Beispielsweise hat das Dokument „Agenda 21“ schon 1992 auf internationaler Ebene diese Ziele beschrieben. Für Deutschland hat eine Kommission des Deutschen Bundestages das Leitbild der Nachhaltigkeit mit seinen drei Dimensionen auch für die Berufsausbildung fassbar gemacht.

Ökonomische Leistungsfähigkeit

Diese Dimension beinhaltet ein geändertes Verständnis von Wirtschaften im Ausbildungsbetrieb. Man löst sich von traditionellen wirtschaftlichen Fortschritts- und Wachstumsmodellen und bezieht die dauerhafte Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen mit ein. Ziel ist die Befriedigung der Bedürfnisse bei gleichzeitiger Erhöhung des gesellschaftlichen Wohlstandes unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene nennt die Kommission einen hohen Beschäftigungsstand, Preisstabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht, angemessenes Wirtschaftswachstum sowie eine Reduzierung der Staatsquote als Ziele.

Ökologische Verträglichkeit

Für diese Dimension ist beispielsweise im Ausbildungsbetrieb als Grundregel formuliert, dass nicht mehr Ressourcen verbraucht werden als natürlicherweise nachwachsen. Die Menge der Emissionen darf auf Dauer nicht größer sein als die Menge, die durch natürliche Prozesse abgebaut werden kann. Das Zeitmaß menschlicher Eingriffe in die Umwelt muss in einem ausgewogenen Verhältnis zu der Zeit stehen, die die Umwelt benötigt, um darauf stabilisierend reagieren zu können. Gefahren und unvertretbare Risiken für den Menschen und die Umwelt sind zu vermeiden.

Soziale Gerechtigkeit

In dieser Dimension geht es um soziale Gerechtigkeit im Ausbildungsbetrieb und zwar sowohl innerhalb einer Generation (intragenerationale Gerechtigkeit) als auch im Hinblick auf zukünftige Generationen (intergenerationale Gerechtigkeit). Die Kommission nennt als soziale Ziele beispielsweise Wohlstand für alle, Frieden, individuelle Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten, soziale Sicherheit und Gewährung von Bildungs- und Ausbildungschancen.

Dimensionen des Leitbildes der Nachhaltigkeit

Um das Leitbild mit seinen drei Dimensionen in der Berufsausbildung umsetzen zu können, werden insbesondere im Bereich der Berufsausbildung folgende Strategien diskutiert:

  • Effizienz, das heißt bessere Nutzung von Ressourcen und Energie durch technische und logistische Innovationen.
  • Konsistenz, das heißt umweltverträglichere Gestaltung der Stoff- und Energieströme beispielsweise durch Stoffsubstitution oder Nutzung nachwachsender Rohstoffe.
  • Permanenz, das heißt Erhöhung der Dauerhaftigkeit/Langlebigkeit von Produkten und Materialien.
  • Suffizienz, das heißt Überprüfung und Wandel von Einstellungen im Hinblick auf ressourcen-und umweltschonende Konsum- und Verhaltensformen.

Nachhaltigkeit als Bezugspunkt

Nachhaltigkeit ist ein übergeordneter Bezugspunkt, der ökonomische, ökologische und soziale Ziele im Ausbildungsbetrieb im Interesse einer weltweiten, ethisch-moralischen, im Kern auf Gerechtigkeit angelegten Wertorientierung zusammenfasst – drei Dimensionen mit wechselseitigen Abhängigkeiten. Die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation sollen befriedigt werden, ohne die Bedürfnisse der nachwachsenden Generationen zu gefährden.

Nachhaltigkeit als Schlüsselbegriff

Nachhaltigkeit gilt als Schlüsselbegriff für eine sozial-ökologische Reform der Gesellschaft, die letztlich auf ein radikales Umdenken in nahezu allen Lebensbereichen und auf globales Lernen und Handeln hinausläuft. Die berufliche Bildung und die Berufsausbildung ist in besonderer Weise gefordert, weil in ihr ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und in letzter Zeit verstärkt auch die globalen Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar werden.