
- Altes Hagendenkmal in Worms - Public Domain
Ob als Sage, Film, Tragödie, Opernzyklus oder Computerspiel, das Thema Nibelungen ist stets spannend, fantasievoll und unterhaltsam, dafür sorgt eine Handlung aus Kampfszenen, Helden, Drachen, Schurken und schönen Frauen. Hinzu kommen der Mix aus Liebe, Gier, Verrat, Mord und Hass. Siegfried, der strahlende Held erhält den goldenen Ring, und mit ihm den Schatz der Nibelungen. Trotz aller Warnungen missachtet er den Fluch, der auf dem geraubten Gold liegt und wird am Ende ermordet.
Stammt das Gold der Nibelungen aus Rom?
Lässt sich – historisch betrachtet – die Existenz eines solchen Goldschatzes überhaupt irgendwie beweisen? Muss man ihn nicht in die mystische Welt der Sagen und Legenden verbannen? Nicht unbedingt. Als Alarich, König der Westgoten, anno 410 Rom plünderte und brandschatzte, trugen seine Getreuen eine ungeheuerliche Menge Gold, Schmuck und Edelsteine zusammen – die Hauptmasse des Nibelungenhortes. Die Westgoten siedelten sich in Gallien an, wurden 507 von dem Frankenkönig Chlodwig besiegt und nach Spanien vertrieben. Zur Friedenssicherung gelangte der Schatz als Mitgift zweier Gotenprinzessinnen ins niederrheinische Gebiet und fiel später in den Besitz Siegfrieds, der im Auftrag seines Königs Gunther bei den Eroberungszügen gegen Sachsen und Dänen ein immenses Vermögen (sprich Beute) erwarb.
Siegfried, Drachentöter und Multimillionär
Siegfried, der Held, der kühne blonde Recke, Drachentöter und edle Königssohn aus Xanten musste sterben. Er war zu stark, zu mächtig, zu reich, unvorstellbar reich durch den Hort der Nibelungen, jenem gewaltigen Schatz aus Gold und Edelsteinen. Nach dem Meuchelmord an ihrem geliebten Gemahl durch die Lanze Hagen von Tronjes, sandte Königin Kriemhild ihre Brüder Gernot und Giselher samt Gefolge in das Nibelungenland, wo Alberich, der Zwerg, den Reichtum Siegfrieds hütete. Zwölf Doppelwagen, gezogen von zahlreichen Rössern, pendelten vier Tage und vier Nächte drei Mal zwischen Hort und Hafen. Sobald alle Kostbarkeiten auf Schiffe verladen waren, treidelte man diese rheinaufwärts nach Worms, in Kriemhilds Residenz. Um der unglücklichen Witwe jegliche Möglichkeit der Rache zu nehmen, versenkte der hinterhältige Hagen auf Geheiß seines Königs Gunther den Schatz „in einem dunklen Loche“ im Rhein – so heißt es im Nibelungenlied.
Die Jagd nach dem Nibelungengold
Legende oder Wirklichkeit? Seit 1500 Jahren sucht man bereits nach dem Rheingold, versuchen Archäologen und Abenteurer, Heimatforscher und Historiker aus aller Welt das Rätsel des Nibelungenhorts zu lösen. Vermutet wird das Gold im Odenwald, in den Höhlensystemen des Sauerlandes, im westfälischen Soest, sogar an der Donau und natürlich irgendwo im Rhein und seinen Altwässern, wo Tag für Tag Menschen mit Metalldetektoren und Magnetometern die Auwälder durchstreifen, in der Hoffnung den Schatz ihres Lebens zu finden.
Das Goldversteck bei Worms am Rhein
War der hinterhältige Hagen wirklich so töricht, dass er all das wertvolle Geschmeide in den deutschen Schicksalsfluss kippte, damit es Sand und Strömung für immer und ewig fortschwemmen würden? Wohl kaum. Seine Gier nach Gold dürfte stärker gewesen sein. Und so wird er den Schatz an einem sicheren Ort versteckt haben. Experten vermuten das Goldversteck nördlich von Worms, wo der Rhein bei Biebesheim einen weiten Bogen beschreibt. Bis ins 13. Jahrhunderte existierte dort ein Ort namens Lochheim, der allerdings bei einer Hochwasserkatastrophe mit Mann und Maus unterging.
Hagen von Tronje und die Thidrekssaga
Nicht nur das Nibelungenlied liefert Anhaltspunkte über den Verbleib des Goldschatzes. Auch die um 1260 in Bergen/Norwegen erschienene Thidrekssaga berichtet, wo Hagen von Tronje das Gold versenkt haben könnte: „er sancte in da ze Loche allen in den Rin“. Wahrscheinlich in einem der vielen kleinen Binnenseen, dort, wo einst die Duna (heute die Dhünn) in den Rhein floss. Diese Tümpel waren nicht tief, dafür aber brackig und trübe – ideale Voraussetzungen für ein Schatzversteck. Hagen kannte die Gegend recht gut, weil er dort mit dem Nibelungenheer auf dem Weg zu Attalas Hof den Rhein überquert hat. Doch auch hier – rund um Rheindorf und Merkenich – ist man bislang nicht fündig geworden.
Das Nibelungenlied bietet viele Interpretationen
Andere Forscher gehen davon aus, dass das Nibelungenreich nicht bei Worms, sondern bei Aachen bzw. am Mittelrhein entstanden ist. Was findige Schatzsucher dazu veranlasst, das Nibelungengold am Rand der Eifel zu suchen. Etwa in Rheinbach bei Bonn, das bis ins 8. Jahrhundert Reginsbach hieß, und wo sich im Ortsteil Loch („im Loche“) ein alter römischer Erzstollen befindet. Ein weiterer möglicher Ort für den Verbleib des Schatzes. Schenkt man anderen Interpretation des Nibelungenliedes Glauben, hat das blutige Gemetzel, der Untergang der Nibelungen nicht an Attilas Hof in Ungarn, sondern zwischen Euskirchen in der Eifel und Soest in Westfalen statt gefunden, wo einst ein König Attala über das Hunaland (Hünenland, wegen der großwüchsigen Westfalen) herrschte. Drei Reitstunden entfernt vom alten Soester Stadtkern fand man in einer Höhle Gräber und Skelette sowie Goldmünzen: Prägungen aus der Zeit des oströmischen Kaisers Justinian I. (527 – 565), Indizien, die nicht direkt auf den sagenhaften Nibelungenhort schließen lassen.
Quellen: Badische Landesbibliothek, Nibelungenmuseum Worms, Das Nibelungenlied, Nibelungenhandschrift, Thidrekssaga, dpa
