Das Kino war seine Hochschule

DVD mit frühen Filmen von Lutz Dammbeck

Cover DVD Dammbeck - Filmmuseum Potsdam
Cover DVD Dammbeck - Filmmuseum Potsdam
Lutz Dammbeck ist als Künstler mit Malerei und Mediencollagen berühmt geworden. Das Filmmuseum Potsdam hat seine frühen Filme herausgebracht.

Subkultur zu DDR-Zeiten: Zu DDR-Zeiten war er ein Geheimtipp, man reiste nach Leipzig, um sich in der Kunst umzuschauen, aber das Beste war dann nicht die offizielle Messe, sondern die Subkultur. Da spielte der 1948 in Leipzig geborene Lutz Dammbeck eine große Rolle, zeigte seine Animationsfilme und brachte einen Geist in den DDR-Zeitgeist, die dieser so sehr benötigte. Dass das nicht ewig gut gehen konnte, ist aus der Rückschau leicht verständlich, für den Künstler war es sicher nicht so einfach.

Doppel-DVD mit frühen Filmen

Das Filmmuseum Potsdam hat eine Doppel-DVD in der Reihe „edition filmmuseum" veröffentlicht, die frühe Animationsfilme von Lutz Dammbeck versammelt. Der Künstler wohnt heute in Hamburg und zählt zu den international renommiertesten seiner Zunft. Wie getrieben er von dem Wunsch war, Avantgarde zu produzieren und an die frühen experimentellen Filmemacher anzuknüpfen, erzählt er eindrücklich in dem mitgelieferten Bonusmaterial.

Der Mond - ein Film nicht nur für Kinder

Sehen kann man seine ersten Arbeiten: „Der Mond" von 1975, sein erster Film, zeigt deutlich sein Genie. Für Kinder war der Film gedacht, bei dem der Mond auf die Erde kommt und eines der wunderbar gezeichneten Geschöpfe, die nur nachts zum Leben finden, aus den Klauen des egoistischen, aber einsamen Fressers im Inneren eines Gebäudes rettet. Schon darin könnte man eine Metapher auf die damalige Situation in der DDR sehen, aber dieser Film wurde in Annecy auf dem Festival des Animationsfilms in den Wettbewerb gehoben, also durfte Dammbeck weitermachen.

Schneider von Ulm als Abgesang auf die DDR - schon 1979

Also produzierte er seinen „Schneider von Ulm" nach dem gleichnamigen Gedicht von Bertolt Brecht. Die Welt ist grau und wird von einer Art rosa Pudding überzogen, von dem die Menschen auch fressen. Sie liegen auf den Straßen in ihrem rosa Bettchen, es gibt - wohl das Ulmer Münster - eine große Kirche mit Riesenauge und Riesenmund, dem alle gehorchen. Der Schneider aber, der in seinem Turm - in vollkommen gegensätzlicher, an die Renaissance angelegter Form - und Farbästhetik einsam den Traum vom Fliegen träumt, ist von dieser rosa Puddingschicht frei, denn er versucht zu fliegen. Am Ende schweben die Flügelfedern seines prächtigen Fliegapparats auf den verseuchten Boden.

Endlich Konterrevolutionär - Einmart als Skandalon

Aber erst sein an Buñuel und andere Surrealisten, aber auch an westdeutsche Filmemacher wie Alexander Kluge anknüpfender Film mit dem seltsamen Titel „Einmart" von 1981 machte ihn zum „Konterrevolutionär". Doch weiterhin versuchte Dammbeck, und er erzählt es vollkommen ohne die sonst üblichen Emotionen, in der DDR seiner Kunst zu leben.

Ausreise 1986 - auch im Westen unangepasst

In Leipzig fand er dazu vor allem im Kino viele Verbündete, doch 1986 reiste er dann in den Westen. Man muss aber nicht denken, dass er da zum angepassten Künstler mutierte. So hat er 2001 den Film "Das Netz" gedreht, eine Art Road-Movie, die die Verschöwrungstheorien um die Erfinder des Internets belebt und dabei viele Fragen stellt, die auch für die Digital Natives von großer Bedeutung sein könnten. Wer sich die DVD ansieht, erkennt, dass da einer am Werk ist, der seinen eigenen Weg geht. Und der ist höchst unkonvenionell, kunstvoll und birgt die Möglichkeit eines Gesamtkunstwerks. Auf jeden Fall ist ein Künstler zu entdecken, der vielen noch zu Unrecht unbekannt ist.

edition filmmuseum: Lutz Dammbeck: Filme und Mediencollagen 1975-1986,edition filmmuseum, 2 DVDs und 1 Booklet. Hrsg: Filmmuseum Potsdam, 2008

Hanne Landbeck, Hanne Landbeck

Hanne Landbeck - seit 1998 schreibe ich als freie Journalistin hauptsächlich für den Bereich Feuilleton. Mich interessieren kulturelle ...

rss