Der Photoautomat, ein Retro-Spielzeug der Sonderklasse. Vor ca. zwei Jahrzehnten wurde dem klassischen Photoautomaten ein Ende bereitet. Zu altmodisch, zu umständlich und nicht zeitgemäß schienen die analogen Momentaufnahmen. Spätestens seit den strengen Auflagen und Richtlinien für die Passfotografie waren die alten schwarz-weiß Bildstreifen passé.

Das Projekt zur Wiederbelebung der Photoautomaten

Die beiden Berliner Asger Doenst und Ole Kretschmann überlegten vor gut sechs Jahren, ob man dem scheinbar schon ausgestorbenen Kasten wieder zu neuem Leben verhelfen könnte. Lange Recherchen und die Kooperation mit einem Unternehmen aus der Schweiz ermöglichten ihnen, einen Apparat mit viel Liebe und Mühe zusammenzubasteln. Das passende Papier zu finden erwies sich als mindestens so aufwendig wie das neue Erlernen der alten Technik zur Instandsetzung und Inbetriebnahme. Dieser erste Automat bildete den Anfang des Unternehmens, welches von Jahr zu Jahr mehr floriert. Die beiden Gründer hatten bald den Plan ihre Leidenschaft zum Geschäft auszubauen. Sicherlich gäbe es mehrere Leute, denen der klassische Photoautomat schon abgegangen war. Sie sollten damit Recht behalten.

Die Erfolgstaktik der Photoautomaten

Der nostalgische Touch, das Retro-Flair und die Amélie-Romantik waren auf Seite der Wiederentdecker und Vorreiter. In kürzester Zeit etablierte sich der scheinbar schon vergessene Photoautomat zum festen Bestandteil des Berliner Nachtlebens. Vier verschiedene Bilder von allen, die sich in die Automatenbox quetschen können, vorteilhafte schwarz-weiß Aufnahmen, die jeden ins rechte Licht rücken, das ganze in nur wenigen Minuten Wartezeit entwickelt und zum günstigen Preis von 2 Euro, das bieten die Retro-Automaten. Von der guten Laune, die solche Aktionen auslösen können, steht nichts auf der Bedienungsanleitung. Die gibt es als Geschenk dazu.

Photoautomaten in vielen Städten Europas

Heute gibt es Dank dieses Revivals wieder Automaten in sieben europäischen Städten. Zehn stehen in Berlin, zwei in Hamburg und jeweils ein Exemplar findet sich in Köln, Dresden, London, Wien und Florenz. Ganz frisch seit Ende Mai stehen Automaten in den letzten beiden Städten. Sie werden auch hier, wie an jedem Standort, von geschultem Personal betreut. Auf besonderen Wunsch kann man die Photoautomaten für diverse Veranstaltungen mieten. Dabei werden auch Design-Wünsche und Vor-Ort-Betreuung berücksichtigt.

Der Automat als Magnet für Künstler

Seit dem Wiederaufstellen der "Miniateliers", wie Asger Doenst seine Automaten liebevoll bezeichnet, haben zahlreiche Künstler sich den Charme der Box zu Nutze gemacht. Eine Kunstinstallation im Rahmen des Berliner Kunstsalons machte 2009 einen Automaten zum verlockenden Beichtstuhl am Prenzlauer Berg. Designer Labels wie das französische Guediavaye setzen Mode mit Hilfe der Automaten sprichwörtlich in Szene, aufstrebende Sänger drehen in der Kabine Musikvideos, aber auch etablierte wie Pete Doherty, der, wie sogar auf youtube dokumentiert, begeistert von dem Automaten in Hamburg war, steigen in die Photowundermaschine für eine kleine Zeitreise.

Quellen:

Ich widme diesen Artikel der Fotografin und Mitarbeiterin der Photoautomaten.de, Marisa Vranjes. Vielen Dank für das Gespräch.