
- Blende 4; 1/40 Sekunde; 2000 ISO - Günter Jagodzinska
Nicht nur zum Jahreswechsel an Silvester fasziniert das Farben- und Formenspiel von Feuerwerken am dunklen Nachthimmel die Betrachter und weckt Emotionen. Veranstaltungen wie beispielsweise der in der nordrhein-westfälischen Mittelstadt Jülich einmal jährlich gezeigte "Feuerzauber" haben sich als echte Publikumsmagneten erwiesen. Die beeindruckenden Impressionen mit der Fotokamera festzuhalten, ist eine Herausforderung an jeden ambitionierten Hobbyfotografen. Mit der richtigen Ausrüstung und dem notwendigen Grundwissen gelingen Fotos von beeindruckender Schönheit.
Wichtigstes Utensil - das Stativ
Jede Komponente eines Feuerwerks bezieht ihren Reiz aus der sich aus dem einzelnen "Geschoss" über einige Sekunden entwickelnden Gesamteindruck. Aufnahmen mit etwa 1/60 Sekunde oder kürzer, die der Fotograf problemlos verwacklungsfrei aus der Hand aufnehmen kann, sind demnach ungeeignet - sie können lediglich einen ganz kleinen punktuellen Lichteindruck erfassen, der belanglos wirken muss. Lange Belichtungszeiten hingegen fangen das gesamte Spektakel ein. Um diese ohne Verwackeln aufzunehmen, muss die Kamera auf einem Stativ stehen. Zusätzlich empfiehlt sich der Einsatz eines Fernauslösers, damit nicht durch das Betätigen des Aufnahmeknopfs Verwacklungsunschärfe provoziert wird.
Blendeneinstellung, Belichtungszeiten und Empfindlichkeit
Allgemeingültige Regeln bezüglich der Kombination von Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit lassen sich nur sehr vage festlegen, da die jeweilige Lichtintensität der Feuerwerkskomponenten sehr weit gestreut ist. Die überwiegenden Empfehlungen gehen dahin, ausschließlich mit manueller Einstellung zu fotografieren und sich nicht auf Automatikfunktionen der Kamera zu verlassen. Dies ist sicherlich vollkommen richtig. Doch der Anfänger tut sich damit zumeist schwer, ohne Erfahrungswerte bleibt das Ergebnis sehr dem Zufall überlassen und führt zu nicht nötiger Enttäuschung.
Keine Angst vor der Zeitautomatik
Ermutigend für den Neuling auf diesem Gebiet ist die Tatsache, dass er mit der Zeitautomatik (Einstellung "A" oder "AV" für "aperture value"), bei der die Kamera die benötigte Belichtungszeit automatisch ermittelt, ohne großes Studium der Zusammenhänge zu beeindruckenden Feuerwerksfotos kommen kann. Je weiter die Blende geschlossen wird, desto länger wird die Belichtungszeit sein und um so höher wird die Schärfentiefe. Die Zeit wird nicht kürzer als eine viertel Sekunde sein und kann bis zu zehn Sekunden oder länger werden.
Ein weiteres einfach zu bedienendes Steuerungselement ist die Einstellung der Empfindlichkeit, gemessen in "ISO" oder "ASA". Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass sich bei Erhöhung der Empfindlichkeitseinstellung das "Rauschverhalten" negativ auf das Endergebnis auswirkt. Rauschverhalten bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass das Bild durch sich überlagernde große Farbpunkte an Konturenschärfe verliert. Hier ist der Fotograf der Leistungsfähigkeit des in seiner Kamera eingebauten Sensors ausgeliefert.
Als Faustregel darf man bei hochwertigen digitalen Spiegelreflexkameras im mittleren Preissegment die Verwendung bis zu 400 ISO als absolut problemlos, bis 800 ISO als brauchbar einstufen - bei allen höheren Empfindlichkeitswerten wird die Qualität deutlich leiden. Kameras mit sogenanntem Vollformatsensor (wie etwa die bei den Beispielfotos eingesetzte Canon EOS 5 D Mark II) verkraften deutlich höhere Einstellungen ohne Qualitätseinbußen.
Standort vorab bestimmen
Um nicht hoffnungslos im Pulk der Zuschauer eingekesselt zu sein, sollte man sich die örtlichen Gegebenheiten vor der Veranstaltung ansehen, um günstige Fotostandorte abseits des Trubels zu finden. Einige Testaufnahmen sind für die Wahl des später einzusetzenden Objektivs hilfreich, Ebenso lassen sich Elemente finden, die in die Bildkomposition einbezogen werden. Dies können Baumgruppen im Hintergrund, beleuchtete Verkaufsstände oder auch interessante Gebäude am Rand sein. Wenn zudem bei der Standortsuche ein Platz gefunden wird, an dem man auch vor Regen geschützt ist, ist man bestens vorbereitet.
Experimentieren ist angesagt
Die digitale Speichertechnik der Fotos bietet den enormen Vorteil gegenüber der Aufnahme auf Filmmaterial, dass die Anzahl der Aufnahmen nicht mehr zu einer Preisfrage wird. Gerade bei Fotos von Feuerwerken, bei denen nicht nur das Können des Fotografen, sondern auch der Zufall der Pyrotechnik über das Ergebnis bestimmt, lohnt es sich zu experimentieren. Warum nicht einmal die Blende bis zum größtmöglichen Wert (bei den meisten Objektiven ist dies Blende 32) schließen, die Empfindlichkeit auf 50 ISO zu stellen und die Langzeitbelichtungsfunktion der Kamera aktivieren. Spielt sich etwas am Himmel ab, lässt man das Objektiv frei, ist momentan nichts Spektakuläres unterwegs, hält man beispielsweise einen Hut oder eine schwarze Pappe vor die Optik und wartet, bis sich wieder etwas tut. So gelingen fantastisch wirkende Farbimpressionen, mit denen man beim Vorzeigen in einer späteren Runde anerkennende Blicke gewinnt.
