Das E-Recruitment stellt eine effiziente Vorgehensweise und Auswahlmethode des Human Resources Managements an die Personalgewinnung dar und wird diese in den nächsten Jahren wohl tiefgreifend und in vielen Bereichen verändern. Das Internet ist ein Weg, die Personalsuche effizienter, gezielter und zeitsparender vornehmen zu können. Es hat zahlreiche Stärken, aber ersetzt den persönlichen und individuellen Kontakt auf keinen Fall. Zudem sind gewisse Bereiche kritisch zu betrachten und die traditionellen Wege der Personalbeschaffung keineswegs antiquiert.
Noch eine Anmerkung zum Terminus E-Recruitment: Dies ist die Abkürzung für Electronic Recruitment und bezeichnet sowohl den elektronischen wie auch den internetbasierenden Prozess der Personalbeschaffung. Es beschränkt sich jedoch nicht auf die Rekrutierung per Internet oder die Nutzung von Bewerberplattformen, sondern ist als geschlossener, oft webbasierter Gesamtprozess zu sehen, der alle digitalen Wege der Beschaffung einschliesst.
Ziel und Zweck des E-Recruitings
Ziel und Zweck des E-Recruitings ist es, die Effizienz, Vorselektionen und Qualität des Bewerbungsprozesses vor allem auch in administrativer Hinsicht zu erhöhen, um sich auf qualitative Aspekte der Personalauswahl konzentrieren zu können. Es ist zuweilen nach wie vor Zurückhaltung spürbar – oft aus Gründen von Datenschutz-Unsicherheiten oder Ungewissheit über die Akzeptanz und den Erfolg. E-Mail-Bewerbungen und Onlineformulare auf Karrierewebsites verdrängen mehr und mehr die traditionelle Bewerbung per Post, und auch das Recruiting auf der eigenen Website gehört zur Regel. Auf einer HR-Website eingehende Bewerbungen werden von vielen Unternehmen als qualitativ gut bezeichnet. Das E-Recruiting nimmt heutzutage in den meisten Unternehmen einen festen Platz im Rekrutierungs-Mix ein und wird wohl noch weiter an Bedeutung zulegen.
Bedeutung und Stellenwert des E-Recruiting
Ganzheitlich verstandenes E-Recruiting umfasst mehr als nur die Personalsuche, es bezieht zum Beispiel auch das Bewerbermanagement, die Präsentation des Unternehmens als Arbeitgeber im Internet, HR-Systeme, die den Rekrutierungsprozesse optimieren und online ablaufende Vorselektionsprozesse mit ein. Aus Gründen der Praxisrelevanz beschränken wir uns aber nachfolgend auf die Personalsuchaufgaben.
Die Vorteile und Stärken des E-Recruitings
- massive Zeit- und Kostenersparnis im Rekrutierungsablauf
- genaue Recherchen (Matching der Bewerberprofile) möglich
- oft qualifizierte und mit digitalen Medien vertraute Bewerber
- Adminstrationsvereinfachung durch strukturierte Bewerberfragebögen
- Filtern, Klassifizieren und Ranken von Bewerbern
- interessante Möglichkeiten der Vorselektion (Recrutainment)
- Notizverwaltung und Reporting in individuellem Layout
- gute Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kandidaten
- einen das Employer Branding fördernden Auftritt
Die Nachteile und Schwächen des E-Recruitings
- Quantitativ je nach Stelle zuweilen eingeschränkt
- Gefahr der Automatisierung und Anonymisierung
- Datenschutz, Datensicherheit und Problem Persönlichkeitsschutz
- permanente, oft verwirrende Dynamik der technischen Entwicklung
- Verzettelung in zu vielen E-Recruiting-Bereichen und -Tools
- schwierig zurodnungs- und messbare Erfolgskontrolle
Man sollte die Möglichkeiten des E-Recruitings also nicht zu euphorisch und kritiklos sehen und anwenden. Die Standardisierung, die zunehmende Anonymität und die Technisierung der Prozesse bergen Nachteile, die vor allem auch den Blick für das Wesentliche nicht verstellen dürfen: Die besten zum Unternehmen und Team wirklich passenden engagiertesten und motivierten Mitarbeiter mit Empathie und Sozialkompetenzen im persönlichen Interview und mit anderen Auswahlinstrumenten zusammen ganzheitlich zu beurteilen und auszuwählen.
Social Media - Hype oder Revolutionierung des Recruitments?
Auch Facebook & Co. sind zur Zeit in aller Leute Munde, wenn es um das E-Recruiting geht. Doch auch diese Entwicklung sollte man kritisch beurteilen. So ist das wichtigste Kriterium, die Zielgruppe und das redaktionelle bzw. inhaltliche Umfeld beispielsweise bei Facebook nicht gegeben. Seine Zielgruppen sind mehrheitlich Privatpersonen, welche das Netzwerk auch für private Zwecke nutzen – und eine exakte Ausrichtung auf genaue Kandidatenprofile ist daher nur schwer und oft gar nicht möglich, denn Facebook ist ein Massen-Netzwerk ohne klares Nutzerprofil. Mangelnder Datenschutz, Missbrauchsgefahr und geringe Zuverlässigkeit der Informationen sind weitere Gründe, auch Netzwerke kritisch und mit Vorberhalten zu betrachten.
