
- Die Kapelle des Anwesens - François Maher Presley
Denkt man an Pyramiden, dann denkt man an Ägypten oder den Sudan, ganz sicher nicht an Europa, nicht an Deutschland oder gar Brandenburg im Osten der Republik. Dennoch wird man eines Besseren belehrt. Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) hatte es sich nicht nehmen lassen, in seinem später entstandenen Branitzer Park zwei Pyramiden errichten zu lassen, die nicht nur seiner Ehefrau Lucie von Pückler, geborene von Hardenberg-Reventlow, sondern auch ihm als Grabstätten dienen sollten. Pyramiden inmitten eines Parks in Branitz, bei Cottbus in Brandenburg.
Unesco-Weltkulurerbe in Brandenburg
Im Zeitraum von 1850 bis 1858 errichtete der Fürst erst einmal den Gutshof mit Gutsinspektorenhaus, Ställen, Scheunen und einem Gefängnis. Von hieraus bewirtschaftete er seine Besitztümer, um jene wirtschaftliche Basis zu erlangen, die es dem Ökonom ermöglichte, das „Schöne mit dem Nützlichen“ zu verbinden, nämlich die Errichtung eines Gartenkunstwerkes, heute UNESCO-Welterbe.
Die frühen Jahre des Grafen von Pückler-Muskau
Schon als junger Graf und zudem in einem zerrütteten Elternhaus aufwachsend, die Eltern waren keine Wunschpartner, fiel er in Lehranstalten und Schulen derart unangenehm auf, dass er als Störenfried laufend verwiesen wurde. Später kam sein ausufernder Lebensstil hinzu. Der charmante Adelige war zwar überall Mittelpunkt, doch zuletzt konnte selbst der Vater die Schulden des Sohnes nicht mehr bezahlen. Hermann zog es in die weite Welt, nach Wien, wo er in weitere Unannehmlichkeiten verwickelt wurde, von Wien über Augsburg und München nach Ulm. Hier versuchte er sich als Sekretär, verarmt, alles verkauft oder verpfändet, hoch verschuldet. 1808 konnte der Vater den Bettelbriefen des Sohnes nachkommen und beglich dessen Schulden. Diesen zog es aber nicht in ein standesgemäßes Leben, sondern kreuz und quer durch die Schweiz, Frankreich und Italien, von einer Liebschaft zum nächsten Erlebnis und zum gesellschaftlichen Leben und dem Glücksspiel. Zwei Jahre später folgte er dem Ruf des Vaters und zog zurück nach Muskau. Dort hält es ihn nicht lange. Die Schwestern wollen heiraten. Das Gut ist verschuldet. Der Vater schwer krank. Hermann setzt einen Verwalter ein und entschwindet in das Berliner Lotterleben, wo er wieder und wieder Spielschulden aufhäuft.
Mit dem Tod des Vaters 1811 kehrt er als Reichsgraf Hermann von Pückler-Muskau, Baron von Groditz und Erbherr zu Branitz zurück und trägt die Verantwortung für zwei Schlösser, die Stadt Muskau und über 50 Dörfer. Doch der immer so pedantische Vater hinterlässt dem Sohn eine große Unordnung und Schulden, die noch durch die Feldzüge Napoleons, für den der Reichsgraf eigentlich Sympathien regt, vergrößern.
Als deutscher Patriot schließt er sich jedoch Preußen und Russland an, wird Generaladjutant des Großherzogs Karl August von Weimar und Verbindungsoffizier zum Zaren Alexander und wird als Begleiter des Zaren und des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. in London zur Siegesparade zum Oberstleutnant befördert, bevor er seinen Abschied nimmt und in London bleibend sich dem schönen Leben eines Gentlemans hingibt. Die heimatlichen Güter stehen vor dem Bankrott und seine Heimkehr - leider ohne einer reichen englischen Adelstochter an seiner Seite - verlagert seine Eskapaden nur von London nach Berlin. Noch immer hatte Hermann seine Berufung nicht gefunden.
