Das Erntedankfest

Strohpuppen - von Ortrun Kelm-Guse
Strohpuppen - von Ortrun Kelm-Guse
Anfang Oktober werden die Städte und Dörfer wieder geschmückt, um dem Schöpfer im traditionellen Sinne für seine Gaben zu danken - mit dem Erntedankfest.

Das Erntedankfest wird stets am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Es ist also ein beweglicher Festtag, dessen Termin man sich leicht ausrechnen kann. Es ist ein traditionelles religiöses Fest, bei dem die Menschen Gott für die Ernte danken. Außerdem soll es an die Arbeit in Landwirtschaft und in den Gärten erinnern und daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.

Wenn die Ernte eines Herbstes schlecht war, hatten die Menschen noch vor einem halben Jahrhundert Probleme, den Winter gut zu überstehen. Früher war das Fest eine selbstverständliche Geste gegenüber Gott, um ihm für die Versorgung und den Ernteerfolg zu danken. Das populärste Erntedanklied, geschrieben von Matthias Claudius drückt eben diese Dankbarkeit und harte Arbeit für die Sache aus:

„Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: Der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“

Geschichtliche Hintergründe

Seit dem dritten Jahrhundert gibt es Feierlichkeiten, die dem heutigen Erntedankfest ähneln. In Deutschland wurde das Erntedankfest 1972 offiziell zum Festtag erklärt. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist es aber bis heute nicht, dass heißt, die Gemeinden sind nicht verpflichtet, das Fest zu feiern. Der Brauch des Dankes für eine gute Ernte ist jedoch zur Tradition in den meisten Gemeinden geworden. In ländlichen kleineren Städten feiert meist das ganze Dorf traditionell zusammen. Dort schmücken dann Erntegaben den Kirchenaltar.

Nach den kulinarischen und kirchlichen Feierlichkeiten gibt es oft Umzüge, wobei unter anderem eine sogenannte Erntedankkrone mitgeführt wird, die meist aus einem großen Erntekranz besteht. Außerdem gibt es häufig Wettbewerbe zur Wahl der Erntekönigin. Diese ist dann meist eine der Töchter des Dorfes und präsentiert das Fest im Dorf vor der Presse und den lokalen Nachrichten. Während der Feierlichkeiten werden Feldfrüchte und geerntetes Getreide feierlich aufgestellt um die gute Ernte zu unterstreichen und den Sinn des Festes zu verdeutlichen. Nach den Feierlichkeiten werden die Erntegaben an Bedürftige verteilt.

Die Idee des Erntedankfestes geht schon auf vorchristliche Religionen zurück. Schon im Judentum und in alten römischen Religionen feierte man im Herbst die lebensnotwendigen, reichen Gaben der Erde. Die Dankbarkeit für die jährliche Ernte findet heutzutage weltweit in den verschiedensten Formen Anerkennung. Was in Deutschland als Erntedankfest bekannt ist, wird beispielsweise in den USA als Thanksgiving gefeiert und hat dort sogar einen höheren Stellenwert als Weihnachten. Das amerikanische Thanksgiving unterscheidet sich jedoch insofern erheblich vom deutschen Erntedankfest, als dass es nicht unter religiösen Motiven gefeiert wird, sondern eher für weltliche und gesellschaftliche Motive steht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Erntedankfest auch heute noch einen großen traditionellen und kulturellen Stellenwert für die Gemeinden hat.

Literatur zum Thema

  • Erntedank - ein mögliches Fest. Neue Aspekte zu einem beliebten und doch schwierigen Fest von Philipp Beyhl, Dissertation, Heidelberg 2007
  • Ernte, Erntedankfest von Rupert Berger, in Lexikon für Theologie und Kirche (Bd. 3), ISBN: 3-451-22100-4
Mareike Müller-Isernhagen, Mareike Müller-Isernhagen

Mareike Müller-Isernhagen - Hallo liebe Leser, mein Name ist Mareike Müller-Isernhagen und seit ich denken kann, schreibe ich gerne. Ich bin in Hannover ...

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