Das Freilichtmuseum Petronell-Carnuntum

Römische Häuser wieder aufgebaut - Gustav Wildberger
Römische Häuser wieder aufgebaut - Gustav Wildberger
Treten Sie ein in die Welt der Römer. Nur 30 Minuten von Wien und Bratislava entfernt zeigt sich das Freilichtmuseum Petronell-Carnuntum in neuem Glanz.

Carnuntum ist Österreichs größte archäologische Landschaft. Anhand der seit Jahren stattfindenden Forschungen vor Ort, konnte man tiefe Einblicke in das Leben vor 1.700 Jahren erhalten. Diese gingen soweit, dass es den Besuchern jetzt sogar möglich ist, durch echt römische Häuser zu wandeln.

Petronell war ein Teil Carnuntums

Das heutige Freilichtmuseum Petronell war ehemals ein Stadtteil, in dem zivile Bevölkerung lebte. Carnuntum war ursprünglich ein reines Militärlager, das ab 35 nach Christus durch steinerne Befestigung ausgebaut wurde. Die spätere Hauptstadt von Oberpannonien wuchs stetig, und so entstand nebst dem Legionslager die Lagervorstadt, in welcher Familien der Militärangehörigen, Kaufleute, Händler und Abenteurer die Stadt Carnuntum zu voller Blüte brachten.

Kaiserstadt und Grenzgebiet

Carnuntum war für die Römer eine äußerst wichtige Befestigung, da unmittelbar nördlich der Stadt die Donau und somit die Reichsgrenze gegen die Markomannen verteidigt werden musste. Strategisch machte es also Sinn, die Stadt stetig auszubauen. Römische Kaiser hielten nicht nur Lager in Carnuntum, einige wurden dort von den Truppen überhaupt erst zum Kaiser ausgerufen. Eines der - aus heutiger Sicht - historisch bedeutendsten Ereignisse der Stadt, stellt die Kaiserkonferenz von 308 nach Christus dar. Bei dieser versuchten die Kaiser Diokletian, Galerius und Maximian die Tetrarchie, die "Viererherrschaft", zu retten. Ihre Entschlüsse legten in weiterer Folge den Grundstein für die Machtergreifung von Kaiser Konstantin, der mit seiner Ernennung der christlichen Religion zur wichtigsten im römischen Reich unsere Welt, wie wir sie heute kennen, prägte.

Petronell rekonstruiert mit Hilfe experimenteller Archäologie

Das Projekt des Wiederaufbaus von Petronell ist in ganz Europa einzigartig. Mit Hilfe von experimenteller Archäologie wurden Häuser rekonstruiert, einzig und alleine durch Zuhilfenahme ursprünglicher Materialien. Diese Form von Archäologie versucht, durch gezielte Experimente und Rekonstruktion antiker Gegenstände den Gebrauch, die Lebensdauer und den Wert selbiger nachzuvollziehen. Dank langer und geduldiger Arbeit konnten in Petronell römische Häuser quasi "original" nachgebaut werden.

Eintreten in die Welt der Römer

Ein Besucher im Freilichtmuseum Petronell-Carnuntum bekommt wahrlich besonderes zu sehen. Auf 1.700 Jahre alten Grundmauern wurden einzelne Häuser teilweise oder völlig rekonstruiert. Es ist, als würde man durch ein Stadtviertel spazieren, aus dem die Bewohner sich nur kurzfristig entfernt haben und jeden Moment wieder bei der Türe hereinkommen können. Im Haus des Tuchhändlers Lucius begegnet man dem römischen Alltag eines Geschäftsmannes und seiner Familie. Die Villa Urbana hingegen protzt stolz mit den Annehmlichkeiten eines reichen Patriziers. Ein besonderes Prunkstück ist die Therme, die ganzjährig beheizt wird, zur Erforschung des römischen Heizungssystems.

Original römische Funde und Fundstellen

Was für ein wahrer Schatz immer noch in der carnuntinischen Erde ruht, wird einem bewusst, wenn man erfährt, dass heute erst etwa 0,5 % von Carnuntum freigelegt wurden. Begleitend zu einem Besuch in Petronell empfiehlt sich ein Abstecher zu den nahegelegenen, themenverwandten Attraktionen. Bei schönem Wetter sind das römische Heidentor sowie die Amphitheater Petronell und Bad Deutsch-Altenburg einen Spaziergang wert. In letzteren gibt es im Sommer sogar Schaukämpfe zu bewundern. Im Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg befindet sich eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt römische Götterverehrung. Momentan findet übrigens noch bis zum 15.11.2011 die niederösterreichische Landesausstellung statt, bei der ein einziges Ticket die Türen zum Freilichtmuseum Petronell-Carnuntum, dem Museum Carnuntinum und der Kulturfabrik in Hainburg öffnet.

Julia Stipsits, Foto: Marisa Vranjes

Julia Stipsits - Als Schauspielerin gehen meine Interessen vorwiegend in die künstlerische Richtung. Was nicht heißt, dass es nicht auch einmal ...

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