Wie eroberte das römische Weltreich das alte Germanien? Wie sah der Aufbau seiner Armee aus? Wozu diente der Limes? Wie sah der Alltag der Römer in den germanischen Gebieten aus? Welchen Einfluss auf die spätere Entwicklung Germaniens in Richtung heutiges Deutschland hatte die römische Besatzungszeit? Diejenigen, die diese Fragen interessieren, sei ein Besuch des Limesmuseums in Aalen in Baden-Württemberg ans Herz gelegt.

Limesmuseum ist Teil des Weltkulturerbes der UNESCO

Das Museum gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und befindet sich auf dem Gelände des ehemals größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen. Es beschäftigt sich neben der römischen Besatzungszeit in Germanien und deren Einfluss auf die Entwicklung des Landes auch ausführlich mit dem römischen Alltagsleben.

Die Reise in die große Zeit des römischen Imperiums beginnt mit einem Blick auf die Herrschaftsform des Kaisers und die Götterwelt der alten Römer. Deren Hauptgott war Jupiter, der mit dem griechischen Zeus identisch ist. Dessen Bedeutung für das Alltagsleben zeigt sich unter anderem in einem der wichtigsten Ausstellungsstücke. Die Jupitersäule ist im Eingangsbereich des Museums positioniert und reicht bei rund 6,5 m Höhe bis hinauf in die zweite Etage.

Dort erfährt der Besucher auch die Gründe für den Anspruch der Römer auf den Besitz der Ländereien. Diese gingen den Angaben zufolge einfach davon aus, dass ihre Gesellschaftsform die einzige von den Göttern gewollte war und sämtliche anderen Varianten entweder angeschlossen oder zerstört werden mussten.

Einblick in die römische Armee

Wie die zur Durchsetzung dieses Anspruchs notwendige Armee aussah, steht im Fokus eines weiteren Ausstellungsteils. Die einzelnen Elemente wie Kohorten, Legionen, Reiterei und Fußtruppen sind exakt beschrieben und, in vielen Fällen, auch anhand von Modellen nachgestellt worden. Ein besonders gelungenes Exemplar in Lebensgröße zeigt einen Reitersoldaten mit Pferd und kompletter Ausrüstung.

Neben der Kriegsführung, bei der sie allen anderen Armeen durch eine zu dieser Zeit außergewöhnliche Disziplin überlegen waren, hatten die Angehörigen der Einheiten auch im Frieden zentrale Bedeutung für die eroberten Länder. So gehörten handwerkliche Fähigkeiten für den Bau der Gebäude ebenso zu den Voraussetzungen wie die Einrichtung von Patrouillen und Grenzposten am Limes selbst.

Dieser bildete als Grenzwall die Abgrenzung zum restlichen Teil Germaniens. Er hatte dabei eher die Funktion der Zollstelle als die der Barriere, denn die Kastelle der römischen Besatzer waren so weit voneinander eingerichtet, dass immer wieder Grenzübertritte möglich waren. Ein schematisches Modell des Gebietes ist ebenfalls im Museum zu sehen.

Erst die Besetzung, dann die Kultivierung des Landes

Ein anderer Teil der Räume des Museums beschäftigt sich auch mit den Folgen der römischen Besetzung. So erfährt man, dass nicht nur in Germanien, sondern in allen Fällen, sofort nach der Eroberung mit der Kultivierung des Landes und der Steigerung des Wohlstands begonnen wurde.

Dabei spielten Handwerker wie Tischler oder Fleischer ebenso eine wesentliche Rolle wie der Zuzug von anderen Volksgruppen. Ein interessantes Beispiel für den römischen Alltag zeigt die Herstellung von Ziegeln, die im unteren Bereich des Museums ausführlich dargestellt ist.

Einen guten Abschluss für den Rundgang durch diesen Teil der römisch-deutschen Geschichte bietet das angrenzende Freigelände. Dort sind die bei Grabungen gefundenen Reste des größten Reiterkastells nördlich der Alpen auf einem Rundweg zu besichtigen. Das Stabsgebäude mit dem restaurierten Fahnenheiligtum ist einen Besuch wert.

Aalener Limesmuseum ist Teil eines Netzes aus Ausgrabungsstätten

Das Limesmuseum in Aalen ist das zentrale Element in einer Reihe von Ausgrabungsstätten und Besichtigungsorten, die sich auf das nahegelegene Gebiet rund um die Stadt verteilen. Besucher können dort in den Sommermonaten zum Beispiel die Überreste anderer Kastelle am Limes besichtigen.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ausnahmen sind Heiligabend, der 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 4, und für Kinder und Jugendliche 3 Euro. Die Familienkarte kostet 9,50 Euro.

Ein Audioguide mit zusätzlichen Informationen zu den einzelnen Exponaten ist an der Kasse für 2 Euro erhältlich. Eine kostenlose Führung findet jeweils am ersten Sonntag im Monat statt. Zusätzlich können auf Anfrage weitere Führungen gebucht werden.