Jura ist eines der wenigen Fächer, in dem das Bachelor-Master-System bislang nicht umgesetzt wurde. Das Studium besteht aus einem Grund- und einem Hauptstudium und endet mit der ersten Prüfung (früher: erstes Staatsexamen). Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester.

Die Studienreform von 2002: die Einführung von Zwischenprüfungen

Mit der Studienreform im Jahr 2002 wurden neue Elemente in das Jurastudium eingeführt. Seitdem gibt es an allen Rechtsfakultäten in Deutschland Zwischenprüfungen, die in der Regel bis zum Ende des vierten Semesters absolviert werden müssen. Die Anforderungen sind dabei von Universität zu Universität höchst unterschiedlich. Die Universität Kiel etwa verlangt das Bestehen von sechs Klausuren aus den drei Rechtsgebieten Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. An der Universität Hamburg müssen dagegen insgesamt 15 Prüfungsleistungen erbracht werden.

Nach dem Bestehen der Zwischenprüfung bietet sich eine gute Gelegenheit, um ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren.

Das Hauptstudium und das Schwerpunktstudium

Auf das Grundstudium folgt das Hauptstudium, das mit dem Bestehen der „großen Scheine“ abgeschlossen wird (in der Regel jeweils eine Klausur und eine Hausarbeit in den drei Rechtsgebieten Zivilrecht, öffentliches Recht und Strafrecht). Außerdem muss jeder Student einen Studienschwerpunkt, einen sogenannten Schwerpunktbereich wählen, etwa

  • Handels- und Gesellschaftsrecht,
  • Arbeitsrecht,
  • Internationales Privatrecht,
  • Rechtsphilosophie oder Rechtsgeschichte,
  • Medienrecht,
  • Europa- und Völkerrecht,
  • Kriminalwissenschaften (zum Beispiel Kriminologie, Jugendstrafrecht, Sanktionenrecht, Strafvollzugsrecht).
Im Schwerpunktstudium wird auf dem Stoff des Grund- und Hauptstudiums aufgebaut, zum Teil kommen neue Themen hinzu. Da nicht jeder Schwerpunktbereich von jeder Fakultät angeboten wird, lohnt es sich, bei der Wahl der Universität genauer hinzusehen.

Weiterhin müssen während des Studiums Praktika von insgesamt drei Monaten Länge, ein Fremdsprachen- und ein Schlüsselqualifikationsschein (etwa in Rhetorik, Mediation oder Vertragsgestaltung) absolviert werden.

Das dicke Ende kommt zum Schluss: die erste Prüfung

Anders als in Bachelor- oder Masterstudiengängen kommt im Jurastudium die entscheidende Prüfung erst am Ende des Studiums. Die Noten im Studium sind für die Prüfungsnote unerheblich. Mit der Reform des Jurastudiums wurde das Staatsexamen abgeschafft und durch die „erste Prüfung“ ersetzt. Während früher das gesamte Examen vom jeweiligen staatlichen Justizprüfungsamt (JPA) abgenommen wurde, besteht die Prüfung nun aus zwei Teilen: einem universitären und einem staatlichen Teil.

Der universitäre Teil der ersten Prüfung besteht in der Regel aus einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit, einer Klausur und einer mündlichen Prüfung im gewählten Schwerpunktbereich. Aber auch hier gibt es von Universität zu Universität große Unterschiede. Die Note aus der universitären Prüfung geht zu 30 Prozent in die Gesamtnote ein.

Die Noten des staatlichen Teils der ersten Prüfung machen 70 Prozent der Gesamtnote aus. Die sogenannte Pflichtfachprüfung besteht aus mehreren fünfstündigen Klausuren und mündlichen Prüfungen zum Kernstoff der drei Rechtsgebiete Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht.

Ein sogenanntes Prädikatsexamen ab der Note „vollbefriedigend“ (die Rechtswissenschaften haben ein eigenes Notensystem), ist dabei das Nonplusultra. Tatsächlich erreichen aber nur rund 15 Prozent der Absolventen ein solches Ergebnis. Die Noten „sehr gut“ und „gut“ werden noch seltener vergeben. Viele Absolventen müssen sich mit einer Vier zufrieden geben. Dies liegt an der Benotung im Fach Rechtswissenschaften, die – sowohl im Studium als auch im Examen – traditionell äußerst streng ist. Eine Studie des Wissenschaftsrates von 2007 zeigt, dass im Jurastudium im Vergleich zu anderen Studiengängen mit Abstand die schlechtesten Noten vergeben werden. Trotz allem ist auch das Jurastudium zu schaffen!

Die meisten Studenten besuchen zur Vorbereitung auf die Pflichtfachprüfung ein kommerzielles Repetitorium. Hier wird der gesamte examensrelevante Stoff in der Regel innerhalb eines Jahres wiederholt. Die Pflichtfachprüfung kann einmal wiederholt werden. Wer sich frühzeitig zum Examen meldet, erhält zusätzlich einen sogenannten Freischuss. Fällt der Prüfling durch, wird der "Freischuss" nicht gezählt und es bleiben weiterhin zwei Versuche.

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