
- Berlins Großes Tropenhaus ist wieder zugänglich - Wilhelm Ruprecht Frieling
Exakt 1.143 Tage wurden für die Sanierung des Großen Tropenhauses im Botanischen Garten Berlin benötigt, das mehr als drei Jahre für Besucher geschlossen bleiben musste. Jetzt ist das Wahrzeichen der weitläufigen Gartenanlage wieder öffentlich zugänglich.
Berlin hat einen der weltgrößten Botanischen Gärten
Berlins Botanischer Garten ist 43 Hektar groß und beherbergt 22.000 Pflanzen. Es handelt sich nach dem Royal Botanic Gardens Kew bei London und dem Missouri Botanical Garden in St. Louis (USA) um die drittgrößte Gartenanlage der Welt. Seine Wurzeln gründen im 16. Jahrhundert.
Die Schauhäuser des in Dahlem gelegenen Gartens sind über einhundert Jahre alt. Besonders kostbar ist das große Gewächshaus. Es ist mit 60 Metern Länge, 29 Metern Breite und 26,5 Metern Höhe eines der größten und bedeutendsten freitragenden Gewächshäuser der Welt und gilt als architektonisches Meisterwerk.
Ein architektonisches Meisterwerk
Als Hauptgebäude eines Ensembles von insgesamt 14 miteinander verbundenen historischen Schauhäusern steht es als Symbol für die Epoche des Maschinenzeitalters und die Architektur der Moderne.
Charakteristisch für das Bauwerk ist ein gut sichtbares Stahltragwerk, für das seinerzeit 460 Tonnen Eisen benötigt wurden. Die gläserne Fassade wurde – anders als bei ähnlich konstruierten Bauwerken jener Epoche, nicht oberhalb aufgesetzt sondern von innen angehängt.
Pflanzen nach Kontinenten gruppiert
Traditionell ist das Haus hälftig in die Tropen der „Neuen Welt“ und die Tropen der „Alten Welt“ eingeteilt. Zum Konzept der Gewächshäuser gehört, die Pflanzen nach Kontinenten getrennt zu präsentieren. Bei der letzten Inventur im Jahre 2005 wurden über 4.000 Pflanzen in 1.358 verschiedenen Arten festgestellt.
Nach dem 2. Weltkrieg war das Haus mit dem damals sehr fortschrittlichen Material Acryl eingedeckt worden. Viele dieser Acrylscheiben waren inzwischen brüchig, milchig und spröde geworden. In hohem Maße wurde Wärmeenergie verschwendet. So war eines der Hauptziele der Sanierung die Halbierung der benötigten Energiemenge.
4000 Pflanzen wurden evakuiert
Für die drei Jahre andauernden Bauarbeiten mussten die teilweise riesigen Pflanzen, der größte Tropenbaum war 17,5 Meter hoch, evakuiert werden. Nahezu alle überlebten die Strapazen. Bis auf das historische Stahltragwerk und die Fundamente wurde fast alles abgerissen und erneuert.
Zu den markantesten Neuerungen gehören zwei 16 Meter hohe Umlufttürme in Gestalt von Baumriesen. Sie speichern Sonnenwärme und geben diese nachts wieder ab. Die Fenstersprossen des Großen Tropenhauses sind hohl, in ihnen fließt warmes Heizungswasser.
Wärmedämmung wird groß geschrieben
Diese Fassadenheizung sorgt dafür, dass die Wärme in der großen Kuppel gleichmäßig verteilt wird und die Scheiben von innen nicht mehr beschlagen.
Die alten Acrylscheiben wurden komplett durch eine lichtdurchlässige Spezialverglasung ersetzt, die mit einer Anti-Reflexbeschichtung versehen ist und als Wärmeschutz funktioniert.
Nach der erfolgreichen Sanierung gewinnen Besucher des Gartendenkmals Botanischer Garten Berlin in diesem Hightech-Glashaus einen einzigartigen Eindruck von der Welt der Tropen.
