
- Damon & Naomi with Ghost - Damon & Naomi with Ghost
Das renommierte Label Drag City geht in die Veröffentlichungsoffensive mit einer Ausgrabung von 1969, einer Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2000 und einem aktuellen Album.
The Howling Hex: Wilson Semiconductors
Starten wir mit der aktuellen Veröffentlichung namens „Wilson Semiconductors“ von The Howling Hex. Im Prinzip ist Neil Michael Hagerty The Howling Hex, denn mit Gesang, Bass, und Gitarre hat er quasi einen Alleingang hingelegt, wäre da nicht der Co-Komponist Mike Signs. Es ist das erste The Howling Hex Album nach dem 2008 erschienenen „Earth Junk“. Auf „Wilson Semiconductors“ wird Art-Rock präsentiert, der für den Hörer eine Herausforderung darstellt. In 33 Minuten werden vier Tracks offeriert, die windschiefe Blues-, Funk- und New-Wave-Elemente ins experimentierfreudige Art-Rock-Konzept einbringen. Hagerty war vormals Gitarrist bei The Royal Trux, deren Anhänger mit diesem Album (das als CD, Vinyl LP und in digitaler Form vorliegt) wahrscheinlich einiges anfangen können.
Damon & Naomi with Ghost: Damon & Naomi with Ghost
Auch schon wieder 12 Jahre ist es her, dass „Damon & Naomi with Ghost“ erschienen ist. Als sich 1991 Galaxie 500 auflösten, gründete Dean Wareham 1992 Luna und Damon Krukowski und Naomi Yang formierten sich als Damon & Naomi. Ihr 2000er Werk „Damon & Naomi with Ghost“ gilt als eine ihrer besten Veröffentlichungen. Hierfür holten sie sich die Ghost-Musiker Masaki Batoh und Michio Kurihara ins Studio, letzterer wurde schließlich ein fester Bestandteil der Formation, sowohl im Studio als auch auf Tour. Mit der Umschreibung psychedelischer Indie-Dream-Folk-Pop ist zwar schon einiges gesagt, dennoch gilt es den ganz besonderen Spirit dieses Albums hervorzuheben. Geisterhafte und schwebende Keyboard-Töne, ätherische Stimmen und das sanft gezupfte Saitenspiel ergeben in der Summe eine geradezu magische Musik. Eine luftige, spacige Atmosphäre wird hier an unsichtbaren Fäden zusammen gesponnen und bringt ein Werk hervor, das jenseits von Zeit und Raum zu existieren scheint. Am Ende von „Damon & Naomi with Ghost“ eignen sie sich Tim Hardins „Eulogy To Lenny Bruce” an. Wer sich das Album als Vinyl LP zulegt kommt noch in den Genuss einer 7“-Single, auf welcher der VU-Klassiker „Femme Fatale“ und „My Flower (Watashi No Hana)“ zu finden sind. In jeglicher Form ein sanfter Trip und ein Ohrenschmaus!
Doug Jerebine: Doug Jerebine Is Jesse Harper
Was wohl noch so alles in den Archiven der Plattenfirmen schlummern mag? Jedes Jahr gibt es Entdeckungen aus allen Jahrzehnten der Popmusikhistorie. Als besonders ertragreich gelten hierbei die 1960er und 1970er Jahre. 1969 war dabei ein ganz besonderes Jahr, in dem Atlantic Records die Bands Cream und Led Zeppelin an vorderster Front aufstellten. Beinahe wäre auch das Album „Doug Jerebine is Jesse Harper“ auf Atlantic Records erschienen. Letztlich zog der legendäre Ahmet Ertegun sein Veröffentlichungsangebot zurück, weil ihm Jerebines Manager Dave Hartstone als nicht vertrauenswürdig erschien. Der Neuseeländer Hartstone hatte seinen Landsmann Doug Jerebine in London kennengelernt und ihn unter seine Fittiche genommen. Auf „Doug Jerebine is Jesse Harper“ sang und spielte Doug Jerebine alle Instrumente außer den Drums selbst ein und wurde schnell als der Gitarrist, der Hendrix am nächsten kam, gehandelt. Der gescheiterte Vertrag, wenig erfolgreiche Gastspiele als Begleitmusiker und Jerebines spirituelle Sehnsucht führten ihn nach Indien, wo er dann auch 40 Jahre lebte. Auf „Doug Jerebine is Jesse Harper“ ist psychedelische Rockmusik zu hören, die tatsächlich dem Gitarrenspiel Jimi Hendrix‘ ziemlich nahe kommt. Elemente des Heavy-Rock treffen auf den Geist des Underground der späten 1960er, der Blues wird durch den psychedelischen Fleischwolf gedreht und der Gesang ist eher Teil des schillernden Klangkaleidoskops denn erzählerisch singender Stimme. Das Ganze ist als Vinyl LP auf dem Label Drag City erschienen. Für die Veröffentlichung hatte das Label Zugang zu einem der drei existierenden Original Azetate. Erfreulich zu hören, dass es Doug Jerebine gut geht und er wieder Gigs spielt und an neuen Aufnahmen arbeitet.
The Howling Hex – Wilson Semiconductors (2011), Damon & Naomi – Damon & Naomi with Ghost (2012), Doug Jerebine – Doug Jerebine is Jesse Harper (2012) alle Drag City / Rough Trade
