
- Gelbe Weine (v.l.n.r.: Arbois und Château Chalon) - Thomas Meißner
Gelbe Weine gibt es ausschließlich im Juragebiet in Frankreich. Dort werden sie in den drei Regionen Arbois, Château Chalon und l'Etoile hergestellt. Dabei gilt es eine Gesetzmäßigkeit zu erwähnen: Alle Château Chalons sind gelbe Weine, aber gelbe Weine sind nicht immer Château Chalons, da diese Appellation namenrechtlich geschützt ist (vgl. Hugh Johnsen: Der kleine Johnsen 2008, Müchen 2007, S. 67).
Besonderheiten bei der Produktion
Bereits bei der Herstellung der Weine werden große Unterschiede zu roten und weißen Weinen deutlich. Gelbe Weine werden immer aus der Savagnin Traube hergestellt (vgl. Berthet-Bondets Homepage, Stand: 03.07.2011) und reifen mindestens sechs Jahre im Fass. Dabei wird das Fass nicht ganz verschlossen (vgl. Berthet-Bondets Homepage, Stand: 03.07.2011). Aufgrund einer Schutzschicht an der Weinoberfläche (durch natürliche Hefen) oxidieren gelbe Weine nicht so stark, dass sie nicht mehr trinkbar wären. Dennoch werden sie zu den oxidativen Weinen gezählt, da sie trotz der Hefeschicht teilweise stark oxidiert schmecken. Dies gibt den gelben Weinen einen einmaligen Geschmack. Bei der Fassreifung verdunstet ca. ein Drittel des Weines. Trotz der im Vergleich zu Sherry ähnlichen Herstellung, unterscheiden sich ihre Geschmäcker. Dies liegt daran, dass gelbe Weine im Gegensatz zu Sherry nicht wieder aufgefüllt werden, wenn Wein im Fass verdunstet ist. Dennoch verbleibt eine gewisse Ähnlichkeit zu Sherry in Geruch und Geschmack.
Besonderheiten in der Flasche
Gelbe Weine werden im Gegensatz zu den meisten anderen Weinen in Flaschen abgefüllt, deren Füllmenge nicht der gängigen Norm entspricht. Üblicherweise werden Weine in 0,375L, 0,7L, 1,5L, 3L oder größeren Flaschen angeboten. Gelbe Weine werden in sogenannten "Clavelins" (vgl. Berthet-Bondets Homepage, Stand: 03.07.2011) abgefüllt, die 0,62L fassen. Eine weitere Besonderheit liegt in der Lagerfähigkeit dieser Weine. Während die meisten Weine direkt nach ihrer Flaschenabfüllung in vollem Umfang genießbar sind, sollten gelbe Weine mindestens zehn Jahre noch in der Flasche reifen, da sie sonst zu kräftig und zu oxidativ schmecken würden. Außerdem hält ihre volle Trinkreife in etwa bis zu 70 Jahre. Gute Jahrgänge von guten Winzern können allerdings auch eine hundertjährige Trinkreife vorweisen. Danach fangen diese Weine langsam an, abzubauen. Aufgrund ihrer kräftigen Aromen sollten gelbe Weine deshalb mindestens einige Stunden vor dem Verzehr geöffnet werden.
Einzigartig im Glas
Gelbe Weine zeichnen sich zumeist durch eine zähere, dickere Konsitenz im Glas aus (vgl. Wilhelm Flitsch: Wein. Verstehen und genießen, Heidelberg 1999, S. 177). Nach dem Schwenken des Glases fließen gelbe Weine nicht an der Innenseite einfach herunter, sondern bleiben haften und bewegen sich ganz langsam in Richtung der Glasmitte. Dies ist ein weiteres Indiz für die besondere Qualität dieser Weine. Manche Flaschen sind allerdings auch besonders leichtflüssig (vgl. Verkostungsnotizen in diversen Foren wie z.B. Chefkoch.de) und schmecken sehr frisch. Die gelben Weine der verschiedenen Winzer sind also höchst unterschiedlich und dennoch charakteristisch. Außerdem entfalten sie ein wahres Feuerwerk an Aromen: Walnussaromen, Äpfel und Mineralien sind nur wenige der zahlreichen möglichen Noten.
Alles hat seinen Preis
Die lange Lagerung, die geringen Mengen und die Einzigartigkeit dieser Weine bedingen einen hohen Preis. Zwischen 17€ und 40€ kosten die aktuellen Jahrgänge. Allerdings sind diese Weine nur so vergleichsweise günstig zu bekommen. Für 20 oder sogar 50 Jahre alte Flaschen sind Preise im dreistelligen Eurobereich nicht ungewöhnlich. Dies hat aber auch einen Vorteil: Wer sein Geld investieren möchte, kann es in aktuelle Jahrgänge gelber Weine investieren. Ein Wertanstieg über dem durchschnittlichen Inflationsniveau ist nahezu garantiert.
Trotz der zahlreichen Besonderheiten kaum bekannt
Obwohl gelbe Weine auf der Welt einmalig sind, wird ihnen von der Fachpresse kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Verschiedene Gründe sind denkbar: Zum einen haben gelbe Weine so starke Geschmacksaromen, dass sie selbst Weinenthusiasten zu aromatisch schmecken. Außerdem ist die Fachpresse in Person von René Gabriel, Robert Parker und Co. zumeist mit den aktuellen Jahrgängen und Subskriptionsverkostungen der Folgejahrgänge beschäftigt. Die gelben Weine liegen allerdings etwa sieben Jahre zurück, womit ihnen die Subskriptionsaufmerksamkeit der Verkoster verwehrt bleibt.
Dies sorgt auch in Zukunft dafür, dass nur wenige das Geheimnis des Jura kennen.
