
- Martinstor Freiburg - Norman Oelker
Das Martinstor wurde Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Es war in seiner ursprünglichen Gestaltung ein reiner Zweckbau mit einer Höhe von ca. 22 Metern und innerhalb der Verteidigungsanlage der Freiburger Stadtmauer direkt eingefügt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehrfach umgebaut, diente sogar als Gefängnis. Im Jahr 1901 ging es dann mit dem Tor aber im wahrsten Sinne des Wortes aufwärts.
Das Martinstor in der Vergangenheit
1238 wurde das Tor erstmalig urkundlich erwähnt, und als Porta Sancti Martini bezeichnet. Durch Untersuchungen von Holzbalken der Konstruktion konnte das Alter sogar auf das Jahr 1202 datiert werden. Im Verhältnis zum Schwabentor, dem anderen noch erhaltenen Stadttor von ursprünglich vier Toren, ist das Martinstor das ältere. Im 17. Jahrhundert wurde die stadtzugewandte Seite des Tores mit einem Bild des heiligen St. Martin versehen. Dieses Bild wurde mehrfach erneuert, dann aber 1969 leider entfernt.
Das Martinstor im Umbau
Gegen 1900 waren die das Martinstor umgebenden Häuser fast so hoch wie das Tor selbst. Auch war die Toröffnung für den anwachsenden Verkehr der immer größer werdenden Stadt zu klein geworden. Hinzu kamen Neuerungen im Verkehrswesen wie der Straßenbahnverkehr. Es wurde sogar erwogen, das Tor völlig abzureißen. Zum Glück und auch auf das Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Otto Winterer und nicht zuletzt dank Mitteln aus französischen Reparationszahlungen nach dem Krieg von 1870/71, wurde einer anderen Lösung der Vorzug gegeben. Das Gebäude wurde nach einem Entwurf von Carl Schäfer im Stil des 15. Jahrhunderts auf eine Höhe von 60 Metern gebracht und es wurde neben dem Tor ein Bau mit einem zweiten, größeren Durchgang erstellt.
Das Innenleben des Martinstors
Durch diesen Umbau wandelte sich das Martinstor von einem reinen Zweckbau zu einem eher prächtigen Bauwerk mit 7 Etagen. Auf die ursprünglichen zwei Etagen wurden fünf hinzugesetzt. Ihr Innenleben ist allerdings nicht so bekannt wie das Äußere. Das erste Stockwerk ist das einzige, welches in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Es diente im Mittelalter als Kerker. Über die zweite Etage, welche der ersten ähnelt und dem dritten Stock kommt man in der vierten zum Uhrwerk. Die Erker bilden mit dem Wehrgang die fünfte Ebene. Für Schwindelfreie bietet sich hier ein prächtiger Blick. In der sechsten Etage befindet sich die Glocke. Den Abschluss und die siebte Ebene bildet der Turmhelm.
Das Tor heute
Das Martinstor ist heute eine der Attraktionen für Touristen in Freiburg und einer der Blickfänge in der Innenstadt. Es schließt die Fußgängerzone der Freiburger Innenstadt nach Süden hin ab. Die Kaiser-Joseph-Straße, den großen Einkausboulevard der Stadt, teilt es fast in der Mitte. Am angefügten Torbau befindet sich heute ein Schnellrestaurant einer bekannten Kette. Beim Durchqueren der Torbögen sollte man immer ein Auge auf die hindurchführenden Straßenbahnlinien haben, welche aus der Innenstadt kommen bzw. in sie hineinführen. Auch bei Nacht bietet das Bauwerk durch die beleuchteten Ziffernblätter seiner Uhr einen faszinierenden Anblick.
Wem das Tor im Original nicht genügt, der kann es sich auch als Modell der Firma Faller im Maßstab 1:87 nach Hause holen. Auch hier natürlich im Toranbau mit dem besagten Schnellrestaurant versehen.
