Das historische Jericho

Das historische Jericho im Spiegel des heutigen Forschungsstandes: über Grabungsergebnisse, Legende und Wirklichkeit.

Jericho, heute Tell-es Sultan genannt (Tell bedeutet Hügel bzw. Siedlungshügel), liegt im Gebiet des sogenannten „fruchtbaren Halbmonds“, welcher einen Bogen vom Toten Meer zur iranischen Hochebene beschreibt. Es befindet sich in der Jordanebene nahe einer wasserreichen Quelle. Jericho liegt auf einem Siedlungshügel von 300 x 150 m und befindet sich 300 m unter dem Meeresspiegel.

Die Legende von Jericho

Die Legende von Jericho hat ihren Ursprung im Buch Josua, einem Abschnitt der Bibel. Dort wird berichtet, dass sich Israel im Krieg mit Kanaan befand. Die Israeliten überquerten den Jordan und wollten Jericho erobern. Um ihnen zu helfen staute ihr Gott den Fluss, so dass die Krieger trocken ans andere Ufer gelangten. Aufgrund einer Prophezeiung ließ Josua, der Führer der Israeliten, dann vor der Stadt sieben Trompeten ertönen, die die Stadtmauer einstürzen ließen.

Die Siedlungsphasen in Jericho

Erstmals besiedelt wurde Jericho in der mittleren Steinzeit des 10. Jahrtausends vuZ. Es wurden bei Ausgrabungen mehrere Siedlungsphasen entdeckt. Jericho galt lange Zeit als älteste Stadt der Welt, allerdings konnten keinerlei Verwaltungsstrukturen nachgewiesen werden, sodass es sich daher um keine Stadt im heutigen Sinne handelte. Die ersten Bewohner lebten als Halbnomaden in Zelten.

In der 1. Phase wurden zahlreiche mikrolithische Steinwerkzeuge verwendet, z.B Stichel und Sichelblätter aus Feuerstein, außerdem Näpfe aus Basalt oder Kalkstein. Man wohnte auf einem Felshügel, der mit einer Lehmschicht versehen war.

Die 2. Siedlungsphase begann zu Beginn der Jungsteinzeit. Eine 4 m hohe Ablagerung zeugt von dieser Epoche. Ausgegraben wurden Nomadenhütten aus Lehmbatzen und Holz unterhalb der ersten soliden Fundamente. Die Bevölkerung stand kurz vor der Sesshaftigkeit.

Phase 3 ist der vorkeramischen Jungsteinzeit A (8. Jahrtausend vuZ) zuzuordnen. Die Siedlung dieser Epoche umfasste 4 Hektar an Rundhäusern. Zunächst war die Siedlung unbefestigt, später kam jedoch eine ummantelte Steinmauer hinzu.

Die Bestattungsriten, welche mit der 3. Besiedlungsphase aufkamen, sind als bizarr zu bezeichnen. Die Leichen der Verstorbenen wurden in Schächten unter den Fußböden bestattet. Die entdeckten Skelette wiesen z.T. keine Köpfe mehr auf. Stattdessen fand man gruppierte Schädel in den Häusern.

Die 4. Siedlungsphase fällt in die vorkeramische Jungsteinzeit B (7. Jahrtausend vuZ). Auch in dieser Phase wurde wieder eine Befestigungsmauer errichtet. Auf den Höfen errichtete man Herde aus Lehmziegeln, welche mit gebrannten Füßen versehen wurden.

Die alte Sitte der Schädeldeponierung bestand weiter mit Änderungen. Statt Gruppen wurden nur noch Einzelschädel begraben. Gesicht und Schädel überzog man mit Lehm und übermodellierte sie zum Teil mit rötlicher Gipsmasse. Zur Darstellung der Augen fanden Muscheln Verwendung.

Während des 5. und 6. Jahrtausends vuZ verödete Jericho und wurde zusammen mit der Mehrzahl der palästinensischen Siedlungen aufgegeben. Grund war wahrscheinlich ein Klimawechsel, wobei die auftretende steigende Erwärmung zur Austrocknung des Gebiets führte.

Mit der Wiederbesiedlung Palästinas ließen sich auch in Jericho am Ende des 5. Jahrtausends wieder Menschen nieder. Erdhöhlen und tiefe Gruben dienten nun als Wohnungen. In diese Periode fallen auch die frühesten Keramikfunde der Siedlung.

In der frühen Bronzezeit folgte eine Besiedlungsperiode, in der Häuser aus Lehmziegeln gebaut wurden. Weiterhin existierte eine Befestigungsmauer, die jedoch anscheinend nicht zu Beginn dieser Phase errichtet wurde.

Im Nordwesten des Tells konnten etwa ein Dutzend Felskammergräber entdeckt werden. Bestattungen erfolgten stets in Kollektiven, in einem Fall konnten sogar 300 Individuen nachgewiesen werden. Intakt war dabei jedoch keines der Skelette. An Beigaben wurde reichlich Keramik aufgefunden, vor allem in Form von Schalen, Krügen und Amphoren.

Forschungsgeschichte

Jericho war im Laufe seiner langen Forschungsgeschichte schon oft Ziel von Grabungen. Gegraben wurde 1867 von Warren, 1908-11 von Sellin und Watzinger sowie 1930 -36 von Garstang. Die wichtigsten Grabungen führte jedoch von 1952-56 Kathleen Kenyon durch.

Hagen Winsmann, Foto: Fotoatelier Wege

Hagen Winsmann - Hallo, Mein Name ist Hagen Winsmann. Ich studiere seit Oktober 2005 Prähistorische Archäologie an der ...

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