Das große klassische Hollywood BCD

Brando, Clift und Dean: stilbildende Ikonen des 50er Jahre Kinos

In den 50er Jahren brachten Montgomery Clift, Marlon Brando und James Dean frischen Wind in das Hollywoodkino. Sie waren die Rebellen, die "method actor".

Die Helden des Cinemascope jener Zeit waren Clark Gable, Gary Cooper oder Humphrey Bogart. Die großen kernigen Abenteurer. Jene Machos, die immer einen pfiffigen Spruch auf den Lippen hatten und ihre Liebste mit Heldentaten eroberten. Ihre Nachfolger waren auf einmal mehr menschlich als vordergründig männlich.

Montgomery Clift – der Gentleman

Edward Montgomery Clift (1920-1966), ein wohlerzogener junger Mann aus gutem Hause, fühlte sich schon früh von der Theaterwelt angezogen. Mit dreizehn Jahren hatte er seine Premiere auf den Bühnenbrettern in der Komödie „As husbands go“. Schnell kamen die ersten Erfolge. Er spielte am Broadway, unter anderem unter der Regie von Elia Kazan. Das heitere Metier sollte allerdings seiner Theaterarbeit vorbehalten sein. Auf der Kinoleinwand war er der selbstzweifelnde, grüblerische Introvertierte.

Lange hatte sich Hollywood um den gutaussehenden Theaterstar bemüht. Damals üblich war die Bindung eines Schauspielers an ein Studio. Clift wurde ein Sieben-Jahres-Vertrag angeboten. In dieser Zeit hätte er dem Studio verfügbar sein müssen und kein Mitspracherecht bei der Rollenauswahl gehabt. Clift pokerte und gewann. Er schloss einen Drei-Picture-Deal ab, in welchem er festhalten ließ, dass er nur mit bestimmten Regisseuren drehen werde.

1946 drehte er seinen ersten Film. Gleich an der Seite eines echten Haudegens: John Wayne. Als dessen Ziehsohn in „Red River“, der gegen den despotischen Vater aufbegehrt spielte sich Clift in die Herzen einer immer wichtiger werdenden Zielgruppe: der Teenager. Was sich in diesem Western schon abzeichnete, wurde bald Clifts Markenzeichen: seine Figuren vibrieren. So viel Gefühl und Gedanken, so viel Sehnsucht und Weltschmerz müssen sie beherbergen, dass sogar Clifts Körpersprache sich dem unterordnet. Seine Figuren sind einsame, gebeugte Charaktere, denen man ihre Tiefe dennoch ansieht und anmerkt. Clift steigerte sich so sehr in seine Rollen rein, dass er nach Dreharbeiten nur schwerlich zurückfand. Er verstand Schauspiel als Kunst, sah sich nicht als Filmstar. Er lebte zurückgezogen in seinem New Yorker Haus. Ein weiterer Grund hierfür war auch seine Homosexualität, die er zu verbergen suchte.

Ein schwerer Autounfall im Jahr 1956 und seine zunehmende Drogenabhängigkeit führten zu weiterer Isolation und immer weniger Filmangeboten. Als Clift 1966 im Alter von nur 45 Jahren an Herzversagen starb, stand er kurz vor einem Comeback. Offen ist, ob er je an seine Erfolge aus den frühen 50ern hätte anknüpfen können. Seine stärkste Performance ist und bleibt seine Hauptrolle in „Ein Platz an der Sonne“. Der Film, den sich James Dean mehrmals im Kino anschaute und dazu brachte, Clift mit Anrufen zu bombardieren, weil Dean sein Idol kennen lernen wollte.

Marlon Brando – der Aggressive

Marlon Brando (1924- 2004), vier Jahre jünger als sein Kollege, beginnt seine Karriere ähnlich wie Clift. Aufgewachsen im mittleren Westen, in Omaha, arbeitet Brando erfolgreich am Broadway, bevor das Filmgeschäft ihn für sich einnimmt.

Brando, seit seiner Jugend ein schwieriger Charakter, aufrührerisch und rebellisch, bricht 1951 wie ein schweres Gewitter über Hollywood ein, mit „Endstation Sehnsucht.“ Bis heute ist seine Darstellung des Stanley Kowalski unerreicht. Er ist der Wilde, Ungestüme. Er ist ein Schwein, ein Vergewaltiger. Er ist aber auch der liebende, der sinnliche Ehemann. Er ist dies alles mit einer Leidenschaft und Intensität, die fast die Leinwand sprengt. Dieser Film machte ihn bekannt und mit seiner Darstellung des Motoradgang-Anführers Johnny Stabler in „Der Wilde“ setzte er sich ein Denkmal im Sinne des Filmtitels. Besonders eine Szene unterstützte dieses Bild. Als Johnny gefragt wird, wogegen er denn demonstriere, antwortet er nur: „Was hast du zu bieten?“ Kraftvoll schlägt seine Figur um sich, so wie Brando es auch tat.

Mit ihm zu arbeiten, war nach Aussagen seiner Kollegen und Regisseure schwierig. Er konnte sich schlecht unterordnen, was der Filmarbeit nicht gerade zuträglich ist. Elia Kazan hatte aber wohl das richtige Händchen, denn er führte Brando zu Höchstleistungen. Nach „Endstation Sehnsucht“ vor allem in „Die Faust im Nacken“. Als Hafenarbeiter Terry Malloy, der sich gegen die korrupte Gewerkschaft auflehnt zeigt er erneut sowohl sehr schroffe männliche Züge, doch auch anrührende weiche Eigenschaften seiner komplexen Figur. Dies machte er so gut, dass er dafür den Oscar erhielt. Eine Sache, die er Clift sowie Dean voraus hatte: seine Leistungen wurden von der Academy honoriert. Eine weitere: er hat überlebt.

James Dean – der ewig junge

Über ihn weiß jeder alles, so scheint es, da über ihn derart viel geschrieben wurde. Sein tragischer Tod hat ihn nur 24 Jahre alt werden lassen. Dean (1931-1955) war ein überaus karriereorientierter Mensch. Er wollte zum Film. Er wollte in die Fußstapfen seiner Vorbilder, der Vorbilder der Zeit, Clift und Brando treten. Er identifizierte sich so sehr mit ihnen, dass er Briefe sogar mit James Brando Clift Dean unterschrieb. Auch Dean hatte erste kleine Engagements im Theater und auch im TV, doch die Leinwand rief früh.

Sein erster Film gab ihm gleich die Möglichkeit mit Elia Kazan zu drehen, der schon mit seinen beiden Idolen gearbeitet hatte. „Jenseits von Eden“, basierend auf John Steinbecks Roman, machte Dean über Nacht zum Wunderkind des Kinos. Sein Cal, der um die Liebe seines Vaters buhlt, hat nichts an Wucht verloren. Wie in seinen beiden anderen Rollen, bietet Dean seinen Betrachtern größtmögliche Identifikation. Dean spielt seine Figuren so verletzlich, so emotional, dass sie greifbar werden. In „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist er das Symbol jeder Teenagergeneration. Unverstanden von seinen Eltern, auf der Suche nach sich selbst, nach Halt und Liebe gibt er ihnen eine Stimme. Eine laute Stimme, eine leise. Eine schreiende, eine flüsternde. Auch in „Giganten“ kämpft er. Um Anerkennung, um Liz Taylors Liebe, um einen Platz in der Gesellschaft.

Simone Sass, Simone Sass

Simone Sass - Echtes Ruhrgebietskind. Studierte Germanistin und Historikerin. Auslandsaufenthalt in Irland. Praktika in Museen, Stadtverwaltung und TV. ...

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