
- AuPair bedeutet auch Freizeit und Spaß - Lisa-Sprachreisen
Wöchentlich 36 Stunden Kinder hüten, Brei kochen, Wäsche bügeln oder den Kinderwagen durch einen Park schieben, dazwischen noch eine Sprachschule besuchen und Fremdsprachen büffeln. Und dann abends müde ins Bett fallen? Sieht so der Alltag einer jungen Frau aus, die von zu Hause in Deutschland ausgezogen war, um als AuPair das Leben, die große weite Welt und letztendlich auch sich selbst kennen zu lernen? In Frankreich – davon besonders in Paris und Lyon – leben einige tausend junge deutsche Frauen für mindestens ein Jahr als AuPair und kümmern sich primär um die Kinder und den Haushalt betuchter Familien. Der Sachbuch-Autor Michael Kuss schaute hinter die Kulissen und stellte zehn deutschen Mädchen und einer betreuenden Sozialarbeiterin die Frage: „Und wie haltet ihr es mit der Liebe und dem Sex?“
Weltoffene moderne Frauen und keine verklemmten Klosterschülerinnen
Da AuPair-Frauen zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, kann man davon ausgehen, dass die wenigstens von ihnen als Jungfrau nach Paris kommen. Und wenn, dann haben sie ein Jahr Zeit und Gelegenheit, diesen Zustand zu ändern. Zwar kommen einige der jungen Frauen auch aus religiös oder stark konservativ gestrickten Elternhäusern, aber die lassen ihre Kinder seltener nach Paris, sondern bevorzugen brave Gastfamilien in ländlichen Gebieten der Schweiz oder Österreichs, oder sie schicken sie gleich auf behütete Privatschulen. In der Regel sind es weltoffene, moderne, unkomplizierte und neugierige Frauen, die nach London, Paris oder New York gehen Und die möchten nicht nur eine Fremdsprache lernen oder in der Fremde die Unabhängigkeit üben; sie sind auch nicht abgeneigt, die eine oder andere Lebens- und Liebeserfahrung zu sammeln. Zum Abenteuer Leben gehört auch das Abenteuer Liebe und Sexualität.
Mancher deutsch-französische Flirt endet in der Ehe aber auch im Konflikt
Bemerkenswert ist die hohe Anzahl französischer Männer, die sich für das deutsche Frolleinwunder begeistern. Französinnen gelten zwar als sexy, modisch und verführerisch, aber den deutschen Mädchen sagen Franzosen Sparsamkeit, Familiensinn und Organisationstalent nach; was ja für die Familiengründung ein gutes Argument zu sein scheint. Zwar besteht darüber keine genaue Statistik, aber beachtlich viele der jungen deutschen Frauen bleiben bei einem französischen Mann hängen und landen in einer deutsch-französischen Ehe. Deren Kinder werden dann zwei- und dreisprachig erzogen, wenn sie - bei einer Scheidungsrate von etwa 30 Prozent – nicht zum juristischen Spielball zwischen deutschen und französischen Familiengesetzen werden.
Sex im Hotel oder im eigenen Zimmer
Zwar stellt die Gastfamilie der AuPair-Frau in den meisten Fällen ein eigenes Zimmer innerhalb des Hauses zur Verfügung, aber die Wohnung ist – schon wegen der Kinder – für Privatbesuche tabu. Auch deutsche Frauen gehen – wie in Frankreich üblich – für die Liebe ins Hotel. Solche Selbstverständlichkeiten sind weder für das Hotelpersonal noch für die liebesbedürftigen Beteiligten anstößig. Wenn der Flirt am Ufer der Seine, im Bistro oder in einer Theaterpause oder der Augenaufschlag beim Stadtbummel erst einmal Früchte getragen hat, dann findet sich in Frankreich auch ein Weg ins Paradies.
Einsamkeit und Scheitern oder Emanzipation und Persönlichkeit
Etwa jede zehnte junge Deutsche hat im Ausland Probleme mit Kontakten und Integration. Das können arbeitstechnische Probleme innerhalb der Gastfamilie sein, aber auch Erkenntnisse der jungen Frau, dass sie vielleicht zu früh von zu Hause weg und in die Welt gezogen ist. Bei Problemen mit der Gastfamilie – zum Beispiel wegen Verletzung des Arbeitsvertragens – kann die Sozialarbeiterin meist erfolgreich intervenieren. Bei psychologischen Problemen wie Einsamkeit, Liebeskummer oder Heimweh hilft oft nur die Rückreise nach Deutschland. Oft sind die in Deutschland zurückgelassenen Bindungen – zum eifersüchtigen Freund oder zur ängstlichen Familie – größer als der Emanzipationswunsch der jungen AuPair-Frau. Befragt man jedoch zehn Frauen, dann sagen neun von Ihnen: Das AuPair-Jahr im Ausland hat mir etwas gebracht! Beruflich, kulturell und auch bei der Persönlichkeitsentwicklung.
