Gewusst haben wir es ja eigentlich schon immer: Im Zeitalter der elektronischen Medien ist unserer Gesellschaft die Kunst des Miteinander-Redens abhanden gekommen. Ein Kaffeeröster hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Tausend Frauen ab 14 Jahre wurden zum Thema „Das gute Gespräch“ befragt. Darüber hinaus hat ein Hamburger Institut tiefenpsychologische Interviews mit Frauen der Altersgruppe 50 – 65 Jahre geführt. Das keineswegs überraschende Ergebnis: Fast die Hälfte der Frauen vermisst gute Gespräche mit der Familie, dem Partner und den Freunden. „Wer Zeit für gute Gespräche findet, ist mit seinem Leben in der Regel auch zufriedener“, stellt die Studie fest.
Die Menschen reden zu wenig mit einander
86 Prozent der Befragten gaben an, dass die Menschen heute zu wenig mit einander reden. Die offenbar jungen Mitarbeiter des Meinungsforschungsinstituts hat dies angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland mehr Mobilfunkverträge als Einwohner gibt, erstaunt. Die Diplom-Psychologin Anna Ripke, die die erwähnen tiefenpsychologische Untersuchung durchgeführt hat, ergänzt: „Der gemeinsame Nenner guter Gespräche ist das Gefühl, es berührt meine Seele, das Empfinden von Harmonie und emotionaler Nähe“.
Jüngeren Altersgruppen ist der unterhaltenden Charakter wichtig, während für Frauen mit mehr Lebenserfahrung die Erweiterung des eigenen Horizonts im Vordergrund steht. Müttern erwachsener Kinder hingegen ist es besonders wichtig, mit Gesprächen echte Lebenshilfe geben zu können. „Die Interviews haben gezeigt, dass gerade diese Frauen in ihrem Alltag sehr viele gute Gespräche führen“, so Anna Ripke.
Im Vordergrund des Wunsches nach Gesprächen steht meist die aktuelle Lebenssituation in der Familie und im Beruf. Zwei Drittel der Befragten tauschen darüber mit der „besten Freundin“, nur gut die Hälfte mit dem Partner aus. Eigene Kinder sind – nicht so sehr erstaunlich – kaum ein Gesprächspartner und wurden nur von 35 Prozent genannt. In der mittleren Altersgruppe der 30- bis 49jährigen ist es dann doch der Partner, mit dem man sich ausspricht. Erstaunlicherweise bekennen mehr als zwei Drittel der Mütter von erwachsenen Kindern, dass Sohn oder Tochter der beste Partner für ein gutes Gespräch ist.
Das persönliche Gespräch wird bevorzugt
Bevorzugt wird das Gespräch von Angesicht zu Angesicht, aber auch das Telefon ist ein beliebtes Kommunikationsmittel. Aber nur gut jede Fünfte hält das für eine gute Alternative. Immerhin ein Drittel der Generation der 14-bis 29jährigen hält auch die Kommunikation im Internet – „chatten“ genannt – für eine mögliche Alternative.
Gute Gespräche finden meist daheim statt – wobei Wohnzimmer oder Küche dafür offenbar gleich geeignet sind. Auf der Straße oder im Park werden mit 42 Prozent erstaunlich viele Gespräche geführt, während das Restaurant oder Café nur für ein Drittel der Befragten ein geeigneter Treffpunkt ist. Dass die Tasse Kaffee bei solchen Gesprächen wichtig ist, erfreut den Kaffeeröster. Dass solche Gespräche die Seele reinigen, wussten wir natürlich schon immer. Aber leider: „Die Menschen reden heute nur noch oberflächlich miteinander, richtig gute Gespräche finden nur noch selten statt“, sagt die Hälfte der Befragten. Die Menschen hören einander nicht mehr richtig zu und gehen unangenehmen Themen aus dem Weg. Mehr als zwei Drittel der Befragten glauben, man könne mit „Worten die Welt verändern“. Erkenntnisse, die der Kaffeeröster in seiner Werbung verwerten will.
An diesem Beitrag hat Klaus Mittelstädt mitgewirkt.
