
- Gießkannen - Schwehn
Dem Sammeleifer der Bürger sind keine Grenzen gesetzt. Das beginnt gemeinhin mit der Briefmarkensammlung - und mag nicht enden beispielsweise mit dem Sammeln von Gießkannen. Es erscheint abwegig, aber in der Tat, unter der Schlagzeile „Ohne die Gießkanne wäre die Menschheit ärmer" ist am 20. August 2011 in der Galerie zum Neustädter Tor in der mittelhessischen Stadt Gießen - nomen est omen - die Ausstellung einer Gießkannensammlung eröffnet worden. Hochoffiziell, mit dem Segen und einer Grußansprache von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.
Der große Formenreichtum des Gießgefäßes
Es macht seinen Sinn. Die Stadt Gießen bereitet sich nämlich auf die Landesgartenschau 2014 vor. Und die Bürger der Stadt waren aufgerufen worden, im Vorfeld dieser für Mittelhessen bedeutenden Schau etwas beizusteuern. Das hat einen Bürger der Stadt, Sadullah Gülec, auf die Idee gebracht, eben Gießkannen zu sammeln. Unter lebhafter Anteilnahme der Bürgerschaft sind inzwischen rund 200 Exponate zusammengekommen. Entstanden ist so ein „Mitmachmuseum", das sich nach den Worten seines Initiators dem gebräuchlichen Alltags- und Nutzgegenstand „Gießkanne" widmet und weniger auf antiquarisch wertvolle oder bedeutsame Einzelstücke abhebt. Im Mittelpunkt des Sammelinteresses steht der große Formenreichtum des trivialen Gießgefäßes. Der Sammler schwärmt: Die Gießkanne sei aus „formal-ästhetischer Perspektive" durchaus interessant. Mit ihren Bestandteilen aus Gefäß, Tülle, Brausestück und Griff variiere sie in Design, Material und Wertigkeit.
Die Kindergießkanne in Elefantenform
Der Sammler - und mit ihm viele Hobbygärtner - kommt angesichts der 200 jetzt gesammelten Objekte nachgerade ins Schwärmen: Die Gießkanne sei ein Nutzgegenstand, bei dem die Funktion mit unterschiedlichen Formen verbunden sei - ob aus Metall, Plastik oder Keramik, in figürliche Formen gepresst oder auf nostalgisch getrimmt. So sammelt das Gießener Gießkannenmuseum Kannen für Balkon- und Zimmerpflanzen, Gießkannen für den Garten, auch spezielle Kakteengießkannen oder solche für Kinder. Unter den Exponaten ist also die Kindergießkanne in Elefantenform genauso wie das ausgebeulte Messingstück aus Omas Balkonzeiten.
Rosenzüchter Adenauer hätte seinen Spaß
In seinem Archivierungssystem unterscheidet das Gießener Gießkannenmuseum zwischen drinnen und draußen. Das heißt, in der Abteilung „drinnen" werden Zimmer-, Balkon- und Kakteengießkannen gesammelt; in der Abteilung „draußen" die größeren für den Garten. In beiden Abteilungen wird dann nochmals getrennt gesammelt, je nach dem Material, aus dem sie gefertigt sind: Kunststoff, Metall, Keramik. Dazu gibt es noch eine separate Abteilung. Sie ist Gießkannen gewidmet, die allein der Dekoration dienen. Ausgestellt sind auch Objekte, die praktisch wenig handhabbar waren. Wie zum Beispiel die Gießkanne mit zwei Ausgüssen. Sie sollte dazu dienen, zwei Salatreihen gleichzeitig zu gießen. Die Erfindung hat sich allerdings nicht durchgesetzt. Andere Erfindungen hingegen schon: Beispielsweise der Brausekopf, der sich leicht reinigen lässt. Das war eine Erfindung des "Rosenzüchters" Konrad Adenauer.
