Urlauber kennen das traurige Bild: In vielen Regionen Süd- und vor allem Osteuropas fristen Hunde und Katzen zu Tausenden ein elendes Dasein auf der Straße, häufig krank und für ihr Überleben darauf angewiesen, Fressbares aus Mülleimern der Menschen zu ergattern. Die Behörden vor Ort machten lange Zeit – und machen zum Teil bis heute – kurzen Prozess mit den Streunern: Regelmäßig wurden möglichst viele von ihnen eingefangen und getötet. Das Problem jedoch blieb angesichts unkontrollierter Vermehrung ungelöst.
Resolution bei der Europäischen Kommission
Deutsche Tierschützer verstärken nun mit neuen Aktionen und Projekten ihr Engagement für die Straßentiere. So haben der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt), Tasso, Vier Pfoten und ETN (Europäischer Tier- und Naturschutz) im April 2009 bei der Europäischen Kommission in Brüssel eine Resolution mit 60.000 Unterschriften übergeben. Ziel ist es, mehr Zuständigkeiten der EU für die vierbeinigen Streuner zu erreichen. Tierschutz nämlich ist nicht Sache der EU, sondern jedes einzelnen Mitgliedslandes.
Wie viele Hunde und Katzen auf den Straßen Osteuropas leben müssen, weiß wohl niemand genau. Aber eine Zahl lässt ahnen, dass es wohl Hunderttausende sind: allein in der moldawischen Hauptstadt Quisinau nach Angaben von Vier Pfoten derzeit 30.000.
Die Strategie heißt "kastrieren statt töten"
Die Tierschutzstiftung hat auf Wunsch der dortigen Stadtverwaltung im März eine Kastrationsaktion gestartet. „Kastrieren statt töten“ ist das generelle Motto der Arbeit deutscher Tierschützer in Osteuropa. Dazu kommen Impfaktionen, Gesundheitsfürsorge und teilweise auch die Vermittlung der Tiere an Halter in Deutschland. Die allerdings ist nicht unumstritten: Sinnvoller als der "Export" von Tieren sei es, deren Situation vor Ort zu verbessern, monieren Kritiker und verweisen auf die Gesundheitsrisiken, die mit den tierischen Souveniren verbunden sein können.
Wie notwendig Tierschutzarbeit in Osteuropa ungeachtet dieser Meinungsverschiedenheiten und trotz einiger viel versprechender neuer Tierschutzgesetze - wie seit Januar 2009 in Bulgarien - ist, zeigen Vorkommnisse in Rumänien. Noch in der ersten Jahreshälfte seien dort „Hunde vom Tierordnungsdienst Brasov systematisch gejagt, betäubt, auf Transporter geworfen und mehr tot als lebendig in die Tötungsstation nach Brasov gebracht“ worden, berichtet Tasso.
Tierschützer protestieren beim Botschafter
Tierschützer protestierten umgehend, unter anderem bei Rumäniens Botschafter in Berlin. Es könne nicht angehen, „dass Rumänien Subventionen von der EU zum Ausbau der Wirtschaftsleistung erhält und sich gleichzeitig eklatante Rückschritte im Tierschutz erlaubt“, so die beim bmt für den Auslandstierschutz zuständige Petra Zipp.
Im Mai hat der bmt mit der Kastration von heimatlosen Hunden in der Region rund um Brasov begonnen. Denn allein in der Tötungsstation dieser Stadt in den Karpaten, weiß bmt-Sprecherin Claudia Lotz, „sterben noch immer jeden Freitag zahlreiche Hunde, die der Hundefänger Tag für Tag in den Straßen fängt.“
