
- Berge auf Island - Pixelquelle
50.000 Wissenschaftler von über 60 Nationen haben vom 1. März 2007 bis 1. März 2009 im Rahmen des 4. Internationalen Polarjahres die Polarregionen im Norden und Süden der Erdhalbkugel erforscht. Vor dem Hintergrund des Klimawandels steht die Menschheit vor neuen Herausforderungen. 230 Projekte wurden von Forschern aus den Disziplinen Geologie, Glaziologie, Ozeongraphie, Meteorologie, Biologie, Physik, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften durchgeführt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Einbeziehung von Lehrern und Schülern gelegt, um sie möglichst praxisnah an die Situation in den Polarregionen heranzuführen. Bereits drei Mal fanden groß angelegte Initiativen zur Untersuchung dieses speziellen Erdteils statt. Das 1. Internationale Polarjahr beging man 1882/83, das 2. 1932/33 und das 3. 1957/58.
Das letzte Internationale Polarjahr stand unter der Leitung vom International Council for Science (ICSU) und der World Meteorological Organisation (WMO). Erstmals sind ebenfalls archäologische Projekte in das Programm aufgenommen worden.
Grönland im Fokus internationaler Wissenschaftler
Das dänisch-grönländisch-amerikanische Projekt "Resource Use, Mobility and Cultural Identity - the Norse settlement in Vatnahverfi, Greenland (ca. 985-1450)" beleuchtete die Landnahme der nordischen Siedler, die so genannte Ostsiedlung Grönlands. Noch heute obertägig sichtbare Spuren sind beispielsweise im Norden Grönlands bei Reykjarfjödur sichtbar. Viele andere Fundstätten sind noch vom Eis bedeckt. Doch macht sich auch hier die Klimaerwärmung bemerkbar, indem durch Eisschmelze Funde bereits frei liegen und der Witterung ausgesetzt sind.
Island und Shetlandinseln als Handelsregion für deutsche Forscher interessant
Im Rahmen des Projektes OITIS (The Operation of International Trade in Iceland and Shetland (ca. 1400-1700)" untersuchten Archäologen, Historiker, Archivare und Ortsnamenforscher Handelsbeziehungen hansischer und englischer Kaufleute mit Island und den Shetlandinseln. Aufgrund des Fischreichtums um diese Inseln ließen sich Händler ab dem 15. Jh. hier nieder, um Stockfisch ins südlichere Europa zu verhandeln. Zahlreiche Handelsniederlassungen sind noch unter dem Eis gut erhalten oder an der Oberfläche sichtbar. Sie wurden ausgegraben und dokumentiert. Doch auch hier gefährdet das Auftauen von Inselbereichen die archäologischen Fundstätten.
Siedlungen auf Island
Lange bekannt sind Handelsplätze Gasir im Norden, Gautavik im Osten oder Mariuhöfn im Hvalfjördur, dem Walfjord im Südwesten Islands. Nach ersten Handelskontakten im 9. Jh. mit Nordeuropa entwickelte sich vor allem im Spätmittelalter reger Kontakt zu Hansekaufleuten. Fisch, Schwefel und Wolle waren begehrte Handelswaren für Kaufleute der Hansestädte, die sie gegen Steinzeuggefäße aus dem Rheinland und Niedersachsen, Irdenware aus England oder Majolika aus Holland eintauschten.
Isländische Schriftquellen berichten erstmals im Jahr 1412 von englischen Fischern. In kleinen Siedlungen bereiteten sie den gefangenen Stockfisch für den Export vor. Große Handelsschiffe aus England brachten Schuhe, Stoffe, Werkzeuge, Waffen und Wein. Als Voraussetzung für das Anlegen eines Handelsplatzes galt ein natürlicher Hafen, in dessen Bucht auch eine Hanse-Kogge sicher liegen konnte. Dies war vor allem bei Kumbaravogur an der Nordseite des Snäfellsness-Halbinsel der Fall. In den Briefen der Bremer Islandfahrerbrüderschaft aus dem 16. Jh. wird er als einer ihrer wichtigen Häfen erwähnt. Die Ausgrabungen werden hier noch in den Sommermonaten bis 2010 fortgesetzt.
Besiedlung der Shetlandinseln
Im Westen von Shetland, in der Bucht von Gunnister Voe, konnten deutsche und nordirische Archäologen die Reste der Handelsstation des Hamburger Kaufmanns Simon Harriestede ausgegraben werden. Harriestede nach Schriftzeugnissen von 1582-1602 jeden Sommer hierher gesegelt, um Getreide, Bier, Werkzeuge u.a. gegen Stockfisch einzutauschen. Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und der Queen's University Belfast entdeckten Forscher Reste von Steingebäuden, die als Lagerraum für Getreide dienten. Die namentlich bekannte Schiffscrew schlief hauptsächlich an Bord. Der lokale Name der Bucht "Hagrie's Böd" weist zusätzlich auf den Hamburger hin.
