Wie bekommt man einen ganzen Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität in Jena voll mit aufmerksamen Zuhörern und noch gespannteren Zuschauern? Ganz einfach - man funktioniert ihn zum Kino um.
Genau das hat das Team von "Hörsaalkino" am Dienstag, den 12. April 2011, auf dem Ernst-Abbe-Campus gemacht. Mit überragender Resonanz: der für 450 Personen ausgelegte Raum war beinahe bis auf den letzten Platz belegt, als Julia Roberts an diesem Abend in “Eat, Pray, Love” aß, betet und liebte.
Wachsende Begeisterung bei den Jenaer Studenten
Dabei entführte sie den Zuschauer nach Rom, Indien und Bali, um dort schließlich ihr großes Glück zu finden. Dass das Publikum vorrangig aus Frauen bestand, bleibt aufgrund der Filmthematik verständlich. Überraschend war jedoch selbst für die Organisatoren die ungewöhnlich große Zahl der Schaulustigen.
Diese steigt seit Beginn des Hörsaalkinos, das von Studenten der FSU und der Fachhochschule Jena getragen wird, beständig an. Welcher Student ist schließlich nicht begeistert, wenn er für einen kaum erwähnenswerten Preis aktuelle Filme bestaunen darf, die teilweise noch in den großen Kinos wie CineStar und Kinopolis auf dem Programm stehen?
Ein Abend voller Vorteile: niedrige Eintrittspreise und witzige Verlosungen
Der geringe Eintritt beläuft sich auf zwei Euro zu Beginn des Semesters, an dem man gleich die “Clubkarte” erhält, mit der einen das Kinovergnügen anschließend noch 50 Cent weniger kostet. Selbst diese absolut studentenfreundlichen Preise halten das Hörsaalkino-Team jedoch nicht davon ab, Frei- und Partnerkarten zu verteilen.
Darüber hinaus heitern die Organisatoren die Stimmung gleich zu Beginn mit interessanten Verlosungen auf, bei denen es vergangenen Dienstag eine Freikarte für das Jenaer CineStar, eine Tageskarte für das Fitnessstudio Mammut und eine Pizza zu gewinnen gab.
Leider gibt es doch einige kleine Defizite im Vergleich zum “richtigen” Kino
Natürlich existieren auf der anderen Seite einige technische Einschränkungen, die nicht ganz mit dem Kino mithalten können: “Eat, Pray, Love” wurde so auf zwei nebeneinander aufgebauten, kleineren Bildschirmen präsentiert, wodurch die farbenprächtigen Bilder des Streifens leider etwas von ihrer Leuchtkraft verloren. Auch die Tontechnik ist zweifellos nicht mit dem Soundsystem eines Filmtheaters zu vergleichen. Stellenweise waren Passagen nur schwer zu verstehen, wohingegen der Vorspann in überwältigender Lautstärke auf das Publikum einstürzte. Allerdings, so betonten die Organisatoren, stünden bei den Veranstaltungen an der Fachhochschule in dieser Beziehung bessere technische Möglichkeiten zur Verfügung.
Was unbezahlbar und einmalig bleibt: die Atmosphäre
Dem entgegenzusetzen ist die fantastische Stimmung, die den ganzen Hörsaal vor und nach Filmbeginn erfüllt. 400 Studenten lösen die Anonymität einer ‘normalen’ Kinovorstellung mit weit weniger Menschen in eine offene, aufgekratzte und freundliche Atmosphäre auf. Was noch unglaublicher bei einem solchen Haufen scheint: sogar die Schnattertanten sind ruhig! Im Gegensatz zu manch anderer Filmvorstellung, in die sich zusätzliche Synchronstimmen verirrt haben.
Eine Empfehlung für alle, wenn sie Jena besuchen
Alles in allem kann man dem Team des Hörsaalkinos Jena, das noch nach weiteren filmbegeisterten Organisationsmitgliedern sucht, nur gratulieren und ihre zweiwöchigen Veranstaltungen wärmstens weiterempfehlen.
Da es in einem Hörsaal gewöhnlich keine bequemen Sessel gibt, sei gesagt, dass sich außerdem ein Kissen zum Sitzen sehr empfiehlt. Informationen zum Programm, das dienstags im Hörsaal 2 am Ernst-Abbe-Platz und mittwochs im Hörsaal 5 der FH Jena stattfindet, bekommt man auf der Homepage des Hörsaalkinos.
Ein absolutes Muss für alle, ob Student oder nicht, die Filme lieben, wenig Geld dafür ausgeben wollen oder einfach mal ein vollkommen neues Kinoerlebnis genießen möchten.
