
- Geschäfte mit dem Tod - Claudia Lutterkort
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist die Trauer ein all umfassendes Gefühl. Nichts scheint mehr wichtig zu sein. Doch der Verstorbene muss bestattet werden. Da sich die Hinterbliebenen kaum in der Lage fühlen, sich mit den Angelegenheiten zu befassen, die nun geregelt werden müssen, geben sie diese Aufgaben erleichtert in die Hände eines Bestatters. Dieser kümmert sich um sämtliche Behördenangelegenheiten, er hilft bei der Auswahl des Sarges und / oder der Urne, um die Ausgestaltung der Trauerfeier, den Platz auf dem Friedhof und vieles mehr. Dankbar nehmen die Hinterbliebenen die Hilfe an, die ihnen geboten wird. Doch diese Hilfe wird weder selbstlos noch aus reiner Menschenliebe gewährt. Bestattungen sind ein knallhartes Geschäft.
Bestattungskultur in Deutschland
Hierzulande ist es üblich, dass Verstorbene spätestens am Tag nach dem Tode zu Hause abgeholt werden. Kaum jemand weiß, dass dazu keine zwingende Notwendigkeit besteht. Per Bestattungsgesetz ist eine Aufbahrung zu Hause bis zu 36 Stunden möglich. So haben auch weiter entfernt wohnende Familienmitglieder die Möglichkeit, sich in der vertrauten Umgebung vom Verstorbenen zu verabschieden. Stirbt jemand im Krankenhaus, wird in der Regel gerade abgewartet, bis die nächsten Angehörigen sich verabschiedet haben. Kaum jemand weiß, dass in beiden Fällen Angehörige beispielsweise das Recht haben, den Verstorbenen selbst zu waschen, zu kämmen und wieder anzukleiden. Auch die Ausgestaltung der Trauerhalle muss nicht zwingend von einem Bestatter übernommen werden. Wer seinem verstorbenen Angehörigen diese Dienste selbst angedeihen lassen möchte, quasi als letzten Zuneigungsbeweis, darf dies auch tun. Selbstverständlich übernehmen Bestatter diese Aufgaben gerne, um sie mit auf die Rechnung zu setzen. Je eher der Verstorbene abgeholt wird, desto besser die eigene Terminierung.
Preisvergleiche im Trauerfall?
Bestatter nutzen die Trauersituation aus, in der kaum ein Mensch auf die Idee kommt, sich Kostenvoranschläge geben zu lassen, um Preise zu vergleichen. Doch man kann Vorsorge treffen lange bevor der Ernstfall eintritt. So hat zum Beispiel die Stiftung Warentest ein Sonderheft „Bestattung“ herausgebracht. Hier wurden Preise für die verschiedenen Dienstleistungen ermittelt von niedrig bis hoch. Diese Liste gibt gut Anhaltspunkte dafür, was für eine Bestattung ausgegeben werden muss beziehungsweise kann. Preise direkt bei Bestattern zu vergleichen ist schwierig, da sie meist unterschiedliche Berechnungsgrundlagen haben. Sind beispielsweise bei einem Bestatter die Verwaltungs- und Formalitätskosten deutlich niedriger angesetzt als bei einem anderen, kann es sein, dass der Sarg oder die Sargausstattung dafür teurer ausfällt. Sehr viele Bestatter erstellen erst gar keine Kostenvoranschläge, sondern nennen im Gespräch viele Details und Preise, die sich niemand merken kann. Und niemand schaut im Abschluss genau auf diese Preise, sondern man unterschreibt.
Bestattung per Online-Auktion?
Kaum zu glauben, aber wahr, auch über Online-Auktionen kann man Bestattungen kaufen. Hier ist allerdings, wie bei fast allen Online-Auktionen, Vorsicht geboten. Die Preise sind auf den ersten Blick unschlagbar. Doch in der Regel enthalten sie zum Beispiel keinerlei Gebühren. Gerade die amtlichen Gebühren können jedoch den endgültigen Preis noch einmal kräftig erhöhen. Zu diesen gebühren gehören unter anderem die Friedhofskosten, die Kosten für die Nutzung der Trauerhalle und auch Kosten für das Standesamt. Auch eine Trauerfeier ist meist nicht im Angebot enthalten. Nutzt man die Möglichkeit, vor Kauf Fragen an den Verkäufer zu stellen, kann es durchaus geschehen, dass man keine Antwort erhält, denn schriftlich festlegen wollen sich solche Verkäufer in der Regel nicht.
Vorsorge für die eigene Beerdigung über eine Versicherung?
Seit im Jahr 2004 das Sterbegeld der Krankenkassen abgeschafft wurde, füllen viele Versicherungsgesellschaften diese Lücke Die so genannten Sterbegeldversicherungen sollen den Versicherungsnehmern die Möglichkeit geben, selbst Vorsorge zu treffe, um später die Hinterbliebenen nicht mit Kosten zu belasten. Im Grunde handelt es sich bei diesen Versicherungen meist um Lebensversicherungen, bei denen über einen vergleichsweise geringen Beitrag eine Summe angespart wird. Diese wird im Todesfall den Hinterbliebenen, die vertraglich festgelegt werden, ausbezahlt. Allerdings besteht für den Bezugsberechtigten keinerlei Verpflichtung, dieses Geld tatsächlich für die Bestattung auszugeben. Es wird ohne Nachweis der Nutzung ausbezahlt. Anders sieht es aus, wenn gleichzeitig mit der Sterbegeldversicherung ein Bestattungsvorsorgevertrag abgeschlossen wird. In diesem kann der Versicherungsnehmer bereits ein bestimmtes Bestattungsinstitut beauftragen und sicherstellen, dass die Versicherungssumme für die Bestattung genutzt wird. Allerdings sollten die Angehörigen auch davon wissen und nicht in Unkenntnis einen anderen Bestatter beauftragen.
Resümee – Was kann man tun, um anständig bestattet zu werden?
Selbst wenn jemand schwer erkrankt und mit dem Ableben zu rechnen ist, ist der Todeszeitpunkt sehr plötzlich da. Die Hinterbliebenen befinden sich in einer Ausnahmesituation, in der Tag oder Nacht, Arbeit, Essen und sonstige Selbstverständlichkeiten nebensächlich werden. Sie sind völlig überfordert und sollen sich nun mit Formalitäten, Benachrichtigungen und der eigentlichen Bestattung auseinandersetzen. Wie leicht ist es da, wenn ein Bestatter, den man entweder aus dem Telefonbuch ausgewählt oder von jemandem empfohlen bekommen hat, einem so zu sagen alles aus der Hand nimmt. Wie bereits erwähnt - das kann ziemlich teuer werden. Der Tod kostet eben nicht nur das Leben. Auch wenn der Tod immer noch ein Tabuthema ist, sollte man sich damit befassen, wenn er noch weit entfernt scheint. In aller Ruhe kann man bei Bestattungsunternehmern selbst Sarg, Bekleidung, Ausstattung der Trauerhalle und so weiter auswählen und sich dafür Kostenvoranschläge einholen. Bestatter, die verbindliche Kostenvoranschläge ablehnen, sollten gemieden werden.
Quelle: „Todsichere Geschäfte“ von Michael Schomers, Econ Verlag, 2007
