Das Mainzer Fastnachtsmuseum

170 Jahre Kulturgeschichte der Narren bleiben lebendig

Schwellköpp im Mainzer Fastnachtsmuseum - Mainzer Fastnachtsmuseum
Schwellköpp im Mainzer Fastnachtsmuseum - Mainzer Fastnachtsmuseum
Das größte Volksfest in Mainz ist die Fastnacht. Sie hat in der Neuen Universitätsstraße ein eigenes Museum, das die wechselvolle Geschichte zeigt.

Die organisierte Mainzer Fastnacht lässt sich bis zur Gründung des ersten Mainzer Karnevalvereins im Jahr 1838 zurückverfolgen. Die Fastnacht ist ein Stück Kultur- und Stadtgeschichte, die im Fastnachtsmuseum ein ganzes Jahr lang für Mainzer und für Touristen lebendig bleibt.

Durch die bekannte Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ hat sich die Mainzer Fastnacht bundesweit einen Namen gemacht; die politisch-kabarettistischen Vorträge, Showtänze, Musikdarbietungen und Narreteien sind in ganz Deutschland beliebt. Auch der Mainzer Rosenmontagszug, der ebenfalls im Fernsehen übertragen wird, zieht Jahr für Jahr etwa 500.000 Besuchern und zählt zu den drei größten Rosenmontagszügen in Deutschland.

Das Mainzer Fastnachtsmuseum erinnert an Urgesteine wie Ernst Neger, Rolf Braun, Herbert Bonewitz und Willi Scheu

Im Fastnachtsmuseum finden Besucher Exponate aus der jüngeren Vergangenheit wie auch von den Anfängen der organisierten Fastnacht aus dem 19. Jahrhundert: Orden und Zepter, Kostüme, Gardeuniformen und Narrenkappen in großer Vielfalt und Farbenpracht. Ausgestellt ist auch die Lederschürze von Ernst Neger. Er ist ein Urgestein der Mainzer Fastnacht und wurde als singender Dachdeckermeister deutschlandweit bekannt. 1989 starb er im Alter von 80 Jahren. Die von ihm bei der Fernsehfastnacht interpretierten Lieder gelten bis heute als Inbegriff stimmungsvoller Fastnachtsmusik – vor allem „Heile, heile Gänsje“, „Hier am Rhein geht die Sonne nicht unter“ und das „Humbta-Täterä“.

1955 wurde die erste Fernsehsendung „Mainz, wie es singt und lacht“ von der ARD ausgestrahlt. Neun Jahre später folgte das ZDF mit der „Lachparade" aus Mainz, was zu einer unschönen Konkurrenzsituation der Mainzer Fastnacht führte. Seit 1973 wird die gemeinsame Fastnachtssendung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" im jährlichen Wechsel von ARD und ZDF ausgestrahlt. In diesen 55 Jahren sind den Mainzern und den Fernsehzuschauern im Land noch außer Ernst Neger weitere Originale ans Herz gewachsen, die bis heute unvergessen sind: Frau Babbisch und Frau Struwwelisch, Sitzungspräsident Rolf Braun, Dr. Willi Scheu – der Bajazz mit der Laterne – oder Herbert Bonewitz, der bis heute als Buchautor und gelegentlich noch als Kabarettist aktiv ist.

Das Museum zeigt vergangene Rosenmontagszüge in Filmausschnitten, Fotos und alten Zeichnungen

An sie und viele weitere originelle Akteure erinnert das Fastnachtsmuseum in Dokumenten, Fotos und Filmen. Programme, Liedtexte und Sitzungsprotokolle können hier nachgelesen werden. Die Medientower erlauben den Museumsbesuchern, die ehemaligen Stars der Fernsehsitzungen in Filmausschnitten noch einmal zu hören und zu sehen oder an Rosenmontagszügen früherer Jahrzehnte Jahre teilzunehmen. An die Rosenmontagszüge im 19. Jahrhundert erinnern alte Zeichnungen.

Der erste Rosenmontagszug bewegte sich 1838 durch Mainz und wurde schon nach wenigen Jahren von der Obrigkeit kritisch beäugt und zensiert. In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg wurde der Rosenmontagszug von den Nazis kontrolliert und für Propagandazwecke missbraucht. Auch der „Fastnacht unter dem Hakenkreuz“ ist eine Ausstellung gewidmet. Bedingt durch politische Konflikte und Kriege fiel der Rosenmontagszug immer wieder für einige Jahre aus. Fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der Rosenmontagszug in Mainz eine Renaissance. Charakteristisch für den Zug sind seit 1927 bis heute rund 30 Schwellköpp, große Pappmachéköpfe, die Mainzer Originale wie das Hennesje und das Lisbetche, den Schambes oder den Schnorres zeigen. Etliche Schwellköpp haben bereits Einzug ins Fastnachtsmuseum gehalten.

Schulklassen haben freien Eintritt im Mainzer Fastnachtsmuseum

Seit 2004 hat das Mainzer Fastnachtsmuseum seine Heimat im Proviant-Magazin, einem leerstehenden Militärgebäude zwischen Schillerplatz und Münsterstraße, gefunden. Dafür hat die Stadt Mainz kostenfrei eine Fläche von 420 Quadratmetern zur Verfügung gestellt. 78 Quadratmeter davon entfallen auf das Mainzer Fastnachtsarchiv. Die übrige Fläche steht dem Fastnachtsmuseum zur Verfügung, Das Museum ist in vier ineinander übergehende Gewölbeabschnitte gegliedert, die sich aktuellen Ausstellungen, der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen und der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis heute widmen. Museum und Archiv werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben. Träger des Museums ist der Förderverein Mainzer Fastnachtsmuseum.

Schon mehrfach haben Studenten, Diplomanden und Doktoranden im Museum und im Archiv für Fach- und Diplomarbeiten oder für Dissertationen zur 170-jährigen Geschichte der Mainzer Fastnacht recherchiert. Die Initiatoren des Museums wollen auch ganz besonders Kindern die Fastnacht und ihre Geschichte näherbringen. Schulklassen haben freien Eintritt, müssen sich allerdings telefonisch anmelden. Ansonsten zahlen Kinder bis 14 Jahre 0,50 Euro, Erwachsene 1,50 Euro und Gruppen ab fünf Personen 1,00 Euro pro Person.

Für Kinder gibt es eigene Führungen. Sie können in Schatzkisten wühlen, der Frage nachgehen: „Warum feiern wir eigentlich Fastnacht?“, oder mal probeweise selbst in die Bütt gehen.

Das Fastnachtsmuseum befindet sich im Proviant-Magazin, Neue Universitätsstraße 2, 55116 Mainz, Telefonnummer 06131/1444071 und ist geöffnet von dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Quelle: Fastnachtsmuseum Mainz und Stadtgeschichte Mainz

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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