Das Mehrgenerationenhaus – neuer Treffpunkt für Jung und Alt

Jung und Alt zusammen - Claudia Lutterkort
Jung und Alt zusammen - Claudia Lutterkort
Immer mehr Gemeinden, vor allem in ländlichen Gebieten gründen so genannte Mehrgenerationenhäuser, um Jung und Alt unter einem Dach zusammenzubringen.

Die Schaffung von Mehrgenerationenhäusern bietet viele Vorteile. Die Gründe ihrer Errichtung liegen unter anderem in der Überalterung ländlicher Gemeinden und gleichzeitiger Landflucht junger Familien. Diesen Faktoren entgegen zu wirken und stattdessen ein lebenswertes Umfeld zu schaffen, lässt Dörfer und Gemeinden wieder aufleben. Waren sie jahrzehntelang vernachlässigt worden und quasi dem gesellschaftlichen Verfall Preis gegeben, gewinnen sie durch Mehrgenerationenhäuser an Attraktivität für alte und neue Bewohner. In der Zusammenarbeit von Gemeinde, Kirchen und Vereinen sowie Freiwilligenarbeit und Ehrenamt wirkt das Konzept bereits, bevor ein entsprechendes Gebäude bezugsfertig ist.

Aufleben statt Dorfsterben

Menschen werden älter und wollen rege am Leben teilhaben. Junge Familien wollen vom stressigen Beruf abschalten und ihren Kindern ein friedliches Aufwachsen ermöglichen. Auf dem Land gab es jedoch generationenübergreifend kaum Angebote, die alle zufrieden stellen konnten. Erst in den letzten Jahren wird aktiv etwas gegen das Dorfsterben getan und gleichzeitig das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Es hat sich gezeigt, dass allein das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten für die Allgemeinheit keine positive Auswirkung hatte. Gemeindehäuser, Jugendzentren und auch allgemeine Treffpunkte standen zur Verfügung, wurden aber immer weniger genutzt. Es fehlte der Gemeinsinn, der Generationen zusammen führte. Mehrgenerationenhäuser, in denen Räume nicht einfach für bestimmte Veranstaltungen gemietet werden können, sondern in denen konkrete Angebote erfolgen, führen Jung und Alt zusammen. Ältere Menschen können sich je nach Möglichkeit in die Gemeinschaftsarbeit einbringen und erleben das Gefühl des gebraucht werdens. Familien erfahren, dass es auf dem Land durchaus nicht langweilig sein muss.

Ein Mehrgenerationenhaus entsteht

Wie immer steht am Anfang die Idee, gefolgt von Überlegungen zur Finanzierung. Gerade die kleinen Gemeinden haben oft kaum die finanziellen Mittel, ein solches Projekt allein auf die Beine zu stellen. Es reicht nicht aus, irgendein altes, nicht genutztes Gebäude etwas aufzumöbeln. Der Wohlfühlfaktor eines Hauses für die Gemeinschaft ist enorm wichtig, wenn sich ein nachhaltiger Erfolg einstellen soll. Noch sind die Mittel der Länder für die Gemeinden nicht ausreichend, um ein solches Projekt zu verwirklichen. Das bedeutet, dass die Gemeinden auf Spenden und aktive ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind. Ein Neubau kommt aus Kostengründen meist nicht in Frage. Der Umbau eines eventuell bereits in Gemeindebesitz befindlichen Gebäudes ist mit eben der ehrenamtliche Hilfe, den Spenden und den Landeszuschüssen eine Alternative, die bei der Bevölkerung gut ankommt. Der vorhandene Charme eines älteren Gebäudes in Verbindung mit modernen Nutzungsmöglichkeiten ist der erste Schritt zur Verbindung zwischen Jung und Alt.

Wie kann ein Mehrgenerationenhaus genutzt werden?

Auch wenn das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund steht, bedeutet das nicht, dass alle Generationen nun alles gemeinsam machen sollen oder wollen. Eine solche Planung würde völlig am Bedarf vorbeigehen. Es sollte Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren geben. Dass sich die Generationen bei einigen Angeboten treffen können, die für alle Altersstufen geeignet sind, ist eines der Ziele. Diese Angebote können sein: ein Chor, ein Cafe´, Vorlesestunden der Älteren für die Jüngsten, gemeinsames Basteln oder vielleicht Skatturniere und vieles mehr. Doch auch generationsbezogene Treffen müssen ihren Platz haben. Gesundheitsvorträge für die Senioren, Rentenberatung für die Berufstätigen, eine Krabbelgruppe für Mamis mit Kleinkindern und spezielle Angebote für Jugendliche, um nur einige Beispiele zu nennen. In einer Umgebung für Alle, in der man sich einfach mal im Treppenhaus begegnen kann oder im Sommer vielleicht ein gemeinsames Gartenfest feiert, lernen die Generationen, wieder aufeinander zuzugehen, sich zu akzeptieren und zu respektieren.

Angebote im Mehrgenerationenhaus

Welche Angebote in einem Mehrgenerationenhaus wünschenswert, sinnvoll und realisierbar sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sicherlich sollten die Wünsche der Bevölkerung an erster Stelle stehen. Diese können beispielsweise über eine Bürgerbefragung leicht eruiert werden. Demokratisch korrekt können aus dem Topf der Wünsche und Vorschläge die realisierbaren Angebote herausgefiltert werden. Realisierbar bezieht sich einerseits auf den finanziellen Aspekt, andererseits auf die Durchführbarkeit. Es nutzt nichts, wenn ein großer Wunsch zur Nutzung einer Bowlingbahn besteht, aber weder Geld noch Platz dafür vorhanden sind.

Das Gros der Nutzung sollte aus der Bevölkerung selbst kommen. Dennoch ist es nicht falsch, mit Institutionen zusammenzuarbeiten, die ihre Dienste sonst eventuell aus Platzgründen nicht anbieten können. Selbsthilfegruppen können ein Heim finden. Möglicher Weise sind Lesungen oder Musikvorträge vorstellbar. Auch Kinderschutzbund, Tierschutzvereine oder Familienberatungsstellen aus den umliegenden Städten können Sprechstunden, Beratungen und Hilfen anbieten. Wichtig ist in jedem Fall ein ausgewogenes Angebot für alle Generationen.

Claudia, Claudia Lutterkort

Claudia Lutterkort - Mein Name ist Claudia Lutterkort. Ich wurde 1961 geboren, habe zwei Kinder, drei Hunde und eine Katze. Ich arbeite in der ...

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