In der japanischen Wirtschaft praktiziert man bereits seit Ende des Zweiten Weltkrieges das Prinzip des Kaizen, was ein Weg zur Prozessoptimierung ist. Hier steht nicht das Endergebnis im Vordergrund, sondern der Entwicklungsweg, der einer kontinuierlichen Verbesserung unterzogen wird, ein Prozess, in dem alle daran mitwirkenden Mitarbeiter einbezogen sind. Die Silbe Kai steht hier für den Wandel oder den Veränderungsprozess, Zen für das bessere Ergebnis. Zusammengenommen könnte Kaizen mit Veränderung zum Besseren übersetzt werden.

Kaizen als Lebensprinzip am Beispiel der gehobenen Küche

Betrachtet man Kaizen einmal losgelöst von Wirtschaftsprozessen und integriert dieses Prinzip in den ganz normalen Lebensalltag, sieht man sehr schnell, dass dieses Prinzip auch im Alltag wunderbar funktioniert. Auf diese Art und Weise sind manche Kochrezepte der bekanntesten Starköche entstanden. Man muss nicht denken, ein Jamie Oliver oder Johann Lafer bekämen alle ihre Starrezepte per Initialzündung. Das mag auf manche Küchenideen zutreffen, aber in der Regel ist es so, dass ein Koch seine Rezepte kontinuierlich weiter entwickelt und verbessert, bis am Ende Perfektion erreicht wird. Das zeichnet einen Starkoch aus und das schmeckt der feine Gaumen auch. Gerade in der Küche sind die Unterschiede nicht groß, sondern fein. Zwischen Durchschnitt und göttlicher Perfektion liegen in der gehobenen Gastronomie manches Mal nur leichte Nuancen. So wie ein Koch seine Rezepte verbessert, lässt sich auch der Lebensalltag immer zum Besseren wenden.

Wege zu mehr Lebensqualität statt Sorgen und Unzufriedenheit

Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrem Leben. Im Alltag läuft manches schief und beruflicher wie privater Stress, mangelnde Zeit für sich selbst und die Sorgen um den Arbeitsplatzerhalt können dazu beitragen, an Burnout oder Depressionen zu erkranken. Doch auch wer nicht sofort von so drastischen Folgen betroffen ist, fühlt hin und wieder Sorgen und Unzufriedenheit im Leben. Wie die japanische Wirtschaft und gute Kochrezepte lässt sich auch der Lebensalltag ständig verbessern. Kaizen ist nämlich nichts anderes als ein Zusammenspiel von Analyse und Handlung. Immer wieder kann man in seinem Leben kurz innehalten und eine Bestandsanalyse vornehmen. Dabei sieht man, wo man gerade steht. Wenn man den derzeitigen Standpunkt noch mit dem Ziel abgleicht, wohin man gelangen möchte, dann weiß man, was zu tun ist. Soweit ist das nichts Neues und wird in so ziemlich allen Lebenshilfe-Ratgebern empfohlen. Man bekommt unisono den Rat sich zu fragen „Wo stehe ich und wo will ich hin?“, um dann dementsprechend vorzugehen. Kaizen kommt erst dann ins Spiel, wenn man erkennt, dass es nicht ausreicht, eine Ist-Analyse des Lebens vorzunehmen und ein klares Ziel zu definieren.

Kaizen als aktiver Lebensoptimierungsprozess

Wer sich lediglich Ziele im Leben setzt, der kennt seinen Ausgangspunkt und den Endpunkt, wo er hinwill. Was dazwischen liegt, bleibt ihm verborgen. Und je nach Zielsetzung kann es vorkommen, dass ungeplante Zwischenfälle den direkten Weg zum Ziel verbauen und Umwege einleiten. Das wiederum kann zu Resignation und im schlimmsten Falle zur Aufgabe des Zieles führen. Kaizen beschäftigt sich mit dem Weg dazwischen. Kaizen schließt unvorhergesehene Zwischenfälle als normale Vorkommnisse des Lebens mit ein und zwingt zum Überdenken des Weges. Wenn der eine Weg zum Ziel verbaut ist, muss eben ein neuer gefunden werden, auch wenn er Umwege einschließt. Das ist wie bei einem Navigationsgerät für das Auto. Man gibt einen Endpunkt ein, wo man ankommen möchte, das Navigationsgerät errechnet den direkten Weg dorthin. Treten nun aber unvorhergesehene Hindernisse auf dem Weg auf, wie zum Beispiel Stau, bietet das Navigationsgerät die Möglichkeit zur Umleitung an, auch wenn dies den Weg verlängert. Kein Navigationsgerät der Welt würde dem Autofahrer mitteilen: „Hier ist Stau, wir kommen nicht weiter, geben Sie Ihr Ziel auf.“

Mit dem Kaizen-Prinzip zu mehr Lebensfreude

Da nun bekannt ist, dass ein Ziel alleine noch keine Lebensfreude verspricht, sondern dass das Leben Veränderungen unterliegt, muss man sich fragen, ob man sich von den Unvorhergesehenheiten versklaven lassen will, oder ob man aktiv in seinen Lebensprozess eingreift nach dem Kaizen-Prinzip. Wenn es zu Unregelmäßigkeiten im Lebensprozess kommt, muss das nicht das Ende des Zieltraumes bedeuten. Wie die Beteiligten in der japanischen Wirtschaft kann nach Lösungen gesucht werden. Auch können Lebensprozesse ständig verbessert werden, zum Beispiel durch private Fort- und Weiterbildung, durch eine gesündere oder sportlichere Lebensweise, durch verbessertes Zeitmanagement, wie auch immer. Jeden Tag kann man sein Leben überdenken und sich fragen, ob wirklich alles optimal läuft, oder ob es Bereiche gibt, die sich noch verbessern lassen. Und durch stete kleine Verbesserungen gelangt man mehr und mehr zu dauerhafter Lebensfreude. Lebensfreude wiederum ist die Basis dafür, Glück zu erfahren, besser gesagt immer wiederkehrende Glücksmomente. Man kann im Leben vieles lernen. Die Japaner zeigen, wie sich alles jeden Tag ein bisschen besser machen lässt durch das Kaizen-Prinzip. Und was für die Autoproduktion gut ist, lässt sich auch auf das Leben anwenden. Es gibt nur das eine Leben, deshalb ist Verbesserung gut, um diese Welt am Ende zufriedener und glücklicher zu verlassen, als sie anfangs betreten wurde.