Eine kleine und feine Touristenattraktion für Besucher der Ostseeinsel Rügen ist das winzige, abgelegene Fischerdorf Vitt. Nahe der beliebten Nordspitze Kap Arkona gelegen, ist das kleine Örtchen mit seinen eng aneinander stehenden Reetdachhäusern nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Aber der Weg lohnt sich.

Um nach Vitt zu gelangen, kommt man kurz nach Putgarten auf den Laufweg nach Kap Arkona, auf dem striktes Auto- und Busfahrverbot herrscht. Der erste Wegweiser nach rechts nach kurzem Fußmarsch weist bereits den Weg zum kleinen Fischerdorf. Ab hier geht es ca. 2 Kilometer über einen kleinen Weg quer über freie, weite Felder.

Ausflug über Kap Arkona ins Fischerdorf Vitt

Sinnvoller ist es aber, zuerst seinen Weg nach Kap Arkona weiterzugehen und die Nordspitze, die Leuchttürme und die Überreste der Jaromarsburg zu besuchen. Dann kommt man mit einem Schlenker nach rechts entlang der Küste und der Überreste der slawischen Wallanlagen durch einen Waldpfad direkt nach ca. 2 Kilometern ebenfalls ans Ziel.

Bei Vitt angelangt, kommt man hier direkt in der Dorfmitte an, wenn man einige Treppenstufen bergab steigt - obwohl ein klassischer Marktplatz nach bekanntem Dorfmuster hier gar nicht vorhanden ist.

Enge Reetdachhäuser und ein Hafen voller Touristen

Vielmehr ist Vitt eine enge Aneinanderreihung von gleichförmig gebauten Reetdach- und Fachwerkhäusern, wie man sie auch häufig in Norddeutschland sieht. Durch enge Gassen gelangt man schnell an den "Hafen" des kleinen Dorfes, der aus einem Bootssteg und einigen Fischerbooten besteht. Mit diesen können auch Rundfahrten nach Kap Arkona gebucht werden.

Für die Touristenströme, die gerade zur Reisezeit das Örtchen bevölkern, gibt es hier einige Restaurants, Biergärten und Fischbratereien, die regionale Köstlichkeiten, kühle Getränke und natürlich Fisch in rauen Mengen servieren.

Eine Reise in die Vergangenheit - das ursprüngliche Dorf Vitt

Die Bewohner von Vitt ertragen den ständigen Besucherstrom, der quasi über ihre Fußabstreifer läuft, mit stoischer Gelassenheit. Dabei ist Vitt nicht nur durch seine urige Atmosphäre und ruhige Abgeschiedenheit bekannt, sondern seit Jahrhunderten in seiner ursprünglichen Siedlungsform erhalten geblieben. Nur moderne Zeitzeugen wie Briefkästen oder Strommasten zeugen davon, dass man sich im 21. Jahrhundert befindet.

Vitt, das auf der Halbinsel Witten liegt und zur Gemeinde Putgarten im Norden Rügens gehört, liegt in einer Uferschlucht an der Steinküste, Liete genannt. Aus der Ferne ist das Dorf nicht sichtbar, und erst am Rande der Schlucht kann man über die Schilfdächer der Häuser schauen.

Vielfältige Ursprünge des kleinen Fischerdorfs auf Rügen

Der Name Vitt leitet sich von "Vitten" ab, was im Mittelalter Handels- und Anlegeplätze an der Küste bezeichnete, an denen Fisch verarbeitet und verkauft wurde. Andere Interpretationen verweisen auf den gebräuchlichen slawischen Namen "Vit" oder die altdeutsche Bezeichnung "witt" für "weiß", was die Farbe der Häuser betrifft, als Namensgeber.

Ein genaues Gründungsdatum von Vitt ist leider unbekannt, da keine Stammurkunde existiert. Nach Berichten des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus soll das Dorf aber bereits im 10. Jahrhundert als Fischer- und Handelshafen zur slawischen Jaromarsburg am Kap Arkona gehört haben.

Großes Handelszentrum für Fischer im Mittelalter

Vitt wurde erstmals urkundlich am 25. Mai 1290 erwähnt, als der Rügener Fürst Witzlaw II. dem Dorf das gesetzliche Fischereirecht gewährte. Von August bis Oktober fanden damals jedes Jahr große Fischmärkte statt, zu denen Händler aus Stralsund, Rostock und sogar aus dem Ausland kamen.

Hat man sich gestärkt und den Ausblick auf dem Steg auf die Ostsee genossen, der zur Sommerzeit dicht von Touristen und Vitter Originalen bevölkert ist, durchwandert man auf dem Rückweg das gesamte Dorf. Oberhalb des Dorfausgangs steht die kleine Kapelle von Vitt, die von 1806 bis 1816 erbaut worden ist.

Die künstlerisch gestaltete Fischerkapelle

Die Kapelle wurde erbaut, weil die Zuschauer der Uferpredigten des Altenkirchener Pastors Ludwig Gotthard Kosegarten im frühen 19. Jahrhundert zunahmen und bei schlechtem Wetter bald kein Platz mehr in den engen Fischerhütten vorhanden war.

Erst 1865 wurden die Sakristei und der jetzige Eingang angebaut. ursprünglich fiel der Blick von der Kanzlei über den Altar durch den Ausgang auf den Hafen, wo ein Junge Ausschau nach einem Hering hielt. Wenn ein Hering kam, wurde der Gottesdienst schnell beendet und der Fang gesegnet.

Opulente Wandgemälde in der Kirche von Vitt

Das große Bild über dem Altar von Philipp Otto Runge ziert die Erzählung vom sinkenden Petrus, in der Jesus über das Meer wandelt und seinen Jüngern Trost zuspricht.

Am Ausgang hingegen prangt ein Wandgemälde von Professor Gabriele Muecki von 1990, das wartende Fischer und Christopherus mit dem Christuskind abbildet.

Von Vitt an der Ostsee zurück in die Gegenwart

Nach der Kapelle läuft man auf dem anfangs erwähnten Weg quer über Felder zurück zur Hauptstraße, die Putgarten mit dem Kap Arkona verbindet und Restaurants, Biergärten und Souvenirläden bietet. Und man wundert sich spätestens dann über die kleine Zeitreise in vergangene Jahrhundere, die einem Vitt bietet, wenn man wieder mit der Gegenwart konfrontiert wird.

Wer mehr über die Ostseeinsel erfahren möchte, sollte sich den interessanten Bilderband "Rügen" von Andreas Küstermann ansehen.