"Das erste Buch des Blutes" von Clive Barker

Niveauvoller Splatter auf 3 üppigen CDs: Nie klang Horror schauriger

Clive Barker: Das erste Buch des Blutes - Lübbe
Clive Barker: Das erste Buch des Blutes - Lübbe
Mit dem Hörbuch "Das erste Buch des Blutes" werden Horrorfans bestens bedient. Lübbe Audio vertonte Clive Barkers Meisterwerk des Splatter mit Matthias Köberlins Stimme.

Hörbücher fristen im deutschsprachigen Raum nach wie vor ein Nischendasein. Zu Unrecht, wie Lübbe Audio eindrucksvoll beweist. Viele der furchteinflößenden Horrorgeschichten des Engländers Clive Barker wurden inzwischen vertont. „Das erste Buch des Blutes“ zeugt dabei von detailverliebter Sorgfalt, was bereits beim Cover ersichtlich wird: Kein 08/15-Klischeebildchen blickt dem Käufer entgegen, sondern ein stilvoll gemaltes Bild des Schreckens, das optimal auf den Inhalt vorbereitet.

Grausame Rache der Geister

Nach einer kurzen, stimmigen Einleitung gibt gleich die erste Geschichte den Takt für die folgenden Geschichten vor. Darin scheint ein junger Mann als Medium zur Geisterwelt zu fungieren, was eine Wissenschaftlerin für paranormale Phänomene begeistert. Tatsächlich aber handelt es sich bei dem angeblichen Medium um einen Schwindler.

Was er nicht ahnt: Seine Unredlichkeit kränkt die Verstorbenen aufs Tiefste. Eines Tages schließlich ist jener Punkt erreicht, an welchem die ruhelosen Seelen der Verhöhnung nicht mehr tatenlos zusehen: Sie fallen über den Schwindler her und rächen sich auf fürchterliche Weise …

Unfreiwillige Fahrt mit dem Mitternachtsfleischzug

Die zweite und längste Geschichte der Erzählsammlung findet unter der Erde statt. Der desillusionierte Buchhalter Leon Kaufman begibt sich nach einem anstrengenden Arbeitstag in die New Yorker U-Bahn hinab. Arglos steigt er in den erstbesten Zug ein. Was er nicht weiß: Gleichzeitig bereitet sich ein Serienkiller auf seine nächtliche Arbeit vor.

Der „Schlächter“ ist jedoch kein Irrer, der wahllos Menschen tötet, sondern erfüllt eine Mission, die über alles hinausgeht, was sich die meisten New Yorker auch nur in den kühnsten Alpträumen vorstellen könnten. Nur allzu schnell erfährt Kaufman die Hintergründe der grausigen Mission. Ein Wissen, das ebenso entsetzlich ist wie die Begegnung mit dem eifrigen Schlächter selbst …

Von wilden Furien gehetzter Gewürzgurken-Importeur

Jack Polo ist die Gutmütigkeit in Person: Der Gewürzgurken-Importeur lässt sich von keinem Missgeschick die Laune verderben. Dabei hat er sich längst den Zorn der Hölle zugezogen, die das Geyatter, ein boshaftes Furienwesen, auf ihn ansetzte. Dessen Auftrag: Den arglosen Jack in den Wahnsinn treiben!

Doch das vermeintliche Opfer erweist sich als frustrierend harte Nuss für das Geyatter. Egal, welchen Schabernack, bis hin zu blutigen Attacken gegen Jacks Haustiere, es auch anstellt: Der Mann zuckt nur mit den Schultern und murmelt: Qué será, será (spanisch für: Es kommt, wie es kommt). Es scheint, als würde das Höllenwesen vor dem Menschen den Verstand verlieren. Zu Weihnachten schließlich setzt das Geyatter alles auf eine Karte, und ein bizarres Duell geht in die letzte Runde …

Poetischer Splatter vom Feinsten

Clive Barkers „Bücher des Blutes“ gelten in der Horrorszene als Kultbücher. Zu Recht, denn was der Engländer in den frühen 1980er Jahren verfasste, zählt zum Besten, das der moderne Horror zu bieten hat. Irgendwelche Tabus kannte Barker dabei nicht: Zartbesaitete Gemüter seien deshalb vor der Lektüre beziehungsweise dem Anhören der CDs ausdrücklich gewarnt. Die Protagonisten der „Bücher des Blutes“ waten durch Meere an Blut und Tränen.

Trotz der mitunter äußerst expliziten Splatterszenen, die selbst bei der bloßen Beschreibung Schmerzen auslösen, gelang Barker der fast unmögliche Spagat zwischen ekelhafter Unterhaltung und poetischer Sprache.

Perfekte Vertonung – betont perfekt

Dem hohen Niveau der Geschichten selbst passt sich die Produktion an. Sprecher Matthias Köberlin trägt die Texte leidenschaftlich und in der stets passenden Stimmung vor. Jeder Text wird dabei musikalisch dezent untermalt, sodass man durchaus von „Kino im Kopf“ sprechen kann.

„Bücher des Blutes“ unvollständig

Einziger Wermuttropfen: Von den insgesamt 6 Kurzgeschichten im Erzählband „Das erste Buch des Blutes“ schafften es nur 3 in die Hörbuchproduktion. Es bleibt zu hoffen, dass sich Audio Lübbe irgendwann noch dazu entschließt, den eigenen höchsten Ansprüchen auch in dieser Hinsicht zu entsprechend und sämtliche Texte zu vertonen.

Von den „Büchern des Blutes“ existieren bislang 3 Ausgaben. Neben dem Besprochenen wären dies „Das zweite Buch des Blutes“ sowie „Das dritte Buch des Blutes“, allesamt von Lübbe Audio produziert.

Clive Barker: Das erste Buch des Blutes. Lübbe Audio 2006. 3 Cds, Spieldauer zirka 200 Minuten. Gebraucht erhältlich.

Rezension der Buchausgabe "Das erste Buch des Blutes"

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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