
- Wer war der Evangelist Markus - Nils Gräfer
Dieser Artikel widmet sich der Herkunft des Evangelisten, seinem Lebensweg und der Schaffung des Evangeliums, in Anbetracht der widrigen Umstände, der damaligen Zeit.
Die Herkunft
Es ist davon auszugehen, dass Markus zum Teil hellenistische Vorfahren oder Lehrer hatte, ebenso wie Aramäische, da seine Redegewandheit in diesen Sprachen weit über einfach zu erlernende Kenntnisse in seinen Originalschriften hinausgehen soll. Hierbei ist sich die Wissenschaft jedoch uneins, ob Markus ein Judenchrist oder ein Heidenchrist war. Was für die Geschichtsforschung von entscheidender Bedeutung ist, da abzuwägen gilt, ob man es mit einem Missionar oder einem Missionierten Christen zu tun hat. Wenn man jedoch Letzteres annimmt wäre es sehr erstaunlich, dass ein Heidenchrist in dieser frühen Phase des christlichen Glaubens ein solch fundamentales Glaubenswerk verfasst und dazu noch enorm bedeutende Kontakte in die Gemeinschaft besitzt. Aus diesem Grund sollte man eher davon ausgehen, dass Markus ein Judenchrist mit Herkunft aus Jerusalem, oder der nahen Umgebung war.
Markus Werk und Leben
Die Nähe des Evangelisten zu Jerusalem erklärt auch die Nähe zu Petrus und Barnabas und seine Bekanntschaft mit Papias von Hierapolis und weitergehend auch sein Wissen in Glaubensfragen, die eher an ein jüdisches Publikum gerichtet sind, als Beispiel die Sabbatfrage. Papias schreibt folgendes zum Evangelisten Markus: „Markus war der Dolmetscher des Petrus und schrieb sorgfältig auf, was er im Gedächtnis behalten hatte.“ Diese Aussage und genannte Bekanntschaften werden von vielen anderen Textpassagen in der Bibel gestützt (Apostelgeschichte 15; Kolosserbrief 4,10; 2. Timotheusbrief 4,11; Philemonbrief des Paulus 1,24 ). Davon ausgehend kann man wiederum vermuten, dass Teile des Markusevangeliums, im Grunde genommen aus der Hand Petrus stammen und lediglich von Markus übersetzt, vielleicht auch verändert und abgeschrieben worden sind. Da Petrus und Paulus, genauso wie Markus zuletzt in Rom waren und sich auch zahlreiche Anhaltspunkte, wie das Umrechnen von Münzwerten ins römische Münzsystem und der Gebrauch von lateinischen Vokabular finden lassen, kann man vermuten, dass das Markusevangelium in Rom verfasst wurde, oder zumindest für ein römisches Publikum bearbeitet wurde. Ein sehr nahes Verhältnis zwischen den beiden Christen Petrus und Markus wird im 1. Petrusbrief deutlich, wo Petrus ihn seinen „Sohn“ nennt, was von vielen auch als Zeichen verstanden wird, dass Petrus den Markus zum Glauben brachte. Im Kolosserbrief wird zudem noch erwähnt, dass Markus der Vetter des Barnabas ist.
Der weitere Lebensweg
Desweiteren kann man Markus aber auch als einen der ersten Missionare bezeichnen, denn in der Apostelgeschichte (Apg 13,4) wird berichtet, dass Markus auf eine Missionsreise mitgenommen wurde, zusammen mit Paulus und Barnabas. Allerdings brach er diese Reise vorzeitig ab, unternahm danach jedoch eine weitere Reise mit Barnabas nach Zypern.
Da man davon ausgeht, dass Paulus, wie auch Petrus im Jahre 64/65 nach Christus ihren Tod in Rom durch das Schwert oder die Kreuzigung fanden, muss man davon ableiten, dass das Markusevangelium nicht sofort aufgeschrieben wurde, sondern vielmehr wie eine Art Zusammenfassung der Geschehnisse aus dem Gedächtnis im Nachhinein enstanden ist. Sonst hätte bei Petrus Tod noch lange nichts von der Zerstörung des Tempels in Jerusalem stehen können, vorrausgesetzt jenes Heiligtum ist wirklich erst 70 nach Christus zerstört worden und es handelt sich hierbei nicht um eine Prophezeiung durch den Evangelisten.
Das vermutliche Todesdatum
Das von der Wissenschaft anerkannte Todesdatum stimmt demnach aber nicht mit der Zerstörung des Tempels überein, da es auf den Zeitraum 62-67 nach Christus geschätzt wird, was wiederum bedeuten würde, dass er schon im Alter von 46 Jahren hätte Tod sein müssen, was unlogisch klingt, im Angesicht seines belegten Märtyrertods aber durchaus nachvollziehbar ist. Daher kann man davon ausgehen, dass der Todeszeitraum einige Jahre später liegt und wahrscheinlich im Bereich von 62-75 nach Christus liegt, da in dieser Zeit das Evangelium geschrieben worden sein kann und es an anderer Stelle heißt, dass Petrus und Paulus vor Markus starben, was dazu geführt hätte, dass Markus keine weiteren Lehren von Petrus in Rom bekam und letzlich Markus alles für die Nachwelt zusammenfasste. Eine andere Theorie besagt allerdings, dass Markus im Jahr 68 nach Christus in Alexandria den Märtyrertod fand, was anhand genannter wissenschaftlicher Thesen allerdings zweifelhaft erscheint, wenngleich die koptische Kirche ihn dadurch als ihren Gründer sieht und wenngleich es auch erwiesen ist, dass Markus eine gewisse Zeit in Alexandria lebte.
Der gesellschaftliche Schnitt im Evangelium
Neben seiner biographischen Daten ist aber die gesellschaftliche Beschaffenheit Israels entscheidend für die Art der Lehren, die man in dem Evangelium von Markus findet. Zum einen muss man sich eine bürgerkriegsartige Situation vorstellen, in der jede Partei versucht die eigenen Ziele ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen und auf der anderen Seite auch die Expansionspläne des römischen Imperiums, dass enormen Druck auf die Städte und Staaten im heutigen Gebiet von Israel, Syrien, Iran, Irak und Ägypten ausübt. Die Bevölkerung lebte in keiner festen Kaste-Gesellschaft und war geprägt durch viel Südeuropäische und Nordafrikanische Nationalitäten. Markus war wahrscheinlich zur Hälfte auch Grieche und gehörte in Jerusalem einer Minorität an, was das Leben nicht unbedingt erleichtert haben dürfte. Dadurch finden sich in seinem Evangelium zahlreiche Andeutungen für unbeirrbare Gefolgschaft, bis in den Tod: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“(Markus 8,34) Oder auch, dass man niemals der Herr eines anderen mit Freude sein solle: „und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“(Markus 10,44/45).
Somit bestätigt sich: Das Markus-Evangelium bildet die Memoiren des Evangelisten und ist nicht nur aus der Hand einer Person entstanden, sondern aus dem fragmentierten Sicht einer größeren Gruppe an Gläubigen.
Quellen:
- Die Bibel
- Epoc.de
- Reformiert-Online.net
- www.neutestamentliches-repetitorium.de
- Das Markusevangelium nach seinem Ursprung und Charakter: nebst einem Anhang von Ferdinand Christian Baur
- Glaubenszeugen.de
