
- Milo Barus - Lemm Verlag Gera - Lemm Verlag Gera
"Milo Barus, ein Phänomen an Kraft" Zitat aus dem von Uwe Träger und Roland Weise veröffentlichtem Buch "Milo Barus – Der stärkste Mann der Welt". Durch die Zirkuszelte der damaligen Welt, durch die Gefängnisse der unterschiedlichen Epochen, bis hin zum erfüllten Traum, der eigenen Mühle, blieb das Herz vom weltbekannten Kraftatlethen stets am rechten Fleck.
Die gewonnenen Wettkämpfe und Wetten von Emil Bahr
Milo Barus war ein gefragter Kampfathlet, der sich leidenschaftlich gern in der Manege tummelte. Emil Bahr, alias Milo Barus, wurde am 27. Februar 1906 im heutigen Tschechien, in Stará Cervená, geboren. Seine Kindheit verbrachte er mit den Folgen des ersten Weltkrieges und erhielt glücklicherweise eine Lehrstelle in der benachbarten Kunstmühle. Hier bemerkte man erstmals seine ungewöhnlichen Kräfte. Der junge Handwerker ging, wie es damals üblich war, auf Wanderschaft und landete in einer Mühle in Tirol. Auch hier sprach sich sehr schnell sein ungewöhnliches Talent herum und er stellte sich verschiedenen Wettkämpfen und Wetten.
Ehrung mit Goldenem Gürtel abgelehnt
Zurück in der Heimat nahm er neben seiner Beschäftigung im Schamottwerk die sportlichen Übungen erneut auf und diese Karriere nahm ihren Lauf. Mr. Robinson, ein englischer Berufsathlet und künftige Manager von Emil Bahr witterte Profit und schloss mit ihm den Vertrag. Es folgten zahlreiche internationale Wettkämpfe. Einer von ihnen stand jedoch unter keinem guten Stern. In Prag trat er gegen den als Rivalen bekannten Ringer Jilla an. Der Kampf endete mit einem Wirbelsäulenbruch von Jilla, mit tödlichen Folgen. Die Ehrung des Siegers mit dem "Goldenen Gürtel"verweigerte Milo Barus.
Er kam zum Militär. Auch hier präsentierte er seine ungewöhnlichen Leistungen. Nach absolvierten Dienst bekam er neben dem Entlassungsschein die Lizenz überreicht, berufsmäßig eine Ringergruppe zu leiten.
Von der Ehrung zum Weltmeister ins Gefängniss nach Deutschland
Im März 1930 trafen sich die stärksten Männer aus sechzehn Ländern in Paris zum Wettstreit. Hier errang Milo Barus den Weltmeistertitel. Der Kraftathlet reiste durch Asien, Afrika und Amerika. Stets überlegte er sich neue Attraktionen. Einmal zog er ein Klavier mit fünf Musikern mit der Kraft seines Gebisses, ein andermal hob einen jungen Elefanten auf ein Podest, stemmte ein Pferd oder später einen Trabant.
In New York wanderte er unfreiwillig durch die Krankenhäuser, nachdem er aufgrund eines Betriebsunfalls alle Zähne verlor. Raus aus der Manege, zurück nach Europa und über den Umweg Tschechoslowakei direkt ins Gefängnis. In Deutschland interessierte man sich für einen gültigen Pass und die Ahnentafel, aber nicht für seinen Weltruf. Seine Aktivitäten in der sozialdemokratischen Bewegung führten ihn 1938 ins Gefängnis. In der Untersuchungshaft in Moabid traf er Ernst Thälmann. Nach sich anschließender Zwangsarbeit musste er seine Heimat verlassen und fuhr Richtung Bayern.
Von Schweden, hinter schwedische Gardinen in Thüringen
Im Zirkus Krone konnte er erneut Zirkusluft atmen. Ein schwedischer Künstleragent holte die Familie Bahr über Flensburg nach Malmö, doch ein halbes Jahr nach deren Ankunft stand der gesamte Zirkus Milo Barus in Flammen und war abgebrannt. Wieder zurück in Deutschland wartete ein erneuter Haftbefehl wegen seiner polizeilichen Tätigkeit gegen Nazigrößen auf ihn. Mit Hilfe eines dänischen Anwaltes konnte dieser jedoch aufgehoben werden. Emil Bahr hatte genug von den Machenschaften der jeweiligen Machthaber. Im Dezember 1952 reiste er nach Thüringen, wo er die nachfolgenden 25 Jahre verbringen sollte. Doch auch hier kam abermals nicht umhin, zunächst ins Gefängnis zu wandern. Auf dem sich anschließenden Weg nach Sonneberg wurde er erneut zwei Tage lang in Gebersdorf, bei Gräfenthal, verhört. In Sonneberg startete er zum zigsten Mal einen Neuanfang. Er bereiste die Orte in der Umgebung und bekam sehr schnell ein Angebot vom Zirkus "Aeros" in Leipzig. Mit seinen Aufführungen war er binnen kürzester Zeit in den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl bekannt.
Erfüllter Traum von der eigenen Mühle bei Weißenborn in Thüringen
In Thüringen verwirklichte Milo Barus seinen Traum. Wenig später, nachdem seine Frau in Stadtroda die Lizenz zum Betreiben einer Gaststätte erhielt, bot sich den Bahrs die Gelegenheit, die zum Verkauf stehende Meuschkensmühle bei Weißenborn zu erwerben. Emil Bahro kam so zu seiner eigenen Mühle. Die Gaststätte war schnell ein beliebtes Ausflugsziel, in dem Milo Barus weiterhin seine kraftvollen Scherze forcierte.
Doch bereits im Alter von 57 Jahren litt er an Herzattacken. Auf Anraten der Ärzte zogen die Bahrs erneut nach Bayern. Bevor er am 1. Oktober 1977 in einem Krankenhaus in Bayern starb, verbrachte der einstig weltbekannte Athlet die letzten Lebensjahre im Rollstuhl.
Das Buch kann auch im Alfred Brehm Museum in Renthendorf erworben werden, 22 km von Weißendorf entfernt.
Quelle: Milo Barus – Der stärkste Mann der Welt, Uwe Träger, Roland Weise, Verlag Erhard Lemm Gera, gebunden, 9,95 €, 64 Seiten
