
- Standbild Friedrich Wilhelm III. in Merseburg - Statue: Louis Tuaillon, Foto: H. Rossa
Friedrich Wilhelm III. bestieg 1797 inmitten der Eroberungszüge Napoleons den preußischen Thron. Er wird sehr unterschiedlich beurteilt. So war er ein besonderer Fechter für Sitte und Anstand. Die nach seiner Sicht wohl unsittlichen Amouren seines Vater Friedrich Wilhelm II. und am Hofe eingerissenen lockeren Sitten verabscheute er.
In der größten Not des preußischen Staates ließ er diesen Staat widerwillig an Haupt und Gliedern reformieren. Nach den Befreiungskriegen stand er dann fest auf der Seite der auf ihr Gottesgnadentum bestehenden erzkonservativen Herrscher Österreichs und Russlands.
Kindheit und Jugend
Friedrich Wilhelm kam am 3. August 1770 in Potsdam zur Welt. Seine Eltern waren der preußische König Friedrich Wilhelm II. und dessen Gattin Friederike von Hessen-Darmstadt. Er galt als schüchtern und zurückhaltend. Durch eine besonders wortkarge Art der Rede zeichnete er sich aus.
Eheschließung mit Luise von Mecklenburg-Strelitz
Am 24. Dezember 1793 heirateten der Kronprinz Friedrich Wilhelm und Luise von Mecklenburg-Strelitz. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor. Das Paar lebte im Kronprinzenpalais Unter den Linden in Berlin und führte ein Leben mit eher bürgerlichem Zuschnitt. Diesen vergleichsweise bescheidenen Lebensstil behielt Friedrich Wilhelm auch nach seiner Krönung zum preußischen König am 16. November 1797 weitgehend bei.
So ließ er im Januar 1797 das Gut Paretz, rund 17 km nordwestlich von Potsdam, kaufen. Das Herrenhaus ließ er durch den Baumeister David Gilly zu einem kleinen Schloss erweitern. Darüber hinaus lies er das ganze Dorf zu einem Musterdorf ausbauen. Ein weiteres Refugium des königlichen Paares war die Pfaueninsel, die von Peter Josef Lenne umgestaltet wurde.
Preußen steht vor dem Untergang
Nach der Niederlage von Jena und Auerstädt am 14. Oktober 1806 musste der König nach Memel fliehen. Im Frieden von Tilsit vom 7. Juli 1807 verlor Preußen große Teile seines Staatsgebietes. Am 19. Juli 1810 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Seine Gemahlin Luise starb während eines Besuches ihrer Eltern in Hohenzieritz.
In der Staatskrise seines Königreiches ließ Friedrich Wilhelm III. zögerlich grundlegende Reformen zu. Er mobilisierte auch über die Religion die Bevölkerung Preußens für den Kampf gegen den Feind Napoleon. Vor allem aber wurde das Heldentum im Krieg überhöht und die Stiftung des Eisernen Kreuzes besonders herausgestrichen. Dies führte zu einer neuen Handlungsfähigkeit Preußens und zur Beteiligung an den Befreiungskriegen, bei der Preußen dann auf der Seite der Sieger über Napoleon stand.
Aufstieg nach den Befreiungskriegen
Die 1807 verlorenen Gebiete kamen nach dem Wiener Kongress von 1815 wieder zurück. Und Preußen erhielt obendrein große Gebiete ehemaliger kirchlicher Herrschaftsgebiete und etwa die Hälfte des Gebietes des Königreiches Sachsen. Damit war Friedrich Wilhelm III. wieder König von Gottes Gnaden über eine europäische Großmacht.
Preußen war bis 1806 weitgehend protestantisch. Mit der Eingliederung des Rheinlandes und Westfalens stieg der Anteil der Katholiken unter dem König und Oberhaupt der Protestanten schlagartig an. In der Folge kam es zum Kölner Kirchenstreit, der seinen Höhepunkt 1837 erreichte. Da kam es in Münster zu Tumulten zwischen katholischen Bürgern und preußischer Staatsmacht. Diese Konflikte setzten sich noch, wenn auch teilweise unter anderen Vorzeichen, als Kulturkampf bis in das Deutsche Kaiserreich fort. Auch unter den Protestanten kam es zu Unruhe. Denn 1817 vereinte der König Friedrich Wilhelm III. die lutherische und reformierte Kirche in Preußen zur „Union“. Die daraus entstehenden Spannungen führten zur Entstehung neuer Kirchen wie den Altlutheranern und zum so genannten Agendenstreit.
Die Restauration in der Heiligen Allianz
Es zerschlugen sich die Hoffnungen, dass der König Friedrich Wilhelm III. nach den Befreiungskriegen Preußen auf dem Weg zu bürgerlichen Reformen voranbringen könnte. Der König verfolgte nun, auch unter dem Einfluss des österreichischen Kanzlers Fürst von Metternich, in der heiligen Allianz mit Russland und Österreich eine Politik der Restauration des Königtums und des Adels. Die Pressezensur ließ er errichten und die Universitäten, von denen er selbst 3 in Berlin, Breslau und Bonn gründete, überwachen. Sein Versprechen von 1810, eine neue Verfassung für Preußen zu schaffen, wurde 1821 auf unbestimmte Zeit vertagt.
Dafür wurde nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819 die so genannte Demagogenverfolgung gestartet. Vor allem Liberale, wie beispielsweise der Turnvater Jahn, wurden verfolgt und inhaftiert. Am 5. Juni 1823 wurden die Provinzialstände berufen, die das Volk nicht repräsentieren konnten. Die Unruhen nach der Julirevolution von 1830 in Frankreich bestärkten den König in seiner absolutistischen Tendenz.
Zweite Ehe 1824
1824 gingen Friedrich Wilhelm III und Auguste Gräfin von Harrach eine nicht standesgemäße Ehe ein. Die Gräfin wurde mit der Eheschließung als Fürstin von Liegnitz in den Fürstenstand erhoben. Diese Ehe blieb ohne Nachkommen.
Die Fürstin Liegnitz wurde am Hofe nicht akzeptiert und wurde aus dem offiziellen Protokoll ausgeschlossen. Der König ließ für ihr gemeinsames Leben im Park vom Schloss Charlottenburg von Karl Friedrich Schinkel den Neuen Pavillon bauen.
Tod und Nachfolger
Friedrich Wilhelm III. starb am 7. Juni 1840 in seinem 43. Regierungsjahr. Nur Friedrich II. hat als preußischer König länger regiert. Seine letzte Ruhestätte fand er an der Seite seiner ersten Gattin Luise im Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg. Ihm folgte sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. als preußischer König.
