Das Danewerk, dänisch Dannevirke genannt, war im frühen und im Hochmittelalter eine befestigte Grenze zwischen den Siedlungsgebieten der Wikinger oder Dänen und den weiter südlich auf der jütischen Halbinsel lebenden Slawen oder Sachsen. Es entstand in mehreren Phasen und gilt als das größte archäologische Bodendenkmal in Nordeuropa.
Den Wikingern ging es vor allem um die Sicherung des Verkehrs quer über die jütische Halbinsel. Denn hier war die kürzeste Landverbindung zwischen Nordsee und Ostsee. Die Wikinger brachten ihre Handelsgüter per Schiff nach Haithabu. Von dort ging es über Land bis an die Treene und weiter via Eider und Nordsee zum Ziel. Oder umgekehrt.
Das Danewerk zog sich von der Handelssiedlung Haithabu am Haddbyer Noor bis nach Hollingstedt an der Treene über rund 30 Kilometer hin. Westlich der Treene war das Gelände durch Sümpfe und Wasserläufe praktisch nicht passierbar. Östlich von Haithabu bildete die Schlei eine natürliche und schwer überwindbare Grenze. Daneben gab es im frühen Mittelalter noch den Ostwall vom Windebyer Noor bei Eckernförde und der Großen Breite der Schlei. Er schütze die Halbinsel Schwansen. Dieser Schutzwall wurde nach der Wikingerzeit aufgegeben. Heute sind nur noch an einigen Stellen Reste erkennbar.
Im Danewerk gab es nur ein Tor, das Wieglesdor. Durch dieses Tor führte der Ochsenweg von Jütland in das Land der Slawen, Sachsen und Franken. Dieses Tor wurde 2010 vermutlich wieder entdeckt.
Erstes Danewerk
Die ältesten Teile des Danewerks konnten dendrochronologisch auf das Jahr 737 datiert werden. Es bestand aus einem etwa 2 Meter hohen und etwa 12 Meter breiten Erdwall mit einer Holzpalisade. Es wird vermutet, dass die Anlage der Abwehr gegen slawische Stämme und die nach Norden vordringenden Sachsen diente.
Das Danewerk der Wikinger
Das zweite Danewerk bestand aus einem etwa 2 Meter hohen und 7 Meter breiten Erdwall. Davor war ein rund 4 Meter breiter und 3 Meter tiefer Graben, der Kograben, angelegt. Die Wallfront hatte auch eine Holzpalisade.
Neuere Untersuchungen deuten auf eine Bauzeit um 800 zur Zeit des Königs Gudfred. Grund für den Bau waren wohl die Konflikte zwischen dem Frankenreich, das seit etwa 800 auch über das Herzogtum Sachsen herrschte, und den dänischen Wikingerreichen. Aus dieser Zeit stammt auch die erste Absprache zwischen Karl dem Großen und dem Dänenkönig über die Reichsgrenze entlang der Eider. Daneben wird auch die Hypothese, dass der Kograben als Schifffahrtskanal genutzt wurde, vertreten.
Das Danewerk im Hochmittelalter
Der Hauptwall des dritten Danewerks war rund 5 Meter hoch und zwischen 20 und 30 Meter breit. Später wurde die Front des Walls verstärkt. Zunächst entstand eine 3 Meter hohe und 3 Meter breite Feldsteinmauer. Später folgte eine bis zu 7 Meter hohe Backsteinmauer. Als Baubeginn wird das Jahr 968 datiert. Grund für den Ausbau waren die Auseinandersetzungen zwischen den ostfränkischen Herrschern und den dänischen Königen, die sich von der Oberherrschaft des Frankenreiches lösen wollten. 974 kam es zum bewaffneten Konflikt zwischen Otto II. und Harald Blauzahn.
Schließlich entstand um 1170 noch die so genannte rund 3700 Meter Waldemarsmauer. Das war eine rund 7 Meter hohe und etwa 2 Meter dicke Backsteinmauer vor einem rund 30Meter breiten Wall. Die Mauer soll das älteste profane Backsteinbauwerk in Nordeuropa sein.
Verfall des Danewerks
Die Grenze zwischen den Reichen der Dänenkönige und der Ostfranken, auch zwischen Schleswig und Holstein, bildete seit dem frühen 11. Jahrhundert endgültig die südlich des Danewerks fließende Eider. Das Danewerk verlor seine Bedeutung und verfiel zunehmend.
Das Danewerk im deutsch-dänischen Krieg von 1864
Im 19. und im 20. Jahrhundert wurde das Danewerk nochmals militärisch bedeutsam. Dänische Pioniere bauten es zu einem Verteidigungswall aus. Im Krieg von 1864 zwischen Dänemark und dem Deutschen Bund zog sich die dänische Armee vor den Österreichern hinter das Danewerk zurück. Doch das schützende sumpfige Gelände vor dem Wall drohte zuzufrieren. Dann wurden die rund 40.000 dänischen Soldaten nach Flensburg und in die Festung Düppel vor Sonderburg verlegt. Seinen Nimbus als nicht einnehmbare Festung hatte das Danewerk damit verloren.
Das Danewerk im Zweiten Weltkrieg
Das Danewerk sollte zu einer gegen Norden gerichtete Panzersperranlage werden. 9.000 Männer standen für die Bauarbeiten bereit. Doch der Archäologe Sören Telling vom damaligen Landesmuseum Schleswig-Holstein konnte den Reichsführer SS Heinrich Himmler davon überzeugen, dass das Danewerk als Zeugnis der germanischen Kultur unersetzlich sei und nicht zerstört werden dürfe. So wurde das Denkmal Danewerk bewahrt.
Das Danewerk heute
Seit 1950/51 stehen die Reste des Danewerks, das sind etwa 80 Prozent der ursprünglichen Wallanlagen, unter Naturschutz und seit 1958 auch unter Denkmalschutz. Seit 1990 gibt es am Durchlass für den Ochsenweg direkt am Wall das Danewerkmuseum. Es wird derzeit versucht, das Danewerk und die Wikingersiedlung Haithabu von der Unesco als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.
Das Wieglesdor
An der Schnittstelle von Danewerk und Ochsenweg konnten Archäologen 2010 damit beginnen, die Reste eines Tores auszugraben. 2008 konnte die Sydslesvigsk Forening (SSF) mit Geldern des AP Möller-Fonds das ehemalige Cafe Truberg kaufen und dann mit Unterstützung von Eon abreißen. Dann konnte 2009 das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein erste Untersuchungen an dieser Stelle durchführen. Gefunden wurden die überraschend gut erhaltene Feldsteinmauer aus dem 8. Jahrhundert und eine Unterbrechung dieser Mauer. 2010 konnten dann zwei Wangen eines etwa 6 Meter breiten Durchlasses in der Feldsteinmauer freigelegt werden. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Durchlass mindestens 450 Jahre benutzt und wahrscheinlich um 1200 aufgegeben wurde. Es ist zu vermuten, dass es sich um das lange gesuchte Wieglasdor handelt. Das war 808 in den fränkischen Reichsannalen als einziges Tor im Danewerk genannt worden.
Literatur
- Henning Hellmuth Andersen: Das Danewerk: Zur Wehr des ganzen Reiches. Wachholtz Verlag Neumünster 1996, ISBN 978-3-52902-352-1
- Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein: Danewerk-Atlas, 2008
