Das Kloster Strahov in Prag

Kloster Strahov - Patrick-Emil Zörner
Kloster Strahov - Patrick-Emil Zörner
Das Kloster Strahov der Prämonstratenser in Prag hat eine bewegte Geschichte und stellt einen bedeutenden, kulturellen Schatz für Tschechien und Europa dar.

Die Königliche Kanonie der Prämonstratenser vom Strahov ist eines der ältesten Klöster des Ordens der Prämonstratenser in Europa und im Umkehrschluss ebenso in der gesamten Welt. Es befindet sich im tschechischen Prag. Seine Gründung fand im Jahr 1143 statt, zunächst als romanische Basilika aus Holz, deren Kern Stück für Stück mit Stein ausgearbeitet wurde. Die Hauptbegründer für das Kloster waren der Bischof Heinrich Zdik, der sich nach einer Pilgerreise ins heilige Jerusalem 1138 dafür entschloss, und Herzog Vladislav II. von Babenberg. Da sich ein Kloster als wirtschaftliche Einheit verstand, die im Mittelalter eine besondere Rolle einnahm, wurden für die Besiedlung des Klosters Chorherren aus der Eifel ausgewählt, die bereits reichhaltige Erfahrung mit dem Betriebsablauf besaßen. Die Arbeiten an den steinernen Anlagen des Klosters waren bereits 1182 abgeschlossen.

Feuersbrünste, Hussiten und Plünderungen

Das Wissen der Mönche war nun hinter hohen Mauern gut gesichert. Allerdings ist man mit bloßem Wissen auch den einfachsten Naturgewalten zu dieser Zeit nicht gefeit und so brannte die Kirche in einem verheerenden Feuer im Jahre 1258 nieder. Für den Orden erfreulich war wiederum, dass sie innerhalb weniger Jahre wieder aufgebaut werden konnte. Hierbei erhielt die Kirche ein gotisches Gewölbe, ein Querschiff und zwei Seitenkapellen. Im Laufe der Geschichte kam es zu den üblichen Verdächtigen, was Klösterschäden anbelangt. Die Hussiten griffen im Jahr 1420 an und plünderten Strahov. Aber auch die Städter plünderten in der Not die Schätze der Bibliotheken und der Kapellen.

Darauf folgte eine lange Zeit der finanziellen Stagnation, das Kloster lebte fortan lediglich in Subsistenzwirtschaft und führte keinen regen Handel. Bis an das Ende des 16.ten Jahrhunderts, als durch Jan Lohelius Strahov das Kloster spirituell und weltlich neu aufgebaut wurde. Der 1586 gewählte Abt Strahovs baut die Kirche mit einer Doppelturmfassade im Renaissancestil wieder auf, eröffnet Gärten, führt klösterliche Arbeitsgemeinschaften und Handwerksgruppen ein. Zu dieser Zeit leben ungefähr zwölf Brüder im Kloster. Lohelius avanciert 1612 sogar bis zum Erzbischof der Stadt Prag, abgelöst wird er durch Kaspar Questenberg. Dieser schafft es eine Brauerei zu errichten, eine Schule aufzubauen, die Kirche zu erweitern, ein Krankenhaus der hl.Elizabeth wird ebenfalls gebaut und, was am bedeutendsten für das Kloster Strahov sein dürfte, er erwirkte die Überführung der sterblichen Überreste von Norbert von Xanten von Magdeburg aus an diesen Ort. Der heilige Ordensgründer findet bis heute hier seine Ruhe.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg spülte die Schweden hinter die Klostermauern, die es ähnlich wie die Hussiten hielten. Unter Abt Jeroným Hirnhaim wird 1679 die Theologische Halle vollendet, in dieser befinden sich bis heute ausschließlich die religiösen Werke der Klosterbibliothek. Im 18. Jahrhundert wird das Kloster kontinuierlich im Stil des Barock umgebaut und der Österreichische Erbfolgekrieg von 1741 hinterlässt ebenfalls seine Spuren. Durch den Kanonenbeschuss der Belagerungsmacht Frankreich vor Prag wird das Kloster schwer zerstört. Doch nach Ende dieses Scharmützels und des Kriegszustandes wird das Kloster wieder, unter der Berücksichtigung der originalen mittelalterlichen Strukturen, aufgebaut. Die letzte große Änderung der Grundzüge des Klosters finden unter dem Abt Vazlaw Meyer statt, der die Philosophische Halle 1783-1790 nach den Plänen von Ignaz Johann Palliardi ins Leben ruft.

Neueste Geschichte und Gegenwart

In diesem Zustand ist es bis zu den 1950er verblieben, als dass kommunistische Regime die klösterliche Aktivität unterband und man mit tiefgreifenden, archäologischen Arbeiten begann. Während dieser Zeit wurden die romanischen Strukturen teilweise wieder hergestellt. Nach 1989, als die Ordensbrüder den Betrieb wieder aufnehmen konnten, ist das Kloster in ständiger Rekonstruktion begriffen.

Derzeit widmen sich vor allen Dingen die Regierung und zahlreiche Stiftungen dem Erhalt der beiden Lesesäle, in denen ein bedeutender Anteil der tschechischen Handschriften des Mittelalters gelagert ist. Darüber hinaus werden in Galerien des Klosters aktuelle Ausstellungen gezeigt, als auch feste Bestände der Klosterschatzkammern.

Raiko Oldenettel, Till Weber

Raiko Oldenettel - Student der Japanologie und Kunstgeschichte im Magisterstudiengang in Trier. Reisender durch die Welt. Kenner von ulkigen Subgenres. ...

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