
- Das Einstein-Projekt: Cover - Ullstein
Der Roman des spanischen Autors ist ein höchst eigenwilliger Mix aus Erklärungen der theoretischen Physik, gruselig-düsterem Thriller und nur angedeuteten, dafür aber umso abstruseren Sexfantasien. Auch die Art und Weise, wie der Autor Vergleiche bringt hat etwas seltsames oft nahezu bizarres an sich, wobei dies auch der Übersetzung geschuldet sein kann. Sowohl inhaltlich, als auch stilistisch ein eher ungewöhnlicher Roman.
Zickzack – Somozas Roman
Der spanische Titel „Zickzack“ ist viel treffender, als der deutsche Titel, denn Einstein spielt in diesem Roman nun wirklich keine entscheidende Rolle. Zickzack dagegen ist der Name eines Projektes an dem hochkarätige Wissenschaftler aus theoretischer Physik, Paläontologie und Geschichte beteiligt sind. Die Forschung findet streng geheim auf einer kleinen, gut bewachten Insel statt. Ziel ist es mit Hilfe der Stringtheorie Bilder aus der Vergangenheit zu erlangen. Also Bilder, die nie Aufgenommen wurden, aber dennoch in den Photonen dieser zeit gespeichert sind. Der Durchbruch, der sich zuerst als vielversprechend erweist entwickelt sich zu einer Katastrophe unkalkulierbaren Ausmaßes, die jedoch nur die beteiligten Wissenschaftler betrifft. Als die ersten Wissenschaftler sterben wird das Projekt abgebrochen, doch 10 Jahre später finden sich die Überlebenden wieder ein, um dem gesichtslosen Feind zu begegnen. Es scheint, als hätten sie mit ihren Experimenten das Böse selbst gerufen. Ein nichtfassbares Grauen, das unbesiegbar scheint.
Elisa Robledo, die Hauptfigur
Sie ist umwerfend schön, sie ist unsagbar intelligent, sie ist mutig, selbstbewusst und willensstark. Abgesehen davon ist sie eine hervorragende Dozentin und ein freundlicher, umgänglicher Mensch. Die Hauptperson ist so perfekt, dass es schon langweilt. Vielleicht ist diese Frauenfigur die Traumfrau des Autors, vielleicht glaubte er auch, dass es wichtig für den Plot sei. Dem Leser erscheint es schlicht als maßlose Übertreibung, die die Erzählung weniger real wirken lässt und auf das reduziert, was sie ist: eine Geschichte. Auch die anderen Charaktere scheinen hin und wieder zu sehr Stereotypen zu gleichen, als dass man sich mit ihnen identifizieren könnte.
Das Einstein-Projekt: Stringheorie und mysteriöses Grauen
Dieser Roman beschreitet sehr ungewöhnliche Wege, manch einem mag das gefallen, anderen dagegen nicht. Die Einführung in die Stringtheorie ist äußerst interessant und macht Lust auf mehr Wissen über dieses Thema. Die Geschichte, die der Autor dann jedoch um diese Theorie spinnt ist oftmals bizarr und eigenartig. Der Verlauf des Romans ist durchaus spannend und hier bleibt es seiner Betitelung als Thriller auch treu, doch das Ende bleibt überflüssigerweise unbefriedigend. Das offene Ende erscheint unpassend und regt weniger die Fantasie zu weiteren grausigen Dingen an, als dass es einfach nur stört.
José Carlos Somoza. Das Einstein-Projekt. 2008. Ullstein. 563 Seiten. 9,95€
