wieder bestätigt wird.
Der Überlebensanteil macht dies aus einer guten Absicht heraus, um damit für Stabilität zu sorgen und um das Überleben zu sichern.
Andere Anteile, die längst überfordert sind, kommen immer weniger zum Vorschein und treten den inneren Rückzug an.
Die Nebenwirkungen von Stabilität und Sicherheit
So paradox es klingt, je stärker die Erschöpfung wird, desto stärker wird der Überlebensanteil die Strategie der Ausbeutung vorantreiben um Sicherheit und Stabilität herzustellen.
Denn oft sind die Aufträge und Glaubenssätze der Persönlichkeitsanteile nicht nur biographischen Ursprungs, sondern haben einen familiensystemischen Hintergrund.
Je kompetenter ein innerer Anteil ist und je bedeutsamer sein Stellenwert im psychischen System, desto absoluter ist die ihm innewohnende Haltung. Dies kann beim Burn Out Syndrom dazu führen, dass solch ein Anteil die gesamte Regie der Psyche übernimmt.Dann funktionieren auch Angebote an Entspannung, mehr Gelassenheit etc. nicht tiefgreifend.
Sinnvoll ist es zu verstehen und zu begreifen, was denn die gute Absicht dieses Überlebensanteils ist. Wofür es früher einmal notwendig war, in diese Haltung zu gehen und was damit geschützt werden soll.
Die Kompetenz des Burn Out Verursachers nutzen für eine ressourcenorientierte Entwicklung
Ziel ist es, mehr Demokratie in der Psyche und somit mehr Integration zu erreichen. Ein Hauptanteil der das Überleben sichert, ist für therapeutische Interventionen nur sehr bedingt zugänglich, dafür ist seine Funktionsrolle zu bedeutsam. Nur wenn Anteile, die mehr "Seins-Qualität" tragen aus ihrem Schattendasein heraustreten und mehr am Leben beteiligt sind, kann auch der antreibende Anteil in einen entspannteren Modus kommen. Somit ist es therapeutisch notwendig, sich im Spannungsfeld zwischen Überlebens-Ich und den verdrängten Anteilen zu bewegen. Wichtig hierbei, trotz der "Nebenwirkungen" des Überlebens-Ichs, die Leistung des Anteils anzuerkennen und begreiflich zu machen, welchen Nutzen es für den Betroffenen bisher hatte. Denn dieser kompetente Anteil hat viele Fähigkeiten die genauso hilfreich eingesetzt werden können um den Kreislauf des Burn Out zu durchbrechen. So kann gerade mit Unterstützung dieses Anteils ein ausbalancierter Seelenzustand erreicht werden.
