Das Grossmünster - Wahrzeichen von Zürich

Das Grossmünster in Zürich mit seinen Zwillingstürmen - Daniela Sattler
Das Grossmünster in Zürich mit seinen Zwillingstürmen - Daniela Sattler
In Zürich lassen sich viele Sehenswürdigkeiten bei einem Bummel zu Fuss entdecken. Auch das Grossmünster, das als Wahrzeichen der Stadt gilt.

Die Stadt an der Limmat bietet neben feinsten Boutiquen und Fachgeschäften, schmucken Gassen, versteckten, kleinen Plätzen sowie zahlreichen Speiserestaurants und «Apéro-Bars» auch viele Sehenswürdigkeiten, deren Besichtigungen bei einem Stadtbesuch unbedingt auf dem Programm stehen sollten. So etwa der Besuch des Grossmünsters in der Altstadt von Zürich.

Legende und Geschichte

Einer Legende nach hat Karl der Grosse die Kirche sowie die Propstei des Grossmünsters gestiftet. Dies nachdem sein Pferd, auf dem er einen Hirschen verfolgte, plötzlich auf die Knie sank. Es wollte ihn darauf hinweisen, dass sich dort – an der Stelle des Grossmünsters – ein Märtyrergrab befand.

Auf einer Halbinsel im Fluss, an dem Ort, an dem heute die Wasserkirche steht, sollen die beiden Schutzheiligen, die frommen Geschwister Felix und Regula, um etwa 300 n. Chr. wegen ihres christlichen Glaubens gefoltert und enthauptet worden sein. Felix und Regula aber, so berichtet die Legende weiter, hätten sich erhoben, ihre Häupter in die Hände genommen und seien bis zu dem Platz geschritten, wo sie begraben werden sollten. Die beiden Stadtheiligen wurden bis zur Reformation in Zürich verehrt. Der 11.September ist ihr Gedenktag. Neben dem Grossmünster sowie der Wasserkirche ist ihnen auch das Fraumünster gewidmet, das – zusammen mit der St. Peter Kirche und dem Grossmünster – zu den berühmtesten Kirchen der Stadt zählt.

Das Grossmünster war bis zur Reformation Teil eines Chorherrenstifts und im Mittelalter mit 24 Chorherren und 32 Kaplänen, neben derKonstanzer Kathedrale, das bedeutendste Stift. Es verfügte über Anwesen und Einkünfte rund um Zürich. Nach der Reformation wurde in diesem Gebäude Ulrich Zwinglis theologische Akademie Prophezei untergebracht, die später Carolinum hiess und der Keim der heutigen, im Jahr 1833 gegründeten Universität Zürich war. Nachdem das Stift im Jahr 1832 aufgehoben und verkauft worden war, wurde es 1849 abgerissen und von dem damals wohl bekanntesten Schweizer Architekten Gustav Albert Wegmann durch einen Neubau ersetzt. Bis 1976 war das «Grossmünsterschulhaus» ein städtisches Gymnasium für Mädchen. Seit 1976 befindet sich in dem Gebäude der theologische Bereich der Universität Zürich.

Sehenswertes im Grossmünster

Der Bau der Kirche, so wie sie sich dem Besucher heute zeigt, begann um 1100. Die romanische dreischiffige Hallenkrypta ist der älteste Teil der Kirche und die grösste Krypta in der Schweiz. Sie wurde im Jahr 1107 geweiht. Die leider nicht mehr sehr gut erhaltenen Wandmalereien des Zürcher Künstlers Hans Leu dem Älteren berichten dort über das Martyrium von Felix und Regula.

Auf Initiative des 1518 zum Prediger und Seelsorger, dem so genannten Leutpriester gewählten Ulrich Zwingli, liess der Zürcher Stadtrat 1524 die Altarbilder entfernen. Auch heute noch symbolisiert der schlicht gehaltene Innenraum – mit Kanzel und Taufstein – das räumliche Zentrum des reformierten Gottesdienstes.

Im Chorraum, wo einst der Hauptaltar stand, sind unter anderem noch schwach erhaltene Freskenzu erkennen. So beispielsweise jene vom «Schweisstuch der Veronika». Nur weil diese ursprünglichen Ausmalungen vermauert waren, haben sie den Bildersturm der Reformation überstanden. Die von Augusto Giacometti 1933 gestalteten drei Fenster erzählen in diesem Raum die Weihnachtsgeschichte.

Äusserst sehenswert sind – neben den romanischen Kapitellen im Schiff – ebenfalls die noch gut erhaltenen Freskenmit verschiedenen Szenen von Jesus und den zwölf Aposteln in der Zwölf-Boten-Kapelle sowie die 1960 eingebaute mechanische Metzler-Orgel mit ihren 67 Registern.

Seit Oktober 2009 sind die sieben westlichen hinteren Fenster des Längsschiffs mit abstrakten, mosaikähnlichen Mustern aus geschnittenen Achaten versehen. Die fünf vorderen, gegen den Chor hin gerichteten bunten, figurativen Glasfenster zeigen alttestamentarische Darstellungen. Dieses Werk stammt vom Künstler Sigmar Polk, der im Jahr 2006 einen Einladungswettbewerb zur Neugestaltung von Kirchenfenstern im Grossmünster Zürich gewonnen hatte.

Geführte Besichtigungen des Grossmünsters

Das Grossmünster ist im Sommer (1.März bis 31.Oktober) jeweils von 10.00 Uhr bis18.00.Uhr und im Winter (1.November bis 28.Februar) jeweils von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr zur stillen Besichtigung geöffnet. Daneben werden aber auch verschiedene äusserst interessante Führungen angeboten.

Der Karlsturm

Nach einem Brand des Glockenturms im Jahr 1763, erfolgte 1783 bis 1787 der heutige Aufbau der Türme. Die Zwillingstürme setzen sich aus drei zeitlich verschiedenen Baustilen zusammen und gelten als Wahrzeichen von Zürich. Die drei unteren Geschosse der beiden Türme sind romanisch und unter der mit Achteckhauben gezierten Spitze – einem frühen Beispiel der Neugotik – findet sich ein spätgotisches Geschoss.

Einer der beiden Türme ist der Karlsturm. In ihm ist eine sitzende Skulptur von Karl dem Grossen eingelassen. Von der Aussichtsplattform des Karlsturms bietet sich eint traumhafter Ausblick über die Altstadt und den See, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Allerdings muss man sich diesen Genuss schon erst verdienen – 187 Tritte sind es nämlich, die vom Kirchenschiff aus zum Aussichtspunkt führen.

Quellen:

Ulrich Gerster, Jurysekretär Grossmünster; Homepage Grossmünster; «Zürich» von Eva Gerberding, MERIAN live, Ganske Verlagsgruppe, Hamburg, 2010; «Grossmünster Zürich» von Daniel Gutscher, Herausgeber: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1983; Homepage der Gebrüder Dürst, Zürich

Daniela Sattler, Daniela Sattler

Daniela Sattler - In Bearbeitung

rss