Liest oder hört man die Lebensgeschichte von Daehaeng Kunsunim, so fühlt man, wie das Herz tief berührt wird. Als Daehaeng Kunsunim 1927 als Tochter eines koreanischen Offiziers zu Zeiten der japanischen Besatzung geboren wurde, verlor die Familie, die ursprünglich in hohem Rang und Ansehen stand, ihren gesamten Besitz und verfiel in tiefe Armut. Der Vater konnte den Gesichtsverlust kaum verkraften und begann, seine Unzufriedenheit an seiner kleinen Tochter auszulassen. Immer öfter schlug er sie und ließ sie seine Verachtung spüren. Daehaeng Kunsunim sucht Zuflucht in den Wäldern ihrer Heimat und verbrachte dort Stunden, manchmal Tag lang zu, um nach ihrem wahren Vater, den sie „Appa“ nannte, zu suchen. Appa war eine Stimme tief im Inneren ihres Herzens, die ihr aufzeigte, dass alles eins war. Eines Tages kehrte sie überhaupt nicht mehr zurück nachhause, sondern führte ein rastloses Leben in den Bergen und Wäldern, bei dem sie sich Hunger, Kälte und zahlreichen Gefahren ausgesetzt sah. Zwölf Jahre verbrachte sie in Askese und war mittlerweile von einem einsam lebenden Zen-Meister ordiniert und in die Lehre Buddhas unterwiesen worden. Erst nach dieser Zeit kehrte sie in die Welt der Menschen zurück und widmete sich von nun an der Unterweisung und Heilung Kranker und Hilfesuchender.
Daehaeng Kunsunims Weltverstehen
Ihre äußerst schwierige Kindheit, die Lieblosigkeit und Ablehnung ihres Vaters, aber auch die grenzenlose Liebe ihrer Mutter hatten in dem kleinen Kinde bereits früh viele Fragen aufgeworfen. Sie konnte es mit seinem kindlichen Verstande nicht begreifen, weshalb es solche Gegensätze gab. Warum musste Armut existieren? Warum gab es Krieg? Wer hat das alles geschaffen? In Appa erkannte sie den wahren Schöpfer von allem und bekam eine erste Antwort auf ihre brennendsten Fragen. Erst als sie älter wurde und in ihrer persönlichen spirituellen Praxis weiter fortschritt, erhielt sie eine tiefergehende Antwort auf jene Fragen, die sie bis dahin ein Leben lang beschäftigten. „Juingong“ ist der koreanische Ausdruck für „Meister der Leerheit“ und steht für die Einheit von allem. Alles, was in der Welt existiert, alle Gegensätze, haben ein und denselben Ursprung, Juingong. So wie es auch im Sûtra der höchsten Weisheit, Kennern des japanischen Zen-Buddhismus bekannt als „Hannya Shingyô“, heißt, ist Erscheinung Leerheit und Leerheit Erscheinung (shiki ist kû und kû ist shiki). Daehaeng Kunsunim kam zu derselben Erkenntnis, allerdings ohne Studium der Sûtren, sondern aus eigener spiritueller Erfahrung.
Hanmaum – die Lehre
Als Daehaeng Kunsunim wieder zurück in die Welt der Menschen kehrte und ihre Askese aufgab, fand sie einen Begriff, der wie ein Stützpfeiler ihre Lehre halten sollte: Hanmaum. Dieser Begriff bedeutet so viel wie „Das eine Herz“ und steht für die Einheit von allem. Sie gründete in Südkorea das Hanmaum-Seon-Zentrum in Anyang bei Seoul. Ein deutsches Pendant gibt es in Kaarst bei Düsseldorf und es ist europaweit das einzige Hanmaum-Seon-Zentrum außerhalb Koreas. In zahlreichen Schriften und Dharma-Teachings unterrichtet sie Menschen darin, das Leben so anzunehmen wie es ist, also mit guten wie schlechten Seiten, denn alles ist eins. Es spielt keine Rolle, wie das praktische Leben verläuft, auch spielt es keine Rolle, Spiritualität zur Verbesserung der Lebensqualität einzusetzen. Alles ist eins und kommt auf dasselbe heraus. Alle Wesen sind in einem Ursprung miteinander verbunden. Wer die Einheit von allem Existierenden begreift, der wird wahrhaft frei. Daehaeng Kunsunim gilt zu Recht als eine der führenden spirituellen Lehrerinnen der modernen Zeit und sie hat die Lehre des Buddha ohne großes Schriftstudium bis in die essentiellen Tiefen erkannt und gelebt. Ein Dharma-Teaching mit Daehaeng Kunsunim ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Schnell fühlt man sich tief im Herzen berührt und spürt eine unglaublich befreiende Erleichterung. Ihre Spiritualität kennt keine Grenzen und greift von ihr auf alle Anwesenden über. Somit erfüllt sich die Weisheit von Hanmaum.
