Lakeball: Über das Tauchen nach dem Golfball

Golfball-Taucher Sascha Kruse hebt jährlich 80.000 Golfbälle

Sascha Kruse ist hauptberuflicher Golfball-Taucher; einer von einer handvoll deutschlandweit. In Schleswig-Holstein taucht er nach seinen Perlen - den Golfbällen.

80.000 Golfbälle erblicken jährlich durch ihn wieder das Tageslicht. Sascha Kruse ist Golfball-Taucher, einer von einer handvoll Profi-Golfball-Tauchern deutschlandweit. Aus einem anfänglichen Hobby ist mittlerweile ein ernst zu nehmender Beruf geworden. Auf Schleswig-Holsteins Golfplätzen hat Sascha Kruse, der seine einzigartige Firma unter „Golfball Comeback“ vermarktet, sein Tauchrevier gefunden.

Auf der Suche nach den Golfbällen

Gut Luft, so lautet der Tauchergruß. Professionell mit Atemgerät, Schwimmflossen und Netz taucht er heute im Golfclub Gut Glinde ab. Das Wasserhindernis an Loch 15 ist sehr eisenhaltig, das Wasser dadurch dunkel. "Meine Sicht ist begrenzt. Es ist schwer, überhaupt etwas zu sehen", sagt Kruse. Während er nach dem kleinen Glück, den Golfbällen, abtaucht, genießen um ihn herum die Mitglieder des Clubs das Vergnügen, auf dem Grün zu putten. Der eine oder andere Schlag geht auch schon mal daneben; der Ball ins Wasser. Für den Spieler ist das ärgerlich, doch Kruse kann sich freuen.

Gekonnt und gezielt greift Kruse nach seinen Perlen. Manchmal greift der Taucher aber nicht nur nach Golfbällen – schon ganze Trolleys und Bags samt Inhalt konnte er aus den Teichen fischen. An diesem morgen erleben gut 700 Bälle ihr Comeback an der Wasser-Oberfläche. Das ist ein guter Schnitt, doch die Arbeit ist noch lange nicht vorbei. Immer wieder taucht er ab, zwei, drei Male – bis die Netze voll sind.

Eine Waschmaschine reinigt die Golfbälle

Bis die Bälle wieder an die Spieler gebracht werden können, ist es noch ein langer Weg. Zuerst müssen die Bälle aufbereitet, gewaschen und sortiert werden. Eine umgebaute Waschmaschine übernimmt dabei die Reinigung, mittlerweile sorgt ein zweiter Profi-Waschautomat für saubere Bälle.

„Ich tauche zwei bis dreimal die Woche“, sagt der Holsteiner, der seinen Beruf aufgab, um als selbstständig Unternehmer nach Golfbällen zu tauchen. In Schleswig-Holstein taucht er auf 20 bis 25 Plätzen. Schon als Junge hatten es ihm die runden Dinger angetan: „Ich habe Golfbälle aus dem Knick gesammelt. Später kamen die Gummistiefel und dann die Watthose.“ Heute taucht er im Neoprenanzug.

Lakeballs sind in Amerika ein Verkaufshit

In Deutschland ist Golf bislang noch kein Breitensport – eher zurückhaltend daher auch das Geschäft mit den sogenannten Lakeballs: den Bällen, die Kruse und seine Kollegen aus den Wasserhindernissen eines Golfplatzes holen. Ganz anders dagegen in Amerika. In den USA ist das Lakeball-Tauchen zu einer Goldmine geworden. Die Tauchunternehmen buhlen darum, ins Wasserhindernis der Golfanlagen zu springen. Nur zu verlockend und lukrativ ist das Geschäft mit den verschlagenen Perlen – den Golfbällen.

Und eines gilt auch hier in Deutschland: Solange auf den nordischen Plätzen Golf gespielt wird, wird Sascha Kruse abtauchen.

Nicole Kuchenbecker, Nicole Kuchenbecker

Nicole Kuchenbecker - Nicole Kuchenbecker arbeitet seit mehr als 15 Jahren in den Bereichen Journalismus und Public Relations. Journalistisch arbeitet sie ...

rss