Im Oktober 1817 heiratete der so begehrte und aparte Lebemann zur allgemeinen Irritation die gerade geschiedene und bald 10 Jahre ältere Lucie Reichsgräfin von Pappenheim, Tochter des Reichskanzlers Fürst von Hardenberg, dem mächtigsten Mann des Reiches nach dem König. Ein gelungener Zug, denn die Gute ist nicht nur vermögend, teilt nicht nur seine Leidenschaft für Gartenbau, sondern lässt ihm neben all seinen Seitensprüngen auch jene mit ihrer Tochter und der Pflegetochter durchgehen. Lucie vergibt alles, erfüllt sie doch mehr die Eigenschaften einer Seelenverwandten, einer Freundin fürs Leben. Umgekehrt gewann sie den so sehr begehrten Junggesellen gegen alle Widrigkeiten in Form vieler junger Konkurrentinnen. Mehr als alles andere verbindet die Eheleute jedoch die Ansicht, dass Geld nur dazu dient, ausgegeben zu werden und so geschieht es dann auch, denn die prächtigen Gärten verschlingen große Summe, zuletzt das Vermögen und Hermann muss sich einen gut bezahlten Job suchen. Schwiegervater Hardenberg hilft und zudem auch dabei, den Grafen zum Fürsten zu erheben.
Die wirtschaftlichen Missgeschicke des Mitgiftjägers
Dennoch wachsen die Schulden auf eine halbe Million Taler, eine unvorstellbar hohe Summe und der Tod Hardenbergs offenbart, dass seine Tochter vom Erbe völlig ausgeschlossen ist. Mag es in der Liebe für den Fürsten auch immer gut gelaufen sein, seine kaufmännischen Ambitionen waren vom Pech verfolgt. Mit einer List gelingt es dem Paar, den König zur Zustimmung zu einer fürstlichen Scheidung zu gewinnen, damit Hermann – nun wieder als Mitgiftjäger – retten kann, was zu retten ist. Und obwohl diese Unternehmung nicht gelingt, gewinnen beide durch eine weitere List einen finanziellen Spielraum: Lucie veröffentlicht die vielen Briefe von Hermann als Erlebnisberichte eines Verstorbenen, der bald schon als Hermann identifiziert wird und dessen Bücher ein Renner werden, Bestseller eben. Es folgen Affären mit namhaften Damen der Zeit und es schließen sich Reisen durch einige arabische Länder, durch Griechenland und Kleinasien an, alle schriftstellerisch verarbeitet. Dann kauft Hermann in Äthiopien eine 14jährige Sklavin frei, die ihn während einer schweren Fieberkrankheit in Ägypten gepflegt hatte. Machbuba, so der Name der Schönen, wird seine letzte große Liebe, die bereits im Oktober 1840 in Muskau in seiner Abwesenheit verstirbt, damals vermutet „an Auszehrung“, heute würden wir sagen an Einsamkeit und gebrochenem Herzen.
Ein teurer Traum wird wahr
Hermann fühlt sich als Versager und er und Lucie beschließen, die Güter zu verkaufen, sich zu entschulden und in Branitz bei Cottbus, einer trostlosen Gegend zu leben. Hier nun entsteht in den folgenden Jahren eine der schönsten europäischen Gartenlandschaften, deren Vollendung allerdings beide nicht mehr erleben. Lucie verstirbt 1854, er 1871. Bis dahin jedoch lebte er einem arabischen Fürsten gleich in seinen mit Kunstobjekten aus aller Welt dekoriertem Schloss, das heute noch zu besichtigen ist, als ein gerngesehener Mann von Welt, der immer etwas Interessantes zu berichten hatte.
Ein großartiges, spannendes und erfülltes Leben, das man in den Parkanlagen und selbst in den gut erhaltenem Schloss spürt, von dessen Ambiente man ein wenig in die Zeit der großen Adelsgeschlechter und europäischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts entführt wird. Hollywood in der ostdeutschen Provinz.
Quellen:
