Jagdschloss Glienicke in Berlin-Wannsee

Ein Barockschloss mit wechselvollem Schicksal

Das Jagdschloss Glienicke von Babelsberg - Harald Rossa
Das Jagdschloss Glienicke von Babelsberg - Harald Rossa
Das Jagdschloss Glienicke lag und liegt ein wenig im Abseits der anderen Prachtbauten der Umgebung. Aber sein Park lohnt noch immer einen Besuch.

Nicht weit von der Glienicker Brücke in Richtung des Potsdamer Ortsteils Klein Glienicke liegt das Jagdschloss Glienicke am Ufer der Glienicker Lake. Die ist eine seeartige Erweiterung der Havel und der Ausgangspunkt für den Teltowkanal zwischen Havel und Spree. Mit den anderen Schlössern und Gärten in der Umgebung gehört es zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte des Jagdschlosses Glienicke bis zum Ende der Monarchie

Mit dem Bau des Jagdschlosses Glienicke wurde 1682 begonnen. 1693 konnte der Baumeister Charles Philippe Dieussart die Anlage dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergeben. Der preußische König Friedrich I. ließ das Schloss erweitern und verschönern. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ das Jagdschloss Glienicke als Lazarett für das Garderegiment einrichten.

König Friedrich II. überließ das Jagdschloss Glienicke 1763 dem Fabrikanten Isaac Levin Joel. Der richtete im Haus eine Fabrik für Wachstücher und Tapeten ein. 1827 kam das Haus in die Hände von Wilhelm von Türk. Der wird manchmal als preußischer Pestalozzi bezeichnet und machte aus dem Schloss bei Glienicke 1832 ein Waisenhaus.

1859 ließ Prinz Carl von Preußen, der das Schloss Glienicke bewohnte, das Jagdschloss vom Hofarchitekten Ferdinand von Arnim nach französischem Vorbild barock überformen. Der Prinz hatte das Haus für seinen Sohn Friedrich Karl erworben. In dieser Zeit gestaltete der Hofgärtner Peter Josef Lenné auch den Park um das Jagdschloss. 1889 wurde der Mittelbau nach Entwürfen des Architekten Albert Geyer aufgestockt und der Turm angebaut.

Das Jagdschloss Glienicke nach 1919

Nach 1919 setzte ein Verfall der Schlossanlage ein. Erst 1939 konnte die Stadt das Jagdschloss zusammen mit den Resten des Parks Glienicke erwerben. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil des Fundus der Ufa aus dem nahen Babelsberg in das Jagdschloss ausgelagert. Nach dem Krieg wurde es zur Notunterkunft für etliche Familien, die wegen der Potsdamer Konferenz ihre Wohnungen in Babelsberg räumen mussten. Später setzte sich der damalige Oberbürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, für die Instandsetzung des Jagdschlosses an der Grenze zu Potsdam ein. Dann wurde das Jagdschloss zur Jugendherberge.

Mit dem Bau der Mauer wurde der Schlosspark von seinem Umland getrennt und war nur noch von der Königstraße aus zugänglich.1963/64 wurde das Schloss durch den Architekten Max Taut zu einer Jugendbegegnungsstätte umgebaut.

Derzeitige Nutzung des Jagdschlosses Glienicke

2003 übernahm die Sozialpädagogische Fortbildung des Landes Berlin das Schloss als Bildungsstätte. Im März 2003 brannte es im Südflügel des Schlosses. Der Brand blieb lange unbemerkt und die Löschwasserversorgung war mangelhaft. Daher kam es zu einer erheblichen Beschädigung der gesamten Anlage. Der denkmalgerechte Wiederaufbau begann im November 2005. Seit 2007 wird das Jagdschloss Glienicke als Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) genutzt. Im August 2008 wurde das von Max Taut erbaute Küchengebäude abgetragen.

Am Schlosspark vorbei zieht sich der Berliner Mauerweg, Der lässt sich durch den Park ein wenig verkürzen. Der größte Teil des Geländes um das Jagdschloss Glienicke ist als öffentlicher Park jederzeit von Klein-Glienicke oder von Wannsee aus für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit den Schwingtoren im Verlauf des Weges wird versucht, den Wildschweinen den Zugang in den Park etwas zu erschweren.

Anfahrt zum Jagdschloss Glienicke

Mit dem Auto von Berlin oder Potsdam der Bundesstraße 1 folgen. An der nicht zu übersehenden Glienicker Brücke liegt das Jagdschloss Glienicke auf der Berliner Seite der Havel. Von Berlin aus ist der Zugang zum Park auf der linken Straßenseite oder unter der Glienicker Brücke.

Fahrradfahrer erreichen das Jagdschloss Glienicke auf ruhigen Wegen entlang des Havelufers sowohl von Potsdam und Babelsberg als auch vom Berliner Bahnhof Wannsee. Der Berliner Mauerweg ab Griebnitzsee oder Wannsee kann eine Orientierung bieten.

Die Potsdamer Tram 93 verbindet die Glienicker Brücke mit dem Potsdamer Hauptbahnhof. In Berlin fährt der Bus 316 ab dem Bahnhof Wannsee bis zum Jagdschloss Glienicke. Der verkehrt häufig nur im Abstand von 40 Minuten.