Das Dübener Ei und der Trabant

Das Dübener Ei - Helmut J. Salzer / Pixelio.de
Das Dübener Ei - Helmut J. Salzer / Pixelio.de
Auch DDR-Bürger hatten den Wunsch, schnell und preiswert in den Urlaub zu fahren. Dabei wollten sie durch einen Wohnwagen von teuren Hotels unabhängig sein.

In der ehemaligen DDR konnte man so gut wie alles bekommen. Man brauchte dafür nur gute Beziehungen, günstige Tauschobjekte oder handwerkliche Fertigkeiten. Viele Dinge wurden nach gebaut oder auch neu erfunden. Einige solcher Dinge sahen nicht immer schön aus. Dafür funktionierten sie verlässlich und oftmals besser als ähnliche Produkte aus dem Westen.

Der Trabant wurde das Auto für das Volk in der DDR

Wie heute bekannt ist, war der Automobilbau in der DDR sehr weit entwickelt und hätte keinen internationalen Vergleich zu scheuen brauchen. Es durfte aber nicht sein. Nichts davon ging in Serienproduktion. So wurde nur der Trabant in seiner jetzigen Form als Fahrzeug für das Volk genehmigt und immer weiter entwickelt. Die Wartezeit für ein solches Fahrzeug war enorm lang und ein gebrauchter Trabant wesentlich teurer als das Neufahrzeug. Trotzdem hatte fast jede Familie ein solches Fahrzeug. Nun wollte man damit auch länger in den Urlaub fahren. Als eine praktische Lösung wurde das Zelt auf dem Trabant entwickelt. Es blieb aber eine Notlösung.

Die einfache aber bewährte Technik des kleinen Trabant

Der Trabant ist nicht gerade eine typische Zugmaschine für Wohnanhänger. Die zulässige Achslast beträgt 300 Kilogramm. Im Laufe der Produktionsdauer, von 1964 bis 1990, gab es viele Veränderungen. Der Antrieb ist ein luftgekühlter Zweizylinder - Zweitaktmotor der quer zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Dieser kleine Motor hat 594,5 ccm und 23 PS. Er arbeitet als Frontantrieb. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Einscheibentrockenkupplung. Es gibt ein synchronisiertes Viergang - Wechselgetriebe mit Stockschaltung. Der Schalthebel befindet sich rechts neben dem Lenkrad. Der Trabant hat einen Plattformrahmen und eine Duroplastkarosserie mit Stahlblechgerippe. Die Vorderräder haben Dreiecksquerlenker unten und oben gibt es eine Querblattfeder. Die hinteren Räder hängen an einer Pendelachse. Ab 1988 gab es für den Trabant Schraubenfedern. Er besitzt Trommelbremsen und die Lenkung erfolgt über eine Zahnstange. Sein Leergewicht beträgt 630 Kilo. Dieser Kleinwagen hat einen Verbrauch von etwa acht Litern Benzingemisch. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 108 Kilometer pro Stunde. Dieses Fahrzeug ist nur 3555 Millimeter lang und 1504 Millimeter breit.

Die Entwicklung des Dübener Ei

Max Würdig war ein versierter Bastler und fähiger Konstrukteur. Bereits 1938 wurde ein einfacher Wohnanhänger von ihm gebaut. Max Würdig, wohnhaft in Bad Düben, war durch ein persönliches Erlebnis zum Wohnwagenbau gekommen. Bei einer eigenen Urlaubsreise mit seiner Lebensgefährtin wollte er in einer Pension übernachten. Die Pensionsbesitzerin wies beide unwirsch ab. Sie hatten keinen Trauschein. Um nicht mehr auf solche „Moralapostel“ angewiesen zu sein, beschloss er ein eigenes Quartier auf Rädern zu bauen. Er schuf mit einer aerodynamischen Form eine bleibende Silhouette für die nächsten 50 Jahre. Die Beliebtheit dieses kleinen und leichten Wohnanhängers stieg so schnell an, dass es in den Dreißiger Jahren zu einer geringfügigen Serienproduktion kam. Im Jahr 1945 wurde der Betrieb fast völlig zerstört. Die letzten zwei Wohnanhänger wurden gegen Nahrungsmittel an den Zirkus Althoff getauscht.

