
- Das Gebiss kontrollieren - Ruth Lisa Knapp
Rotfärbung und Schwellung des Zahnfleischs, übler Mundgeruch und Appetitverlust deuten auf Entzündungen in der Mundhöhle hin. Fast alle Hauskatzen ab etwa 3 bis 4 Jahren bekommen früher oder später in diesem Bereich Probleme. Es ist nicht geklärt, ob das Fertigfutter daran schuld ist. Auch bei frei lebenden Katzen, die sich vorwiegend von Beutetieren ernähren, bildet sich Zahnstein, der zu Entzündungen und Zahnverlust führen kann. Eine Ernährung ausschließlich mit Trockenfutter kann die Zahnsteinbildung nicht verhindern, denn die kleinen Brocken werden meist ungekaut verschluckt.
Das Katzengebiss
Katzen sind Fleischfresser und verfügen daher über ein Raubtiergebiss. Die ersten Zähne brechen zwischen der zweiten und achten Lebenswoche durch. Das Milchgebiss der Katze umfasst 26 Zähne und wird im Alter von etwa 4 bis 8 Monaten durch das endgültige Gebiss ersetzt, das 30 Zähne umfasst. Dieser Zahnwechsel läuft problemlos ab, Katze und Halter bekommen ihn meist gar nicht mit. Die Milchzähne werden verschluckt oder ausgespuckt. Das Gebiss der erwachsenen Katze besteht im Oberkiefer aus je einem Backenzahn und drei Prämolaren, einem deutlich größeren Eckzahn (Fangzahn) und drei sehr kleinen Schneidezähnen (16 Zähne). Die untere Zahnreihe ist genauso aufgebaut, nur fehlt hier je ein Prämolar (14 Zähne). Die Fangzähne dienen dem Ergreifen, Festhalten und Töten der Beute. Hithilfe der gezackten Backenzähne wird die Beute zerrissen. Mit den Schneidezähnen wird das Fleisch von den Knochen geschabt, außerdem sind sie nützlich bei der Fell- und Krallenpflege. Gekaut wird wenig.
Plaque - Gingivitis - Zahnverlust bei der Katze
Der Prozess der Zahnsteinbildung und ihrer Folgen geht genauso vor sich wie beim Menschen: Zahnbelag (Plaque) lagert sich am Zahnschmelz an, auf dem sich die Bakterien übermäßig vermehren. Allmählich mineralisiert der Belag und verhärtet zu gelblichem bis braunem Zahnstein. Bei der Katze setzt er sich meist an den Außenseiten der Fang- und Backenzähne fest. Der Zahnfleischsaum entzündet sich (Gingivitis) und löst sich vom Zahn. So entstehen Taschen um die Zahnhälse und der Zahnstein kann sich noch weiter ausbreiten. Schreitet dieser Prozess fort, wird auch der Zahnhalteapparat geschädigt (Paradontitis). Zähne lockern sich und fallen schließlich aus. Die Entzündungen können chronische Schmerzen verursachen. Da die Bakterien über die Blutbahn zu den Organen gelangen, besteht die Gefahr einer Infektion an anderen Stellen des Organismus. So können unbehandelte Zahnprobleme sogar lebensbedrohlich werden.
Tierärztliche Kontrolle und Behandlung von Zahnstein
Jede Vorstellung beim Tierarzt muss einen Zahncheck mit einschließen. Zwischendurch sollte man selbst immer mal wieder nachschauen, vor allem, wenn die Katze älter ist. Am besten, man ist zu zweit, so dass einer die Zähne freilegen und der andere mit einer Lampe in den Mundraum leuchten kann. Wenn sich Zahnstein gebildet hat, wird der Tierarzt empfehlen, diesen per Ultraschall entfernen zu lassen. Im Anschluss daran wird er die Zähne polieren, um die erneute Zahnsteinbildung zu erschweren. Der Eingriff wird unter Kurznarkose vorgenommen. Bei dieser Gelegenheit können geschädigte Zähne auch gebohrt und gefüllt, unrettbar zerstörte Zähne gezogen werden. Diesen Verlust verschmerzt die Katze leicht, chronische Schmerzen im Maul machen ihr viel mehr zu schaffen.
Vorbeugung: Kann man der Katze die Zähne putzen?
Vorbeugung wäre natürlich die bessere Alternative. Aber lässt sich eine Katze die Zähne putzen? Manche behaupten, ja. Man müsse nur frühzeitig damit beginnen: Den jungen Kätzchen wird mit dem Finger das Maul geöffnet, dann reibt man über Zähne und Zahnfleisch. Wenn sie nicht mehr opponieren, führt man schließlich eine sehr kleine Zahnbürste ein und putzt, so gut es eben geht, möglichst mehrmals die Woche. Niemals darf Zahncreme für Menschen verwendet werden. Die Firma Virbac bietet ein Zahnpflegeset für Katzen an, das eine Zahnbürste mit kurzen Borsten, eine Fingerzahnbürste zum Überstülpen über einen Finger und Zahncreme mit Fischgeschmack enthält.
Bei einigen sehr duldsamen Katzen mag die Gewöhnung an die Prozedur gelingen, aber meist wird der Halter entsprechende Versuche frustriert wieder aufgeben müssen. Dann kann man es mit speziellen Kaustreifen versuchen. Sie reinigen mechanisch und wirken zusätzlich bakteriostatisch. Vergleichbar den Zahnpflege-Kaugummis für Menschen empfehlen Futterhersteller zur Vorbeugung Kausticks oder besonders geformte Zahnpflegebits zum Zerkauen, die die Plaque-Bildung verhindern sollen. Doch meist führt kein Weg an der Zahnsteinentfernung durch den Tierarzt vorbei.
