Geschichten über den Kochbuchmarkt sind Erfolgsgeschichten. Die Verleger jammern zwar immer, aber anscheinend gehört das kulinarische Stöhnen in der Branche zum Handwerkklappern. Gerechterweise muss man einfügen, dass sich zeitweise zu viele Verlage dem Segment „Kochbuch“ gewidmet haben und dass sich deshalb der Markt zwangsläufig bereinigte. Namhafte Verlage wie Falken, BLV, Weltbild, Meister, Mosaik verschwanden im letzten Jahrzehnt, weitere Verlage kappten oder stutzten kurzerhand ihre „Genussabteilungen“ bis auf Weiteres und machten "einen auf Gesundheitsratgeber" – eben was demoskopisch dem Verbraucher unterstellt wurde. Moden wurden und werden bis zum Exzess ausgeschlachtet, entweder sind auf den Schlag 20 druckfrische Titel zum Thema Schokolade im Umlauf – oder dann eben wieder gar keines oder eines in die Jahre gekommenes. So ist die Frage gar nicht so abwegig, ob es eine gewisse "Spionage-Tätigkeit" zwischen Verlagen gibt, wo unter der Hand getuschelt wird: „Es ist jetzt Zeit für ein neues Nudelbuch, mal sehen, wer als erster damit auf dem Markt ist.“
Von Promis & Lizenzen
Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Es geht darum, Geld zu verdienen. Für die Verleger heißt das auch, sich an die seit Jahren über sämtliche Bildschirme kochenden Akteure, die sich einen Bekanntheitsgrad und auch Promi-Status erworben haben, ranzuhängen und zeitgleich mit ihnen Kochbücher zu veröffentlichen. Mittlerweile gibt es kaum noch einen Prominenten, der nicht ein Kochbuch geschrieben oder von einem Ghostwriter hat schreiben lassen.
Die Bücher der wirklichen Kochprofis wie Wohlfahrt, Lafer, Witzigmann & Co. auf Sterne-Niveau sind für die Laien zum Blättern wunderschön und für die Hobbyköche eine Offenbarung. Hinzu kommen die gekauften Lizenzen aus dem Ausland: besonders aufwendige Themen, die als Auftragsarbeit dem Verlag sehr viel Geld kosten würden, aber als bereits fertiges Buch zum Übersetzen im preislichen Rahmen bleiben. Dabei kann die Qualität der Rezeptübersetzungen aus dem Amerikanischen ins Deutsche oft wunderlich anmuten: Wer wiegt und misst denn schon 165 Gramm Putenfleisch mit 225 Gramm Rahmspinat und 80 Gramm Sahne ab? Beim Nachkochen kann man eventuell solche Fehler im Topf noch auffangen, aber Lizenz-Rezepte beim Backen, die grammgenau sein müssen, sind mit Vorsicht genießen, sprich: gehen meist daneben.
Kochbuchautor(in) als Hauptberuf
Ja, das gibt es, denn Bücher zu schreiben braucht Zeit. Natürlich nehmen Verlage auch mal Manuskripte von Freizeitautoren an, aber nur, wenn es ein außergewöhnliches Thema ist und dieses auch profimäßig aufgekocht und aufbereitet ist. Alles, was in Richtung Produktaufklärung, Ernährungswissenschaft, Recherche rund um Kultur und Historie von Ernährung, Land und Menschen in Bezug auf die gewachsene Küche, Wissenswertes über spezielle Lebensmittel und kreative Rezeptentwicklung geht, wird an Fachautoren in Auftrag gegeben. Die Verlage wissen ganz genau, welcher Autor für das gewünschte Fachthema spezialisiert und geeignet ist.
Wie soll das alles weitergehen?
Gegessen wird immer – also wird auch weiterhin gekocht. Da aber die Kochsendungen nicht unbedingt das Kochen vermitteln, sondern als Show eher von Chips essenden Voyeuren geguckt werden, ist auch weiterhin der Kochbuchmarkt gefragt. Ein wahrhaftiges Buch in der Hand zu halten, mit Appetit anregenden Fotos, mit Schritt-für-Schritt-Erklärungen, zum Blättern, zum Schmökern und mit praxisorientierten Rezepten zum Nachkochen. Dieser Markt wird sich immer wieder neu erfinden und Althergebrachtes wieder neu aufbereiten. Und schließlich sind Foodfotos modisch gesehen nur einige Jahre haltbar.