Das fahrende Zweibettzimmer in der DDR

Der Sohn von Max Würdig ist ein gelernter KFZ-Handwerker und Handelskaufmann. Nach langem Kampf um die Gewerbegenehmigung übernahm er den väterlichen Betrieb. Hier begann er unter schwierigen Umständen mit der Wiederaufnahme des Wohnwagenbau. Dabei stand das Vorkriegsmodell seines Vaters Pate. Schwierig gestaltete sich für den Privatbetrieb der Materialeinkauf unter sozialistischen Bedingungen. Im ersten Produktionsjahr verließen nur sechs Wohnwagen den Betrieb. 1968 stieg diese Zahl auf 53. Zeitweise beschäftige das Unternehmen zwölf Mitarbeiter. Es entstanden bis zu 90 Wohnwagen im Jahr. Im Jahr 1972 wurde dieses Familienunternehmen in Staatseigentum überführt. Es nannte sich jetzt VEB Campingwohnwagen, Bad Düben. Der Bedarf konnte nur mit etwa zehn Prozent gedeckt werden. Der Preis betrug zu DDR-Zeiten 6.545 DDR-Mark. Die Planwirtschaft stützte diesen Preis mit je 3.400 Mark. Nach der Wiedervereinigung bekam Karl-Bernhard Würdig seinen Betrieb zurück. Der letzte Wohnanhänger kam 1990 zur Auslieferung. Mit der Währungsunion wurde dieses Produkt aus Altersgründen eingestellt. Insgesamt wurden 2000 Würdig-Wohnwagen hergestellt. Heute sind diese Wohnanhänger sehr selten geworden. Man sieht sie manchmal noch auf Oldtimertreffen.

Die Ausstattung des Wohnanhängers „Würdig 301“

Bei diesem Anhänger handelt es sich um einen Einachsanhänger in Leichtbauweise. Das Fahrwerk ist starr und ohne Bremssystem und ist auf einem Holzrahmen aufgebaut. Bis Anfang der 60er Jahre hatte dieser Anhänger noch 16-Zoll Bereifung und kein Bugfenster. Als Isolierung dient Piatherm. Dies ist ein 1935 entwickelter Kork-Ersatzstoff. Der Wohnwagen läuft ruhig hinter dem Zugfahrzeug her und erlaubt ein sehr übersichtliches fahren im Straßenverkehr. Das Leergewicht beträgt 300 Kilogramm und erlaubt eine Zuladung von 100 Kilogramm. Die Länge beträgt 380 und die Breite 175 Zentimeter. Das Fahrzeug ist bis zu 215 Zentimeter hoch. Der Oberbau besteht aus einem Holzkonstrukt mit Hartpapierhülle und die Innenverkleidung aus Sperrholzplatten. Als Dachisolierung wurde Schaumpolystyrol verwendet. Zur Grundausstattung gehören ein Kleiderschrank, ein Tisch mit Sitzecke, eine Doppelliege und ein Gaskocher mit zwei Kochstellen. Die Tür des Wohnwagens ist zweigeteilt. Im oberen Teil sind ein Spiegel und ein Ablagefach montiert. Beide Teile können außen fixiert werden, so dass ein zufallen verhindert wird. Im unteren Teil der Tür sind Lüftungsschlitze angebracht. Im Innenraum befindet sich eine Steckdose für zusätzliche Beleuchtung. Auf engsten Raum wurde viel herausgeholt. Man war endlich vom Wetter unabhängig. Auch heute noch wird dieser Wohnwagen liebevoll als Kuschelkugel, Wanderniere oder Dübner Ei bezeichnet.

Seit der Erfindung des Wohnanhängers für Personenkraftwagen kann man individuell verreisen und gleichzeitig in den eigenen vier Wänden wohnen. Man kann alle Sehenswürdigkeiten genießen und seinen Wohnsitz trotzdem abseits vom Massentourismus aufschlagen.

Quellen:

  • Rolf Gescheidle - Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik - Verlag Europa Lehrmittel
  • Berliner Zeitung 1997
  • Herrmann- Neue Kraftfahrzeugkunde - VEB Fachbuchverlag Leipzig
  • Atlas Faltblätter
  • Peter Pilling- Kraftfahrzeugelektrik - VEB-Verlag Technik Berlin

Nachweis der Bilder: Bild 1 © Helmut J.Salzer ./ Pixelio.de * Bild 2 © Marco Barnebeck / Pixelio.de * Bild 3 © Helmut J.Salzer / Pixelio.de * Bild 4 © blue feeling / Pixelio.de * Bild 5 © Ilka Plassmeier / Pixelio.de

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Alfred Graf - Nach dem Abitur studierte ich an der Uni in Greifswald. Von dort wechselte ich an eine Militärhochschule. Viele Jahre wohnte ich ...

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