Die meisten Digitalkameras bieten dem Nutzer ein Histogramm zur besseren Beurteilung der Bilder an. Was kann man aus dem Histogramm herauslesen und wie kann man ggf. korrigierend eingreifen?
Das Histogramm ist eine statistische Auswertung der Helligkeit der Pixel im Bild. Man kann also daraus erkennen, wie viele Pixel welche Helligkeit haben. Auf der linken Seite des Histogramms befinden sich die dunklen Werte, auf der rechten die hellen. Ein Foto, das im JPG-Format aufgenommen wurde, hat einen Tonwertumfang von 256 Stufen. Wobei 0 für Schwarz steht und 255 für Weiß. Dass nicht mehr Helligkeitsstufen dargestellt werden können, liegt an der Verschlüsselung der Werte in 8 Bit. Mit 8 Bit lassen sich maximal 256 Zustände speichern. Manche Kameras erlauben die Speicherung von TIFF-Bildern oder die Verwendung von RAW-Formaten. Bei solchen Bildern lassen sich wesentlich mehr Helligkeitsstufen speichern. Je nach Kamera und Format zwischen 4096 (12 Bit) und 16384 (14 Bit). Die volle Bandbreite von 16 Bit, die die meisten Bildbearbeitungsprogramme verwenden, nutzt kaum eine Kamera aus.
Bedeutung der Höhe des Histogramms
Die Höhe der Kurve gibt an, wie viele Pixel die jeweilige Helligkeit haben. Je höher die Kurve, desto mehr Pixel sind es. Beginnt das Histogramm bei den dunklen Werten links bei null, sind schwarze Pixel im Bild enthalten. Endet es auf der rechten Seite bei Weiß, sind auch solche Pixel im Bild enthalten. Sowohl für Weiß als auch für Schwarz gilt: es ist gut, wenn sie vorhanden sind, aber zu viel ist schädlich. Wenn also das Histogramm auf der rechten Seite einen sehr hohen Wert anzeigt, bedeutet das, dass das Bild weiße Stellen ohne „Zeichnung“ enthält. Mit „Zeichnung“ bezeichnen die Fotografen Bereiche im Bild, die noch Struktur aufweisen, also nicht komplett schwarz oder weiß sind. Strukturloses Weiß im Bild wirkt negativ, der Betrachter nimmt solche Flächen als „Loch“ war. Bei Schwarz ist es nicht ganz so schlimm, aber auch hier gilt, schwarze Bereiche sollten keine großen Flächen im Foto belegen.
Verläuft das Histogramm also von ganz links nach ganz rechts, ohne Spitzenwerte an den Enden, handelt es sich um ein optimal belichtetes Foto. Bricht das Histogramm auf der rechten Seite zu früh ab, ist das Bild unterbelichtet, es sei denn, es gibt wirklich kein Weiß im Bild. Beginnt die Kurve nicht bei Schwarz auf der linken Seite, handelt es sich in der Regel um eine Überbelichtung.
Belichtungskorrektur mit Hilfe des Histogramms
Wie kann man Fehlbelichtungen erkennen und mit Hilfe des Histogramms beseitigen? Die Belichtungsmesser in den Kameras sind auf einen Wert geeicht, der vor langer Zeit einmal festgelegt wurde. Die Firma Kodak hat damals einige hunderttausend Fotos ihrer Kundschaft ausgemessen, die als korrekt belichtet galten. Dabei wurde festgestellt, dass „normal“ belichtete Fotos 18% des auftreffenden Lichtes reflektieren. Darauf hat man die Belichtungsmesser eingestellt. Die Kamera „erwartet“ also eine entsprechende Helligkeitsverteilung im Foto.
Weicht nun die Lichtsituation von der „erwarteten“ ab, kommt es zu Fehlbelichtungen. Fotografiert man beispielsweise im Winterurlaub mit viel Schnee in der Umgebung, werden die Bilder unterbelichtet. Das liegt daran, dass die Kamera nicht „wissen“ kann, dass so viel Weiß im Bild enthalten ist. Die Folge ist, dass die Kamera eine kurze Belichtungszeit und eine kleine Blende einstellt. Das führt dazu, dass der Schnee nicht weiß, sondern grau abgebildet wird und Personen viel zu dunkel dargestellt werden.
Hier hilft nur eine Belichtungskorrektur. Es hilft aber nicht, z.B. eine größere Blende einzustellen, das würde die Kamera kompensieren, indem sie die Belichtungszeit verkürzt. Es muss gezielt eine Überbelichtung eingestellt werden. Wie das genau geht, steht in der Gebrauchsanleitung zur Kamera. Meist kann man die Belichtung in 1/3 oder 1/2 Stufen korrigieren. Im Schnee sollte man etwa eine ganze Blendenstufe überbelichten. Am besten stellt man die Kamera auf Überbelichtung und macht eine Probeaufnahme. Mit Hilfe des Histogramms kann man dann feststellen, ob die Belichtung korrekt ist. Reicht das Histogramm bis ganz nach rechts, ist das in Ordnung, denn es ist ja viel Weiß im Bild. Aber auch auf der linken Seite des Histogramms sollten Werte vorhanden sein. Auf keinen Fall sollte das Histogramm jedoch auf der rechten, weißen Seite ganz hoch enden, dann wären wieder strukturlose weiße Flecken im Bild. Richtig ist es, wenn das Histogramm rechts unten endet.
Bei zu dunkler Umgebung droht ebenfalls eine Fehlbelichtung. Dieses Mal wird die Kamera dazu neigen, ein zu helles Bild aufzuzeichnen. In so einem Fall muss man dann eine Unterbelichtung einstellen, um zu korrekt belichteten Bildern zu kommen.
