Das chinesische Neujahrsfest in Thailand

Millionen Thai-Chinesen begrüßen das Jahr des Tigers

Traditioneller chinesischer Löwentanz - M. Rottmann
Traditioneller chinesischer Löwentanz - M. Rottmann
Firmen und Geschäfte bleiben geschlossen, wenn alle Thais, die chinesische Vorfahren haben, ihr größtes und wichtigstes Fest des Jahres feiern.

Das chinesische Neujahr, das sich nach dem Mondkalender richtet und 2010 auf den 14. Februar fällt, ist ein Familienfest, und da Familien oftmals weit getrennt voneinander leben und arbeiten, kann man vor und nach den Feiertagen durchaus von einer kleinen Völkerwanderung im alten königlichen Siam reden. Das spüren manchmal auch ausländische Touristen, die in dieser Zeit kurzfristig einen inländischen Flug oder ein Hotel buchen möchten, einen Inselbesuch oder Restaurantbesuch planen.

Eine hohe Anzahl thailändischer Staatsbürger hat chinesische Vorfahren

Heutzutage ist Thailand kein Einwanderungsland, aber das war nicht immer so. Nachgewiesenermaßen kamen die ersten, sehr willkommenen, chinesischen Händler bereits im 13ten Jahrhundert nach Ayutthaya und ließen sich dort nieder. Nach der Zerstörung Ayutthaya’s durch die Burmesen im 18ten Jahrhundert begründete General Taksin, der Sohn eines chinesischen Immigranten, im kleinen Städtchen Thonburi am rechten Ufer des Chao Phaya (heute ein Stadtteil Bangkoks), ein neues Siam. Er ermutigte chinesische Siedler, in die neue Stadt zu kommen. Dieser Einladung folgten sie in großen Zahlen, da ihnen wertvolle Handelsprivilegien gewährt wurden.

Bereits im Jahre 1932 waren über 12% der thailändischen Bevölkerung ethnische Chinesen. Diese Immigranten waren zunächst vorwiegend Männer, die siamesische Frauen heirateten und deren Kinder und Kindeskinder als Sino-Thai bezeichnet werden. Nach und nach kamen aber auch chinesische Familien nach Thailand und gründeten z.B. Schulen, um die eigene Kultur an ihre Kinder weiter zu geben. Die immigrierten Chinesen und deren Nachkommen wurden stets ermutigt, die thailändische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Bis zum Jahre 1970 hatten schätzungsweise 90% der in Thailand geborenen Chinesen dieses bereits getan.

Chinesische Tradition und Kultur bestimmen die Vorbereitungen der Festlichkeiten

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund wird es klar, warum das chinesische Neujahrsfest in ganz Thailand derart groß gefeiert wird. Fast unsichtbar für die Öffentlichkeit beginnen die gewissenhaften Vorbereitungen. Ähnlich unserem deutschen Frühjahrsputz, werden die Häuser und Wohnungen gründlich gereinigt. Hier kommen Bambuszweige symbolisch zum Einsatz. Damit möchte man alten „Schmutz“ und ungute Dinge aus dem Hause entfernen, um frei von Altlasten das neue Jahr begrüßen zu können.

Es wird großzügig eingekauft, denn man erwartet ja die oftmals sehr große Familie und es gibt spezielle süße Speisen, die bereits in den Tagen vorher zubereitet werden müssen. Die Meisten kleiden sich auch neu ein und gehen zum Friseur. (Ein Friseurbesuch während der Feiertage bedeutet Unglück) Häuser und der Eingangsbereich werden mit roten Ballons, die Symbolfarbe für Glück, und Spruchbändern, auf denen Wünsche nach Glück, Freude, Reichtum und einem langen Leben zu lesen sind, geschmückt.

Chinesische Knaller, Feuerwerk und festliche Umzüge mit Drachentanz

Am letzten Tag des alten Jahres trifft sich die Familie zu einem gemeinsamen Mahl und verlässt das Haus vor Mitternacht, um das neue Jahr zu begrüßen. Danach kehrt man ins Haus zurück und öffnet alle Fenster, damit das neue Jahr ungehindert hereinkommen kann. Dies ist auch die Zeit der ohrenbetäubenden chinesischen Knaller (mit denen die bösen Geister vertrieben werden), Feuerwerke, bunten Festivals und kulinarischen Spezialitäten, an denen auch Touristen gern teilhaben.

Am nächsten Morgen wünscht man den Älteren der Familie ehrerbietig alles Gute zum neuen Jahr und dann werden rote Briefumschläge mit Geld an Kinder und unverheiratete Familienmitglieder verteilt. Süß gefüllte Nudelteigtaschen werden herumgereicht, klebriger süßer Reis wird dem Küchengott angeboten (damit er der Familie im neuen Jahr wohlgesonnen ist) und selbstverständlich gedenkt man nun auch der Ahnen, vor dessen Erinnerungstafeln man betet und Räucherstäbchen anzündet. Dann verbringt man den Tag mit Besuchen in Tempeln, bei Freunden, Veranstaltungen oder in Restaurants.

Auf den Straßen ganz Thailands finden bunte Paraden statt, bei denen die Drachen- und Löwentänze, rhythmisch begleitet von Trommeln und chinesischen Gongs, immer ein Höhepunkt der wahrhaftig fernöstlichen Vorführungen sind.

Monika Rottmann, Monika Rottmann

Monika Rottmann - Wenn Kinder geboren werden bekommen sie einige Talente mit auf den Lebensweg, die sie manchmal, auch zum Nutzen anderer, gut ...

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