
- Paddelparadies - Barbara Langrehr
Von Bayern beziehungsweise München aus ist es gut erreichbar über Garmisch Richtung Fernpass nach Reutte und von da aus weiter nach Forchach. Von hier ab bis Steeg werden Sie vergeblich nach riesigen Sporthotels und imposanten Ferienanlagen suchen.
Ferien pur
Selbst ohne eigenes Fahrzeug ist Mobilität kein Thema: Das öffentliche Nahverkehrnetz ist passabel. Mountainbiker kommen ebenso auf ihre Kosten wie Gipfelstürmer. Für viele Besucher ist das Schönste am Lechtal die Vielzahl der gemächlichen Wander- und Radwege: Man kann es sich aussuchen, wie viel Steigung pro Tag man bewältigen möchte, ohne Langeweile oder lange Anläufe zu riskieren. Im Winter locken dazu noch Langlaufloipen.
Gästehäuser, kleinere Hotels, Ferienwohnung und Pensionen sind reichlich zu finden. Es gibt allerdings nur einen Campingplatz – direkt am Lech, sehr gepflegt, bei gutem Wetter aber auch sehr gefragt. Wer hier landet, weiß es schon oder erfährt es jetzt: Außer einem Raftingunternehmen ein paar Hausnummern und einen Kilometer weiter den Lech entlang gibt es noch einen Raftführer direkt vor Ort, inklusive Transferservice. Der Lech ist nämlich ein kleines Paddlerparadies und auch für Paddelanfänger ein fairer Fluss: Schön und temperamentvoll, ohne je langweilig zu werden. Ob nun im Einerkajak oder im dicken Raft – vom Fluss aus sieht die Welt stets anders aus. Das weite, freundliche Tal erlebt man hier ohne Auto- und Motorradlärm, der Blick zurück fällt auf Berge, die fast bis zum Gipfel hinauf begrünt sind, abgesehen von Schneeflecken, die sich hier oft bis in den Hochsommer halten. Zwischen Stanzach und Forchach öffnen sich die Lechauen zu einer wilden Eiszeitlandschaft mit Kiesbänken zwischen verzweigten Flussarmen.
Unbegrenzt Wandern und Natur erleben
Auf 1.100 Metern Höhe etwa, in Hinterhornbach, endet ein Seitental – hier sind die Quartiere naturgemäß ruhig, und von hier aus zu wandern würde allein wohl mehr als eine Urlaubswoche füllen. Nicht alle der steilen Wiesen können von den ansässigen Bauern gemäht werden. In der Folge trifft man hier schon im Frühjahr eine unglaubliche Vielfalt an Gräsern, Kräutern und Blumen an. Am Ende des stillen Madautales lockt eine bewirtschaftete Alm zur Brotzeit, und zahllose andere Touren von unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad bieten sich an. Größere „Völkerwanderungen“ trifft man kaum, der Besucherstrom verteilt sich, und viele Wanderungen sind geradezu Geheimtipps. Ruhige Zeitgenossen sollten auf ihrem Weg durch die Wälder und zu den Almen Glück haben beim Beobachten von Wildtieren: Sogar Gams und Steinbock werden gesichtet, aber auch Alpensalamander oder Schwarzspecht oder seltene Pflanzen zu entdecken, macht Freude.
Schutzwürdig
Weite Teile des Lechtals sind Naturschutzgebiet. Bislang wurde daher auch mit Rücksicht gebaut und erschlossen. Die Orte am Fluss haben sich daher viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt. In den weiten Lechauen lässt es sich auch gut spazieren gehen und sonnenbaden: Sie sind eine der letzten Wildflusslandschaften in den Nordalpen und Teil eines europaweiten Naturschutznetzes “Natura 2000″.
Geschichte und Geschichten
Gebäude wie die der Höhensiedlung Pfafflar datieren zurück bis ins 13. Jahrhundert. Ein wenig düster ist die Pestkapelle in Griessau gelegen – es heißt, dass 1633-35 Jahrhundert die Pest auf der rechten Lechseite derart wütete, dass hier die Dörfer fast entvölkert wurden. Eine Stifterin ließ die Kapelle zum Dank für ihre Rettung vor der Krankheit erbauen. Das Leben in früheren Zeiten muss, wie überall in Hochgebirgsregionen, hart gewesen sein für die Lechtaler Bewohner: Die Verdienstmöglichkeiten waren spärlich, die kleinen Höfe gaben wenig her, die Winter waren lang, stets drohte Lawinengefahr. Heute sieht man oberhalb des Ortes Häselgehr eine der größten Lawinenverbauungen Mitteleuropas. Denn noch in den 1950iger Jahren zerstörte eine Lawine hier unter anderem 13 Hektar Wald und bedrohte die umliegenden Gehöfte.
Der Ort Holzgau (1315 erstmals urkundlich erwähnt) war früher der zweite Hauptort des Lechtals – seine Bewohner erwiesen sich als rührige Händler und Geschäftsleute, die es zu Wohlstand brachten, wie sich heute noch an den reich verzierten Fassaden einiger Häuser erkennen lässt. Doch im Gegensatz da dazu mussten zahllose „Schwabenkinder“ vom Lechtal aus in die Fremde wandern, um Lohn und Brot zu finden. In Elbigenalb stoßen Sie unvermeidlich auf Spuren der berühmten „Geierwally“: Hier lebte das Vorbild für die Romanfigur der Autorin Wilhelmine von Hillern. Ein Tip für Regentage: Das Heimatmuseum in Holzgau.
Quellennachweis und Nachschlagemöglichkeit für viele weitere Details zum Lechtal:
Alpic.net und Lechtal.at
Literatur:
- Lechtal. Eine Landschaft und ihre Geschichte, Werner Gamerith, 3. Auflage 2002,
- Lechtaler Alpen alpin, Bergverlag Rudolf Rother GmbH, München, 2008,
- Lechtaler Alpen, 1:25.000, AV - Karte Nr. 3/3
