Das Loslassen beim traditionellen Bogenschießen

Mit dem richtigen Loslassen der Sehne den Pfeil in das anvisierte Ziel bringen.

Ziel beim traditionellen Bogenschießen ist es, jeden Vorgang fließend und intuitiv ablaufen zu lassen: Das beginnt mit dem Einlegen des Pfeils und dem Aufstellen des Bogens, geht weiter mit dem Ankern und gilt am Ende auch für das Loslassen.

Das Ankern und auch das Loslassen sind sehr wichtig für den Bogenschützen, das anvisierte Ziel zu erreichen und gehören zusammen, obwohl sie von der Bewegung und der Absicht her genau entgegengesetzt wirken: Ankern bedeutet Anspannung beim Halten der Sehne, Innehalten, Konzentration auf das Ziel, Loslassen ist dagegen genau das, was das Wort sagt: „Los“-lassen.

Ankern als Vorbereitung für das Loslassen

Das Ankern ist das Ausziehen und das Halten der Sehne, wobei jeder Bogenschütze seinen eigenen, individuellen Ankerpunkt hat. Während des Ankerns hat der Schütze die Möglichkeit, inne zu halten, sich ganz auf das Ziel zu konzentrieren, unter Umständen noch mal nachzujustieren. Dann, wenn er sich in dieser Position sicher fühlt, lässt er die Sehne los und lässt den Pfeil fliegen.

Das richtige Loslassen des Sehne beeinflusst den Flug des Pfeils

Das Loslassen der Sehne hat großen Einfluss darauf, ob der Pfeil gerade fliegt oder vielleicht ein wenig schräg, wie schnell er fliegt, wie weit und ob er schließlich auch das anvisierte Ziel erreicht. Jede Sekunde, die der Schütze die Sehne zu lange festhält kann das Abfliegen des Pfeils verzögern und somit dessen Flug beeinträchtigen.

Das Loslassen ist im Grunde das Strecken der Finger, die die Sehne halten. Dieses Strecken muss allerdings sehr schnell, explosionsartig erfolgen, streckt der Schütze die Finger zu langsam, behindert er den Weg der Sehne und verzögert somit das Lösen des Pfeils von der Sehne, was sich schließlich auf dessen Flug auswirkt. Bildlich kann man sich vorstellen, dass der Schütze die ganze Energie, die er während des Ankern sammelte, los lässt und sie dem Pfeil mitgibt.

Trockenübung hilft, Bewegung zu verinnerlichen

Der Bogenschütze kann das Loslassen sehr einfach trocken üben: die Hand zu einer Faust schließen und die Finger ganz schnell öffnen. Immer wieder, ohne Unterlass. So gewöhnen sich die Finger an diese schnelle Bewegung, sie wird normal, verinnerlicht und am Ende intuitiv. Wie das Einlegen des Pfeils und das Ankern.

Zeitpunkt für das Loslassen

Den Zeitpunkt für das Loslassen bestimmt das Ankern. Erst wenn der Schütze sicher geankert hat, d.h. er mit der Position, in der er die Sehne ausgezogen hat, zufrieden ist, sollte er loslassen. Ein verfrühtes Loslassen hat denselben Effekt wie ein verspätetes Loslassen: der Pfeil fliegt nicht so weit wie erhofft, er fliegt nicht gerade und trifft so nicht das Ziel. Nach dem Loslassen sollte der Schütze den Bogen nicht sofort absetzen, sondern die Bewegung und den Flug ein wenig „nachhallen“ lassen, dem Pfeil hinterhersehen und die Entspannung genießen.

Nicht nur den Pfeil loslassen

Das Loslassen der Sehne und den Pfeil fliegen lassen kann einfach als Vorgang beim Bogenschießen betrachtet werden, doch darüber hinaus kann es mehr bedeuten: So wie der Pfeil ins anvisierte Ziel fliegt (oder fliegen soll), so schickt der Bogenschütze seine Ängste und Sorgen, aber auch seine Wünsche, Träume, seine Ziele auf den Weg. Während die Sorgen und Ängste ins Nichts fliegen, erreichen die Träume und Wünsche das Ziel – so wie auch der Pfeil.